Fifa-Präsidentschaftswahl Champagne beschwert sich, Prinz Ali will gläserne Abstimmung

Der Wahlkampf um die Fifa-Präsidentschaft ist in vollem Gange: Prinz Ali will die Abstimmung absagen lassen, Jérôme Champagne beklagt Vorteile der Kandidaten der großen Verbände. Und Gianni Infantino wähnt Afrika hinter sich.

Präsidentschaftskandidat Champagne: "Gravierende Verletzung des Fairness-Prinzips"
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Präsidentschaftskandidat Champagne: "Gravierende Verletzung des Fairness-Prinzips"


Am Freitag wird in Zürich das Rennen um die Präsidentschaft des Fußball-Weltverbands Fifa entschieden - und der Wahlkampf wird immer, nun ja, sagen wir: interessanter. Der jordanische Kandidat Prinz Ali bin Al Hussein will die Wahl von höchster Instanz absagen lassen. Wie seine Anwälte mitteilten, hat Ali hierfür bereits am Montag beim Internationalen Sportgerichtshof Cas einen Antrag gestellt.

Hintergrund des Antrags ist eine Idee des Prinzen, eine Glasabstimmungskabine für die Vertreter der Fifa-Mitgliedsverbände installieren zu lassen. Domenico Scala, der für die Wahl zuständige Fifa-Kommissionschef, lehnte dies bereits ab. Nun soll die Fifa eine Anfrage zur "beschleunigten Klärung der Sache" verweigert haben, teilten die Anwälte mit: "Es ist daher ganz natürlich, dass Prinz Ali den Cas anruft."

Der Cas teilte mit, dass er den Antrag erhalten habe und eine Entscheidung über "provisorische Maßnahmen bis spätestens Donnerstagmorgen" getroffen werden soll. Bis dahin werde es keine weitere Stellungnahme geben.

Von einer gläsernen Abstimmungskabine verspricht sich Ali mehr Transparenz. "Nur eine transparante Glaskabine kann beweisen, dass jeder Abstimmende bei seinem Votum nur seinem Herzen und seinem Gewissen folgt. Dass es keine Zwangsstimmen gibt, die durch gepostete Fotos und damit Druck von außen erzwungen wurden", sagte einer der Anwälte von Prinz Ali. Ein Fifa-Sprecher hatte bestätigt, dass den Abstimmenden nicht erlaubt wird, mit einem Handy die Abstimmungskabine zu betreten. Es dürfen keine Fotos vom Votum über soziale Netzwerke gepostet werden.

Champagne sieht "gravierende Verletzung des Fairness-Prinzips"

Auch der Franzose Jérôme Champagne, der keine realistische Siegchance bei der Wahl hat, legte Beschwerde ein - wegen eines vermeintlichen Vorteils seiner Mitbewerber Gianni Infantino und Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa.

Champagne forderte die Fifa auf, zusätzliche Akkreditierungen für 20 "Beobachter" der Uefa und sieben Entsandte des asiatischen Fußball-Verbandes zu streichen. Diese Personen könnten im Zürcher Hallenstadion für die Kandidaten der großen Kontinentalverbände werben. Als unabhängiger Kandidat bliebe ihm diese Möglichkeit versagt, sagte Champagne, der dies als eine "gravierende Verletzung des Fairness-Prinzips" bewertet.

Uefa-Generalsekretär Infantino und Scheich Salman gelten als Favoriten auf die Nachfolge von Joseph Blatter bei der Abstimmung der 209 Fifa-Mitgliedsländer. Infantino rechnet sich große Chancen bei den Verbänden in Afrika aus, er erwarte mehr als die Hälfte der 54 Stimmen der größten Konföderation des Fußball-Weltverbands, sagte der Schweizer: "Ich werde großen Einfluss in Afrika haben."

Niersbach ist für Infantino, darf aber nicht abstimmen

Infantinos Aussage verwundert: Die afrikanische Konföderation CAF hatte ihren Mitgliedern eigentlich deutlich empfohlen, für seinen größten Kontrahenten Scheich Salman aus Bahrain zu stimmen. Experten rechnen damit, dass zahlreiche Verbände diesem Aufruf folgen werden.

Der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sprach sich für Infantino aus. "Er bringt die Erfahrung und alle fachlichen Voraussetzungen mit, um die Fifa wieder auf einen sicheren Kurs zu bringen", sagte Niersbach, der wegen der Untersuchungen der dubiosen Vergabe der WM 2006 sein Amt im November aufgeben musste. Niersbach darf bei der Wahl nicht abstimmen. Die deutsche Stimme - die Infantino versprochen ist - muss ein DFB-Vertreter abgeben.

bka/sid/dpa/AFP

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
nolabel 23.02.2016
1. Absurdistan
Ein Scheich, ein Prinz und ein Schweizer - genau so stellt man sich eine repräsentative Vertretung des internationalen Fußballs vor. Oder fühlt sich irgendjemand veralbert? Oh, wie ich mich schon auf die WM in Katar freue, rauschende Fußballfeste in vollen Stadien vor sachkundigem Publikum...
walter_e._kurtz 23.02.2016
2. business as usual
http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-Die-Fu%C3%9Fball-Mafia-/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=33604932 Ganz gleich, wer´s von denen wird; es wird wohl weitergehen, wie bisher. Die fifa abwickeln und auflösen wäre ein probates Mittel. Schaun mer mal, wie lange die Großkopferten ihr Spielchen noch weiterspielen zu gedenken. So lange, wie die fifa-Funktionäre per du mit Staatschefs und -cheffinnen sind, kann das jedoch noch eine ganze Weile so gehen...
carlitom 23.02.2016
3.
Ich finde es ja immer so peinlich, wenn Journalisten ihre eigene Sprache nicht beherrschen: wähnen heißt IRRTÜMLICH meinen. Also es ist sicher, dass sie sich irren, wenn sie irgendwas wähnen. Es ist kein Synonym zu meinen/glauben/vermuten.
harigr 23.02.2016
4. ???
Wie kann man aus dem Dunstkreis der FIFA heraus das Wort Fairness überhaupt andenken - die Provinzfürsten wollen weiter fürstlich entlohnt werden, da bietet sich doch die Wahl mit lauter Neuen an !!
Airkraft 23.02.2016
5. Die...
Die "ehrenwerte Gesellschaft" gibt sich die "Ehre" :-(
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