Fifa-Prozess Fußball im Fernsehen - ein schmieriges Geschäft 

Für die Vergabe der Fußball-Fernsehrechte der WM-Turniere sind Millionen an Bestechungsgeld geflossen. Das sagen die Zeugen im New Yorker Fifa-Prozess aus. Und immer wieder fällt ein Name: Katar.

Fifa, Korruption und kein Ende
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Fifa, Korruption und kein Ende

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Der Skandal um Korruption in der Fifa ist auch stets ein Skandal um Fernsehrechte. Hier fließen die Millionen von einer Tasche in die andere, es ist das lukrativste Geschäft im Fußball. Fernsehen hat Fußball groß gemacht, Fernsehen hat Fußball teuer gemacht. Ein Geschäft wie gemalt für Zwischenhändler, für Agenturen, für die Herren mit dem Geldkoffer. Der derzeitige Prozess in New York gegen die früheren Bosse des südamerikanischen Fußballs leuchtet dies mit besonders grellem Licht aus.

Seit drei Wochen sitzen sie vor Gericht, die drei lateinamerikanischen Top-Funktionäre Juan Ángel Napout, José Maria Marin und Manuel Burgo. Alle drei sind in ihren Ämtern zu reichen Männern geworden, und zu verdanken hatten sie es einem Netz von verdeckten Zahlungen, von gut bezahlten Freundschaftsdiensten, von Vetternwirtschaft und Männerbündelei. Und immer wieder geht es dabei um die Ausstrahlungsrechte, und immer wieder geht es auch um Katar.

Da gibt es zum Beispiel Luis Bedoya, er war bis zum Vorjahr der Chef des kolumbianischen Fußballverbandes. Bedoya berichtet als geladener Zeuge von einem Treffen in einem Luxushotel in Madrid im Jahr 2010. Bedoya war dort mit einem gewissen Mariano Jinkis verabredet. Jinkis verdient sein Geld mit der Vermittlung von Fernsehrechten, zu dem Treffen hatte er einen eleganten Begleiter aus Katar mitgebracht. Bei dem Meeting wurden Bedoya von dem Katari bis zu 15 Millionen US-Dollar angeboten, wenn er sich bei seinen Kollegen für die Vergabe des WM-Turniers 2022 an den Wüstenstaat starkmachte. Den Namen des Mannes aus Katar? Nein, an den könne er sich nicht mehr erinnern.

"Benz" und "Honda" hielten die Hand auf

Vor Bedoya hatte schon Santiago Peña in New York ausgesagt, auch er steckte mittendrin in den Deals ums TV-Geschäft. Peña sorgte in Argentinien mit seiner Firma Full Play dafür, dass die Fernsehrechte bei dem landeten, der am meisten zahlte, auf welchen Wegen auch immer. Damit sein System von verdeckten Zahlungen auch verdeckt blieb, baute er ein Netzwerk von Codenamen auf, hinter denen sich die einflussreichsten Fußballfunktionäre des Kontinents versteckten.

Der Präsident des venezolanischen Verbandes, Rafael Esquivel, hieß in Peñas Aktennotizen nur "Benz", sein Kollege aus Ecuador "Toyota", Paraguays Fußballboss Napout, einer der Angeklagten in New York, "Honda". Automarken als Codenamen - das erscheint sinnvoll angesichts der Vorliebe der Fifa-Funktionäre für Luxusmobile. "Kia" und "Fiat" gab es auch, das müssen dann die kleineren Fische gewesen sein.

PSG-Boss Nasser El-Khelaifi
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PSG-Boss Nasser El-Khelaifi

Peña schob sechsstellige Summen hin und her, stets vermerkt mit dem Kürzel "Q2022". Dass diese Abkürzung für das WM-Turnier in Katar steht, dazu bedarf es keiner großen kriminalistischen Ausbildung. "Full Play" die Firma von Peña, stand übrigens kurz vor dem Verkauf, als die US-Ermittler 2015 begannen, das Fifa-Gestrüpp näher zu untersuchen. Als Käufer stand Nasser El-Khelaifi bereit, wahrlich kein Unbekannter im Weltfußball. El-Khelaifi ist Chef des katarischen Sportsenders Beln - und nebenbei der Präsident des Geldadel-Vereins Paris Saint-Germain. Der Verkauf platzte, als die Fifa-Ermittlungen Fahrt aufnahmen, sagte Peña vor Gericht aus.

Schon zwei Todesfälle im Umfeld des Prozesses

Nicht mehr aussagen kann dagegen Adolfo Lagos Espinosa, noch einer aus dem Business um die Fernsehrechte. Lagos war der Vizechef des mexikanischen TV-Konzerns Televisa. Ein Unternehmen, das im New Yorker Prozess auch schon eine unrühmliche Rolle spielte. Televisa soll 2013 gemeinsam mit den Sender-Riesen Fox und O Globo 15 Millionen US-Dollar an den Fifa-Vizepräsidenten Julio Grondona unauffällig weitergeleitet haben. Grondona, der es liebte, wenn man ihm seinen fetten goldenen Ring am Finger küsste, wie Bedoya erzählt.

Das Gericht hätte sicher gern mehr über die Hintergründe dieser Zahlung gewusst, aber Lagos konnte in New York nicht mehr erscheinen. Der 69-Jährige wurde in der Vorwoche bei einem Fahrradausflug in den Außenbezirken von Mexiko-Stadt erschossen - von seinem eigenen Leibwächter. Ein tragischer Unfall natürlich. Dass zuvor bereits ein geladener Zeuge des New Yorker Prozesses in Argentinien unter ungeklärten Umständen ums Leben kam, ist sicher auch nur ein Zufall. Jorge Delhon soll sich das Leben genommen haben, nicht nur die Vorsitzende Richterin in New York, Pamela Chen, hat ihre Zweifel an dieser Version angemeldet.

Der Zeuge Bedoya hat seine Ämter im kolumbianischen Fußballverband im Mai 2016 verloren, weil er sich der Verabredung zum Überweisungsbetrug und der organisierten Kriminalität für schuldig bekannt hatte. Organisierte Kriminalität - so muss man das Gebaren um die Vergabe der Fußball-Fernsehrechte wohl nennen.



insgesamt 23 Beiträge
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dr.eldontyrell 29.11.2017
1. Papperlapapp!
Ist doch alles absolut sauber gelaufen! War doch mal an der Zeit, dass der x-malige Fußball Weltmeister, Heim der besten Vereine der Welt, Fußballgroßmacht, eine WM ausrichtet. Und die FIFA ist doch das beste Beispiel für Integrität und Redlichkeit. Ich schaue nur noch Lokalfußball, ehrlich, echt, live.
kookie72 29.11.2017
2.
Ich liebe den Sport . Schaue wahnsinnig gerne attraktive Spiele. Aber: man macht es mir langsam kaputt. Deswegen werde ich , auch wenn es schwerfällt, die beiden nächten WM boykottieren, was die Übertragungen im Fernsehen angeht. Es ist im Prinzip ja 'nur' Fussball. Aber nicht auszudenken, welchen Effekt völlig einbrechende Quoten hätte. Einfach nicht einschalten. Es tut ein bisschen weh, aber vielleicht könnte es meinen Sport langfristig retten....
marialeidenberg 29.11.2017
3. Wo viel Geld im Spiel ist
blüht die Korruption, wo sehr viel Geld im Spiel ist... Worüber regen wir uns also auf? Mangelnde Transparenz, Ungleichbehandlung? Die Lösung war schon immer, den Schweinetrog groß genug zu machen damit es keine Beißereien gibt. Nun empfinden sich aber einige unterversorgt, findige Journalisten und/oder Staatsanwälte folgen dem Geruch des Geldes; sie stoßen dabei auf Kronzeugen. Das ist der Lauf der Welt.
alter_nativlos 29.11.2017
4. Paradox
Ich frage mich schon lange, was für wenig Geld hart arbeitende Menschen oder auch viele Sozialhilfeempfänger dazu veranlassen mag. Fußballmillionären beim Sport zuzuschauen und die Funktionäre der FIFA in aller Welt zu Multimillionären zu machen!
jewill 29.11.2017
5. Der Name Blatter
fällt relativ selten. Blatter wollte die WM 2022 an die USA vergeben, daher auch die gleichzeitige Vergabe der WM 2018 und 2022. Angeblich wollte er auch hinterher noch die WM in Katar verhindern, zumindest soll er laut SPIEGEL dies Funktionären aus Norwegen erzählt haben. Kann es sein, dass er deshalb nicht mehr FIFA-Präsident ist. Kann es sein, dass sich die Öffentlichkeit auf den falschen gestürzt hat (wie so oft)? Blatter hat bestimmt auch geklüngelt, aber so einen Mist wie eine Winter-WM in der Wüste und eine 48er-WM mit Dreiergruppen hat er nie verzapft.
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