Blatter-Gegenkandidat Hussein Der Prinz, der kein König wird

Mit dem jordanischen Prinzen Hussein hat Fifa-Chef Joseph Blatter einen ernsthaften Gegenkandidaten bekommen. Wer ist der Mann? Und wie stehen seine Chancen bei der Wahl zum obersten Fußballboss der Welt?

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Der Tag hat für Joseph Blatter gut begonnen. Der jordanische Prinz Ali Bin Al Hussein hat am Morgen via Twitter seine Bewerbung auf die Präsidentschaft des Fußball-Weltverbandes Fifa angekündigt. Endlich ein ernsthafter Gegenkandidat für Blatter - das sind genau die Situationen, die der 78-jährige Schweizer so liebt.

Blatter dürfte in den kommenden Monaten bis zur Wahl zur Höchstform auflaufen. Und am Ende wie immer gewinnen.

Der 39-jährige Prinz, derzeit einer der Fifa-Vizepräsidenten, ist auf den ersten Blick jemand, der tatsächlich das Zeug hätte, die Ära des seit 1998 regierenden Blatter zu beenden. Anders als der Franzose Jérôme Champagne, der vor Monaten bereits seinen Hut in den Ring geworfen hat und dessen Kandidatur von allen Kennern als aussichtslos eingeschätzt wird. Der ehemalige Fifa-Funktionär Champagne hat keine Hausmacht, er ist ein Einzelkämpfer, der zwar viel über Transparenz redet, aber nicht die Verbündeten hat, diese auch in die Tat umzusetzen.

Hussein dagegen würde zahlreiche Stimmen aus Asien auf sich vereinen. Der Kontinent galt bisher als Blatter-Land, seit der Schweizer 2011 seinen bis dahin gefährlichsten Gegenspieler Mohammed Bin Hammam aus Katar nach allen Regeln der Kunst entmachtet hat. Was noch wichtiger ist: Hussein hat das Wohlwollen des Uefa-Chefs Michel Platini. Der Franzose hat sich zwar selbst nicht getraut, gegen Blatter anzutreten, aber er hat Hussein als Gegenkandidaten aufgebaut.

Hussein könnte für einen Neuanfang stehen

In Europa gilt der Jordanier als derjenige, der das miserable Image der Fifa aufbessern könnte. Einer, der mit seinen noch jungen Jahren für einen Neuanfang steht. "Die Botschaft, die ich immer und immer wieder gehört habe, war, dass es Zeit für Veränderungen ist", hat der Prinz am Dienstag mitgeteilt.

Blatter hatte bei seiner Wahl vor vier Jahren die europäischen Stimmen nur dadurch hinter sich bringen können, weil er versichert hatte, dass er das letzte Mal antreten würde. 2015 sei nach vier Amtszeiten dann endgültig Schluss. Selbst in der Fifa, wo das Kurzzeitgedächtnis relativ ausgeprägt ist, erinnern sich viele Europäer an das damalige Versprechen. Nur Blatter nicht mehr. Mit der Kandidatur Husseins will Platini den Schweizer jetzt dazu zwingen, sein Versprechen von 2011 einzulösen.

Der Prinz hat sich in den vergangenen Monaten für eine Offenlegung des Garcia-Untersuchungsberichts zur Vergabe der Fußballweltmeisterschaften an Russland und Katar stark gemacht, er hat sich damit für seine Kandidatur um den Fifa-Vorsitz warmgelaufen - aber genau damit fangen auch seine Probleme an.

Die WM in Katar bleibt unantastbar

Es erscheint kaum vorstellbar, dass ausgerechnet ein asiatischer Fifa-Boss den Plan ernsthaft betreiben würde, Katar die WM wieder zu entziehen - auch wenn ihm das in Europa Sympathien und die eine oder andere Stimme einbrächte. 2012 in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" hat sich Hussein im übrigen noch eindeutig pro Katar ausgesprochen. Die WM-Vergabe an das Emirat gilt zwar als größter Sündenfall der Fifa, aber weder Blatter noch Hussein werden diese Entscheidung rückgängig machen.

Zudem ist es alles andere als sicher, ob er die beiden Kontinente Asien und Europa überhaupt geschlossen hinter sich bringen kann. Als Hussein 2011 auf den Posten des Fifa-Vizepräsidenten aufrückte, geschah dies per Kampfkandidatur gegen den Südkoreaner Chung Mong-Joon. Die Koreaner zeigten sich damals brüskiert von Husseins überraschendem Sieg, sie haben diese Schmach nicht vergessen.

Noch schwieriger ist die Situation für Hussein in Europa. Blatter hat schon durchblicken lassen, dass er trotz des Widerstands von Platini zahlreiche europäische Verbände hinter sich weiß - von Italien über Spanien bis hin zu skandinavischen Ländern. Dagegen stehen zwar die Platini-treuen Verbände aus Frankreich, England und Deutschland, aber Europa ist gespalten. Dass Platini im Gegensatz zu Blatter 2010 ebenfalls für die WM-Vergabe an Katar gestimmt hat, macht den Franzosen zudem nicht wirklich glaubwürdiger. Dass Blatter die Stimmen aus Afrika und Amerika mehrheitlich einsammeln wird, kommt für Hussein erschwerend hinzu.

Der Schweizer ist darüber hinaus ein begnadeter Wahlkämpfer, dem fast jedes Mittel recht ist, Unterstützer zu sammeln. Er wird in den kommenden Wochen viele Hände schütteln, er wird Versprechungen machen, er wird charmant sein, er wird, wenn es nötig ist, auch drohen. All das kann er wie kein anderer.

Mit dem Afrikaner Issa Hayatou 2002 und Bin Hammam 2011 hatte Blatter Gegenspieler, die sich ihres Sieges fast schon gewiss waren, weil sie den Machtinstinkt des Schweizers unterschätzt hatten. Vor allem Hammam war damals skrupellos auf Stimmenfang gegangen. Am Ende stand Blatter doch als Triumphator da. Weil ihn in Sachen Macchiavellismus bisher niemand im Weltfußball übertrifft.

Mit der Bewerbung Husseins ist die Angelegenheit für Blatter komplizierter geworden. Es ist kein Selbstläufer mehr, wie es das Duell allein gegen Champagne gewesen wäre. Aber so fühlt sich Blatter herausgefordert. Und dann ist er bisher immer am gefährlichsten gewesen.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
stevenspielberg 06.01.2015
1. Blatter weg!
Wo kann ich meine Stimme für den Mann abgeben?
icke44 06.01.2015
2. Würde sich etwas ändern?
Die FIFA bleibt ein Privatverein, der in der Schweiz unter Artenschutz steht und als Monopolist so transparent ist wie eine Betonplatte. Einziger Ausweg: Austritt der Top10 Mitglieder und Neugründung eines Verbandes unter dem Dach der UNESCO mit wirklich demokratischer Satzung!
Bundeskanzler20XX 06.01.2015
3. Ich stimme dem #2 zu
Die FIFA würde sich dadurch nicht ändern, Hussein dagegen schon eher. Die ganzen Leute die heute vom System Blatter profitieren wollen ihre Privilegien sicherlich nicht verlieren und den neuen Hampelmann schnell auf Kurs bringen. Man erinnere sich an einen Mann der in einem Land auch mal Veränderung und Yes, we can propagierte... Heute muss er wohl rufen No, I can´t! So wird es auch Hussein ergehen. Die FIFA kann man nur zerschlagen und wegwerfen. Ein neuer Verband unter Aufsicht muss her.
simon.meister6 06.01.2015
4. WM Vergabe 2006
Der britische und deutsche Fussballverband greifen über die Medien immer wieder die FIFA an. Warum aus keinem der beiden Länder sich jemand für das Präsidium bewirbt, kann ich nicht nachvollziehen. Warum bewirbt sich nicht Zwanziger oder noch besser Beckenbauer? Dann würde Ruhe einkehren. Übrigens, ist eigentlich mal klar geworden, wie die Deutschen 2006 zu ihrer WM und zum Sommermärchen gekommen sind. Südafrika war Favorit. Dann kippten plötzlich asiatische FIFA Mitglieder und ein Mann verliess vor der Abstimmung den Raum und kehrte nicht mehr zurück.
deus-Lo-vult 06.01.2015
5.
Da könnte man ebenso den Emir aus Katar nominieren. NICHTS wird sich ändern!
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