Fifa-Korruptionsaffäre Die Frage nach Blatter bleibt unbeantwortet - vorerst

Verklausuliert, aber unmissverständlich: US-Justizministerin Lynch kündigt an, dass die Ermittlungen in der Fifa-Korruptionsaffäre ausgeweitet werden. Fragen zur Rolle von Präsident Joseph Blatter weicht sie aber aus.

Aus Zürich berichtet

US -Justizministerin  Lynch: "Keine Auskunft zu Herrn Blatters Reiseplänen"
AFP

US-Justizministerin Lynch: "Keine Auskunft zu Herrn Blatters Reiseplänen"


Wer erwartet hatte, die höchsten Strafverfolger aus den USA und der Schweiz würden weitere mutmaßliche Fifa-Betrüger präsentieren, wurde am Montagnachmittag enttäuscht. US-Justizministerin Loretta Lynch und der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber führten niemanden in Handschellen vor, als sie am Rande der Jahrestagung der Internationalen Vereinigung der Staatsanwälte (IAP) im Zürcher Renaissance-Hotel eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz gaben.

Dennoch war die politische Botschaft ihres halbstündigen Auftritts unmissverständlich: In den USA, in der Schweiz und in etlichen anderen Ländern wird weiter unter Hochdruck wegen Geldwäsche, Korruption und anderer Vergehen ermittelt. Lynch, die in ihrer früheren Funktion als Distriktsstaatsanwältin den Fifa-Komplex eröffnet hatte, sagte: "Der Umfang unserer Ermittlungen ist unbegrenzt. Wir arbeiten in alle Richtungen weiter. Seit den Verhaftungen im Mai wurden die Ermittlungen ausgeweitet."

Die US-Justizministerin sprach mehrfach von einer zweiten Runde Anklagen gegen Personen und Firmen aus dem Fußballgeschäft. Es werde weitere Festnahmen geben, bislang hat die US-Justiz gegen 14 Fifa-Offizielle und Manager Anklage erhoben. Sieben Personen wurden am 27. Mai in Zürich verhaftet, sechs von ihnen - darunter Fifa-Vizepräsident Eugenio Figueredo (Uruguay) und Brasiliens ehemaliger Verbandschef José Maria Marín - sitzen noch immer in Untersuchungshaft in der Schweiz und versuchen, ihre Auslieferung in die USA zu verhindern.

Ein anderer Fifa-Vizepräsident, Jeffrey Webb von den Cayman Inslands, wurde in die USA überstellt, kam gegen eine Kaution von zehn Millionen Dollar frei und bereitet sich auf seinen entscheidenden Termin vor dem Untersuchungsrichter vor.

Lynch sagte, wer im Business tätig sei, ob in der Fifa, in Kontinentalverbänden oder in nationalen Verbänden, solle sich für den richtigen Weg entscheiden: "für Reformen und Einhaltung von Gesetzen". Diese Botschaft dürfte angekommen sein. "Wir sind zuversichtlich, dass wir alle 14 Personen, gegen die bisher Anklage erhoben wurde, auch in die USA bekommen."

Lynch und Lauber vermieden konkrete Aussagen zum noch amtierenden Fifa-Präsidenten Joseph Blatter, der seit Monaten die Schweiz kaum verlässt, offenbar weil er eine Verhaftung fürchtet. "Ich kann ihnen keine Auskunft zu Herrn Blatters Reiseplänen erteilen oder über jene, die in der nächsten Runde festgenommen werden", sagte Lynch.

Der Schweizer Lauber wich einer klaren Antwort auf die Frage aus, ob gegen Blatter bereits wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung ermittelt werde. Blatter hatte seinen Anteil daran, dass dem nachweislich schwer korrupten ehemaligen Vizepräsident Jack Warner WM-Vermarktungsrechte in der Karibik für fünf aufeinanderfolgende Finalrunden (1998 bis 2014) für teils symbolische Preise zugeschanzt wurden. "Wir analysieren das Material", erklärte Lauber ausweichend. Gemäß Schweizer Strafgesetzbuch ist ungetreue Geschäftsbesorgung ein Offizialdelikt und kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

"Kooperieren Sie mit uns!"

Bundesanwalt Lauber, ein weltweit anerkannter Experte in Sachen Wirtschaftskriminalität, bemühte Fußballvokabeln: "Wir sind noch lange nicht bei der Halbzeit unserer Ermittlungen." Der Berg an Arbeit wachse ständig. "Wir haben riesige Datenmengen von elf Terabyte sichergestellt. Wir untersuchen mittlerweile 121 verdächtige Konten. Wir haben Hausdurchsuchungen durchgeführt, haben Konten und Wohnungen in den Schweizer Alpen beschlagnahmt." Die Zusammenarbeit mit den US-Behörden und anderen Ermittlungsorganen sei vorzüglich.

Diese Kooperation hatte US-Ministerin Lynch schon am Morgen zur Eröffnung des IAP-Kongresses gelobt: "Staatsanwälte aus der ganzen Welt sind sich einig, dass Verbrecher sich zu verantworten haben, egal wo sie sich aufhalten, wie mächtig sie sein sollten und wie komplex ihre Vergehen sind." Sie fügte einen Satz an, den so ziemlich jeder Anwesende als Warnung an die Fifa verstand: "Keine Person und keine Organisation steht über dem Recht."

Der Korruptionsexperte Mark Pieth von der Universität Basel, der von der Fifa als Chef des einstigen Governance-Komitees verpflichtet worden war, glaubt, dass die juristische Aufarbeitung in der Schweiz vier bis fünf Jahre dauern könnte. Laubers Task Force sei personell zu dünn besetzt. Lauber nannte weitere Behörden, mit denen seine Leute sehr gut kooperierten, etwa die Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei (MROS). Es sei auch aus ermittlungstaktischen Gründen indes zu früh, Zahlen, Firmen und Namen zu nennen.

Ermittlungstaktisch - und in den USA bereits prozesstaktisch - schienen es Loretta Lynch und Michael Lauber jedoch für angebracht zu halten, eine Warnung auszusenden. Diesmal, so die Botschaft des Tages, gebe es kein Zurück. Die Zeit, da sich die Fifa und andere internationale Sportverbände auf ihre Lobbyisten und die Unterstützung von Politik und sogar Ermittlungsbehörden verlassen konnten, sei ein und allemal vorbei. Lynch empfahl allen Beteiligten: "Es gibt immer eine Option. Kooperieren Sie mit uns!"



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insgesamt 15 Beiträge
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dr. ch. bernhart 14.09.2015
1. Die haben nichts gedunden
die Frau hat nichts in der Hand, absolut gar nichts, seit ihrer billigen Verhaftungsshow ist nicht passiert, jetzt wieder eine billige Show ohne Fakten, der Schweizer Bundesanwalt muss sich dafür noch verantworten müssen,
deglaboy 14.09.2015
2. Wann blattert der Lack ab?
Wieder mal müssen die USA die Kohlen aus dem Feuer holen. Was machen die Europäer? Wie immer feige wegschauen. Europa ist mehr und mehr ein Torso, ein Auslaufmodell. Ein alternder, sklerotischer Kontinent, ohne Kraft und Saft. Aber was will man erwarten, wenn solche Leute wie Juncker, Schulz, Barroso, van Rompuy und Konsorten an der Spitze stehen. Absolute Nullen und Wortakrobaten. Ich kann heute nicht mehr richtig nachvollziehen, wozu wir diese 50 000 Bürokraten in Brüssel noch brauchen. Wegen mir, abwickeln. Läbbe gäd weider.
deglaboy 14.09.2015
3. Oha, Blatters Freunde...
bloggen eifrig. Ob die nichts gefunden haben, wird man noch sehen.
Big.m 14.09.2015
4. an alle Blatter Freunde
der liebe Herr Blätter wird zu Fall gebracht, früher oder später! jeden normal denkenden Menschen sollte das klar sein! Für mich als Fussballfan ist Herr Blatter schon seit Jahren untragbar und eine Schande für die Sportart!
wanderer777 14.09.2015
5. Beamtendeutsch
"Ungetreue Geschäftsbesorgung" - mein Gott, im Beamtendeutsch sind die Schweizer ja noch schlimmer, als die Preussen. Ob solche Beamten auch mit ihren Ehefrauen so reden?
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