Diskussion um neue Fußballregeln Ein schöneres Spiel, leicht zu haben

Die Regelwächter des Ifab haben sich Gedanken über die Zukunft des Spiels gemacht. Viele ihrer Anregungen könnten sofort umgesetzt werden. Das wäre gut für den Fußball.

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Wenn sich die acht Mitglieder des International Football Association Board einmal im Jahr treffen und ihre Überlegungen zur Modernisierung des Fußballs zu Papier bringen, dann lauten die Reaktionen darauf meist so: weltfremd, nicht umsetzbar, ein Angriff auf den Wesenskern des Spiels.

Doch diesmal wäre ihre Kritik falsch. Das "Play Fair!"-Dokument strotz jedenfalls nur so vor großen und kleinen Ideen, die umgehend eine leidenschaftliche Diskussion hervorgerufen haben.

Es unterscheidet dabei drei Arten von Anregungen: 1. Solche, die sofort umgesetzt werden könnten. 2. Jene, die einem Testlauf unterzogen werden sollten. 3. Diskussionsanregungen.

Naturgemäß rufen diejenigen Änderungsvorschläge aus dem dritten Bereich das größte Echo hervor, da sie den tiefsten Einschnitt bedeuten würden: Eine Verkürzung der Gesamtspielzeit und das Anhalten der Schiedsrichteruhr bei definierten Spielereignissen sind kühne Ideen, deren Chancen auf tatsächliche Umsetzung allerdings gegen null tendieren.

Gegen Zeitspiel, Meckern und taktische Fouls

Viel interessanter sind jene Punkte, die schnell und problemlos angewandt werden könnten. Sie packen nämlich jene Probleme an, die aktuell an der Attraktivität des Sports kratzen: Zeitspiel, Meckern, taktische Fouls und Handspiele.

So möchten die Ifab-Mitglieder den Kapitänen mehr Kompetenzen geben. Diese sollen der alleinige Ansprechpartner für Schiedsrichter werden. Wer dennoch meint, als Aktiver, Ersatzspieler oder Offizieller das Schiedsrichtergespann angehen zu müssen, hat mit harten Strafen bis hin zum Punktabzug zu rechnen Die Folge: weniger Mobbing, mehr Respekt auf und neben dem Platz.

Vor der Ausführung eines Freistoßes soll der Ball nicht mehr ruhen müssen, bei absichtlichen Handspielen auf der Torlinie darf der Schiedsrichter auf Tor entscheiden, und der Zwang, dass nach einem Freistoß oder Eckball erst ein anderer Akteur das Spielgerät berühren muss, bevor der Ausführende wieder an den Ball darf, soll aufgehoben werden. Eine Idee, die auch Traditionalisten gefallen müsste: Sie fand sich schon in den 1863 niedergeschriebenen "Regeln des Spiels", der Grundlage der noch heute gültigen Fifa-Bestimmungen.

Die reflexhafte Kritik an den Ifab-Vorschlägen mag historisch begründet sein. Das Gremium hatte schon oft zweifelhafte Ideen. Diese lieb gewordene Tradition des Draufhauens auf alle Reformvorschläge wäre im konkreten Fall eine verpasste Chance. 25 Jahre nach Einführung der Rückpassregel haben uns die Ifab-Mitglieder spannende Ideen an die Hand gegeben. Diskutieren wir darüber, was gut für den Fußball ist.

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insgesamt 23 Beiträge
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rainerwäscher 18.06.2017
1.
Ob 60 oder 90 Minuten - egal, im Fernsehen läuft es 3 Stunden. Mehr Zeit für Gerede.
grommeck 18.06.2017
2. 60 Min bei Anhalten der Uhr wäre zu diskutieren
Einige der genannten Ändeungen sind bei näherer Betrachtung durchaus sinnvoll. Die meiste Zeit verrinnt durch meckern, diskutieren und schauspielern, das hat mit dem Sport nichts mehr zutun in sollte geahndet werden. Da der Fußball allerdings mehr und mehr im Fokus der Profitgeier steht, ist sein Rückhalt in der Bevölkerung eh nur noch zeitlich begrenzt und eine Frage der Prioritäten. Man wendet sich ab von den balltretenden Millionären.
kuroro_luzifer 18.06.2017
3. Zu Begrüßen
Viele der Vorschläge würden das Spiel dynamischer und fairer machen. Besonders angetan bin ich von der Idee, dass es keinen Nachschuss nach einem Elfmeter geben soll. Wie inzwischen immer völlig unkontrolliert bereits vor Berührung des Balls in den Strafraum gelaufen wird macht jedes Tor per Nachschuss irregulär. Also einfachhalber gleich weg damit. Ebenso gut ist es, wenn ein absichtlicher Rückpass einen Elfmeter zur Folge hätte. Indirekte Freistöße aus 3 Metern sind lächerlich. Die Spielzeit bei Unterbrechungen anzuhalten halte ich für falsch. Man kann an den US-Sportarten sehr gut sehen, dass die Echtspielzeit dadurch nur steigt.
shotaro_kaneda 18.06.2017
4.
"... der Zwang, dass nach einem Freistoß oder Eckball erst ein anderer Akteur das Spielgerät berühren muss, bevor der Ausführende wieder an den Ball darf, soll aufgehoben werden." Wie darf ich mir das vorstellen? Da kann der Eckenschütze oder Freistoßschütze einfach losdribbeln? Da hat sicher jeder eine andere Meinung. Ich finde es nicht gut. Auch dass der Ball nicht mehr ruhen soll, halte ich für verkehrt. Einzig, dass nur noch der Kapitän mit dem Schiri diskutieren darf, halte ich für einen guten Vorschlag.
joe.micoud 18.06.2017
5.
Sofort umsetzen bitte. Kann ich nur unterstützen. Dann wäre mal Ruhe beim Schiri durch weniger Gelabere. Und Tor bei absichtlichem Handspiel sowie sofortige Ausführung von Freistößen find ich noch besser. Das Spielermodell der "taktisch cleveren Spieler" wird damit endlich ein Stück weit ausgehöhlt.
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