Korruptionsvorwurf zur WM-Vergabe Blatter will es nicht so gemeint haben

Fifa-Präsident Blatter sorgt für Aufregung: Erst deutete er an, bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 an Deutschland sei getrickst worden. Jetzt fühlt er sich plötzlich falsch verstanden. Sein Sinneswandel kommt kurz bevor er sich vor dem Exekutivkomitee des Weltverbands erklären muss.

Fifa-Präsident Blatter: "Immer einen Grund, um Verschwörungstheorien zu spinnen"
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Fifa-Präsident Blatter: "Immer einen Grund, um Verschwörungstheorien zu spinnen"


Hamburg - Fifa-Präsident Joseph Blatter hat in einem offenen Brief an "Fußball-Deutschland" seine Aussagen zu angeblichen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2006 relativiert. "Solange keine konkreten Beweise vorliegen, dass bei irgendeiner WM-Vergabe etwas schief gelaufen ist, muss und soll man an der Rechtmäßigkeit der Wahl festhalten." Dies gelte für Deutschland ebenso wie für alle anderen Länder, schreibt der Boss des Fußball-Weltverbandes (Fifa) in der "Bild"-Zeitung.

Man könne "immer einen Vorwand finden, um die Rechtmäßigkeit eines Entscheides zu bezweifeln." Dies sei die Kernaussage seiner Botschaft gewesen.

Die Verdachtsmomente hatte er am Sonntag allerdings selbst geliefert. Im Interview mit dem Schweizer "SonntagsBlick" hatte Blatter Deutschlands Erfolg bei der Bewerbung um das WM-Turnier 2006 mit korrupten Machenschaften in Verbindung zu bringen versucht: "Gekaufte WM ... Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. (...) Aber, na ja, es steht plötzlich einer auf und geht. Vielleicht war ich da auch zu gutmütig und zu naiv", so Blatter.

Nun erklärt er: Er habe auf die Frage, weshalb im Zusammenhang mit der WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 immer wieder der Vorwurf der Korruption im Raum stehe, darauf hingewiesen, "dass selbst bei der WM-Vergabe an Deutschland 2006 solche Vorwürfe erhoben worden waren".

"Ein Sommermärchen sondergleichen, worauf das Land stolz sein kann"

Blatter erklärte in dem Schreiben weiter, dass man bei WM-Vergaben immer einen Grund finde, "um irgendwelche Verschwörungstheorien zu spinnen. Sogar in Zusammenhang mit Deutschland, das eine perfekte WM lieferte. Ein Sommermärchen sondergleichen, worauf das Land stolz sein kann."

Sämtliche Verantwortliche aus Deutschlands WM-Bewerbungskomitee, das seinerzeit der spätere OK-Chef Franz Beckenbauer angeführt hatte, hatten Blatters Äußerungen zurückgewiesen. Der frühere Fifa-Funktionär Guido Tognoni bezeichnete Blatters Aussagen im Zusammenhang mit den Problemen des Fifa-Chefs mit der Schmiergeldaffäre als Ablenkungsmanöver.

Blatter muss sich am Dienstag vor dem Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes in Zürich erklären. Eigentlich stehen auf der Tagesordnung die Verabschiedung des Ethik-Kodex' und die Einsetzung der Vorsitzenden der beiden Kammern der Ethik-Kommission. Doch nach Bekanntwerden des Ausmaßes der Affäre um Schmiergelder in Millionenhöhe muss Blatter Stellung beziehen und sich auch gegen Rücktrittsforderungen wehren. Fragen zu seinen Aussagen bezüglich der WM 2006 dürften sich wohl ebenfalls ergeben.

Außerdem wurde bekannt, dass der ehemalige Präsidentschaftskandidat Mohammed Bin Hammam knapp ein Jahr nach seiner lebenslangen Sperre durch die Fifa nun vom asiatischen Dachverband AFC wegen illegaler Geldgeschäfte für 30 Tage suspendiert wurde, nachdem die Überprüfung der Konten des AFC und Bin Hammams Unregelmäßigkeiten ergeben hatte. Offenbar sind AFC-Gelder unrechtmäßig in den Kassen des Unternehmers gelandet.

jar/dpa/sid

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