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Michel Platini: Ein Kandidat für die Fifa, nicht für den Fußball

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REUTERS

Platini: "Habe die Zukunft des Fußballs gegen meine eigene abgewogen"

Wandel sieht anders aus: Michel Platini will neuer Fifa-Chef werden. Doch der Uefa-Boss ist ein Zögling des umstrittenen Amtsinhabers Joseph Blatter - und er steht für eine der größten Fehlentscheidungen des Fußballweltverbands.

Was Pathos angeht, steht er Joseph Blatter in nichts nach: Es gebe Zeiten im Leben, "in denen musst du dein Schicksal in die eigenen Hände nehmen", schreibt Michel Platini in einem Brief an die 209 Mitgliedsverbände der Fifa. Mit seiner Kandidatur als Blatter-Nachfolger habe er eine "sehr persönliche Entscheidung" getroffen, "in der ich die Zukunft des Fußballs gegen meine eigene Zukunft abgewogen habe".

Platini also. Er will und wird Blatter wohl bei der Wahl Ende Februar 2016 beerben. Immerhin hat er offenbar schon Zusagen der Konföderationen aus Europa, Asien, Südamerika sowie Nord- und Zentralamerika. Das würde reichen.

Damit droht sich das Desaster beim Fußballweltverband fortzusetzen. Denn so erleichtert viele Funktionäre, auch beim DFB, jetzt sein dürften: Platini ist die falsche Wahl. Er steht keineswegs für einen Neuanfang, zu lange war er Teil des Systems Blatter, das die Fifa in den größten Skandal ihrer Geschichte geführt hat: die Festnahme von sieben Funktionären in Zürich wegen des Verdachts auf Korruption und Geldwäsche.

Der Schweizer machte Platini 1998 zu seinem Berater. Der Franzose durfte die Fifa-Millionen aus dem "Goal"-Programm verteilen - jene Entwicklungshilfe für nationale Verbände also, mit der Blatter seine Macht sicherte. Der Fifa-Boss half Platini auch bei der Kandidatur für das Amt des Uefa-Präsidenten 2007. Es war die klassische Förderer-Zögling-Beziehung.

Erst als klar war, dass Blatter auch 2015 nicht abtritt, kam es zum Zerwürfnis. Platini wagte nicht, selbst zu kandidieren, dafür war seine Angst vor einer Niederlage zu groß. Er unterstützte Blatters Herausforderer Prinz Ali Bin Al Hussein und ließ kurz Spekulationen aufkommen, die Uefa könnte den Wahlkongress boykottieren.

Doch dazu kam es nicht. Auch wenn Platini Blatter loswerden wollte - eine Revolution plante er nie.

Platini ist seit 13 Jahren Mitglied des Exekutivkomitees, in dem alle wichtigen Entscheidungen der Fifa getroffen werden. Er steht für einen der größten Fehler des Verbands - die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar. Platini hat offen zugegeben, dass er 2010 für das Emirat gestimmt hat, die Mehrheit der anderen Europäer im Komitee dürfte sich an ihm orientiert haben.

Noch mehr in die Kritik geriet Platini, als bekannt wurde, dass sein Sohn einen lukrativen Posten als Europa-Chef von Katar Sports Investment antreten sollte.

Was die Fifa braucht, ist ein glaubwürdiger Umbruch. Den kann es mit Michel Platini nicht geben.

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Christian Teevs ist Redakteur im Politik-Ressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Teevs@spiegel.de

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1. Jetzt wissen wir auch warum
jensen12345 29.07.2015
Platini Blatter ständig zum Rücktritt gedrängt hat. Einzig und allein aus purer Machtgeilheit, diesen Posten dann selber bekommen zu wollen. Platini ist ganz sicher keinen Deut besser als Blatter. Vom Regen in die Traufe.
2. Eine Pfeife....
aprilapril 29.07.2015
folgt der anderen. Offenbar gibt es aber keine Alternative. Die dritte Pfeife wäre der DFB-Präsident. Ein Orchester von Falschspielern.
3. Wandel gäbe es auch nicht mit Franz
Joachim Franz 29.07.2015
Frankreichs Fußball-Ikone hat also für Katar bestimmt. Tja und wie sieht es mit Deutschlands Fußball-Ikone Franz Beckenbauer aus? Der hat in Katar auch noch keine Arbeitssklaven gesehen. Ich würde mal sagen, Gold in den Beinen schließt Stroh im Hirn nicht aus.
4. Kein Neuanfang
usuriq 29.07.2015
Platini ist - wie hier ganz richtig beschrieben wird - die falsche Wahl. Zwar ist die FIFA deutlich korrupter, aber die UEFA darin ganz groß in der Inflation des Fußballs. CL und EL wurden schon unnötig aufgebläht. Die EM wird bald folgen, nur um noch mehr TV- und Sponsorengelder zu generieren. Da Platinis Sohn in Katar engagiert ist, würden bei seiner Wahl auch weiterhin keine unangenehmen Fragen zur Korruption und zur Lage der Arbeiter in diesem Land gestellt werden. Welch verpasste Chance...
5. Mit Platini
sekundo 29.07.2015
kommt die FIFA und somit der Fussball vom Regen in die Traufe! Er ist einer der glühendsten Vertreter einer WM in Quatar, sein Sohn bekam dort einen hochdotierten Job. Die Scheichs kauften "Paris St. Germain" und investierten auch sonst verdächtig viel in Frankreich!! Nachtigall ick hör' dir trapsen! Mit Platini als Präsident wird das "System Blatter" weiterbestehen, leider!!
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Die Präsidenten der Fifa
Amtszeit Präsident
1904-1906 Robert Guérin (Frankreich)
1906-1918 Daniel B. Woolfall (England)
1921-1954 Jules Rimet (Frankreich)
1954-1955 Rodolphe W. Seeldrayers (Belgien)
1955-1961 Arthur Drewry (England)
1961-1974 Stanley Rous (England)
1974-1998 João Havelange (Brasilien)
seit 1998 Joseph Blatter (Schweiz)


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