Zugriff in Zürich Schweizer Polizei nimmt Fifa-Funktionäre fest

Die US-Justiz erhebt Anklage wegen Korruptionsverdachts gegen mindestens sechs Fifa-Funktionäre. Die Kantonspolizei Zürich hat mehrere Offizielle festgenommen. Der Zugriff erfolgte zwei Tage vor der geplanten Wiederwahl von Verbandsboss Sepp Blatter.

Fifa-Zentrale in Zürich: Zugriff der Schweizer Kantonspolizei
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Fifa-Zentrale in Zürich: Zugriff der Schweizer Kantonspolizei


Die Schweizer Polizei hat in einem Luxushotel in Zürich mehrere Fifa-Funktionäre festgenommen. Die Vertreter des Fußball-Weltverbandes bereiten sich dort auf ihren Jahreskongress vor, bei dem sich Verbandschef Sepp Blatter am Freitag erneut zum Präsidenten wählen lassen will.

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Heft 22/2015
Die fröhliche Fehlbarkeit des Papstes

Laut offiziellen Angaben wurden "auf Anordnung des Bundesamtes für Justiz (BJ) sechs Fußballfunktionäre festgenommen und in Auslieferungshaft genommen. Sie werden verdächtigt, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben".

Die Festnahmen seien auf Ersuchen der US-Behörden erfolgt: "Der für den Bezirk Ost von New York zuständige Staatsanwalt ermittelt gegen diese Personen wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern und verdeckten Provisionen seit Beginn der Neunzigerjahre bis heute."

Der Behörde zufolge sollen Vertreter von Sportmedien und Sportvermarktungsunternehmen Delegierte der Fifa und andere Funktionäre von Fifa-Unterorganisationen mit mehr als 100 Millionen Dollar bestochen haben. Als Gegenleistung sollen sie bei der Austragung von Fußballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben. Die Zahlungen seien über US-Banken abgewickelt worden.

Die Festgenommenen werden noch im Laufe des Tages angehört. Ihre Namen wollte die Schweizer Behörde zunächst nicht nennen, kündigte aber an, dass sie noch am Mittwoch die Namen veröffentlicht würden.

Laut Informationen der "New York Times" ließen sich die Ermittler an der Rezeption des Hotels Baur au Lac die Zimmerschlüssel aushändigen und gingen dann zu den Zimmern der Verdächtigen, wo sie die Männer festnahmen und über einen Seitenausgang aus dem Hotel führten.

Laut der Zeitung wollen die Behörden in den Vereinigten Staaten noch am Mittwoch Anklage gegen mindestens zehn Fifa-Funktionäre erheben. Unter ihnen sollen Mitglieder des Exekutivkomitees sein. Dieses 22-köpfige Gremium trifft alle wichtigen Entscheidungen des Weltverbandes.

Korruption soll jeden Bereich der Fifa durchdrungen haben

Den Verdächtigen werden Geldwäsche, Betrug unter Einsatz von Telekommunikationsmitteln und organisiertes Verbrechen vorgeworfen. Es geht um Vorgänge, die sich in den vergangenen 20 Jahren ereignet haben sollen.

"Es schien jeden Bereich der Fifa zu durchdringen und war einfach ihre Art, Geschäfte zu machen", sagte ein US-Ermittler. "Es sieht aus, als sei diese Korruption institutionalisiert worden."

Den Verdächtigen droht nun die Auslieferung in die USA.

Die "New York Times" nennt unter Berufung auf US-Justizkreise drei Namen:

  • Jeffrey Web, Vize-Präsident des Exekutivkomitees von den Cayman-Inseln.

  • Eugenio Figueredo aus Uruguay, ebenfalls Vize-Präsident des Exekutivkomitees.

  • Jack Warner, Ex-Mitglied des Exekutivkomitees, dem in der Vergangenheit schon mehrfach Korruption vorgeworfen wurde.

Unklar ist, ob diese drei unter den in der Schweiz verhafteten Personen sind.

Fifa-Boss Joseph Blatter, 79, soll ersten Meldungen zufolge nicht zu den Beschuldigten gehören. "Er hat damit überhaupt nichts zu tun", sagte Fifa-Sprecher Walter de Gregorio. Blatter stellt sich am Freitag zur Wiederwahl. Einziger Gegenkandidat des Schweizers, der in seine fünfte Amtszeit gehen will, ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien.

syd/ala/cte/sid/Reuters/AP

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insgesamt 144 Beiträge
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Seite 1
Zauderer 27.05.2015
1. Alle
Ich denke, dass man mit den genannten Vorwürfen fast alle FIFA-Funktionäre verhaften könnte.
Eppelein von Gailingen 27.05.2015
2. Das war wohl der Anfang vom Ende der Selbstherrlichkeit dieses Sepp Blatter
Ein schöner Präsident der Fifa mit seinem Geldwäsche-Exekutiv-Komitee. Die mysteriöse Vergabe der WM an Russland und Katar. Und Blatter springt noch frei herum?
opogog 27.05.2015
3. Danke!!!
Auch wenn ich die NSA Methoden nicht gutheiße. Vielleicht war ja der ein oder andere Selektor jetzt auch für was zu nutze.
Anna Ampel 27.05.2015
4. Endlich!
Ist das der Anfang vom Ende dieser korrupten FIFA-Bande? Nicht nur den Fußballfans wäre das zu wünschen.
Wunderläufer 27.05.2015
5. Korrupt?
Dass die FIFA ein korrupter Haufen ist, dürfte niemanden ernsthaft überraschen. Und bekanntlich stinkt der Fisch vom Kopf, Herr Blatter. Nur: so lange der Rubel rollt, kann jeder in diesem Sumpf gut leben, nicht zuletzt unser DFB. Pfui!
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