Fifa-ISL-Affäre: Liga-Boss Rauball fordert Blatters Rücktritt

Der Druck auf die Fifa wächst: DFL-Präsident Reinhard Rauball hat Joseph Blatter zum Rücktritt aufgefordert. Der Fifa-Boss habe in der Korruptionsaffäre seine Sorgfaltspflicht vernachlässigt. Nur ohne den Schweizer könne ein Neuanfang gelingen, so Rauball.

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Ligapräsident Rauball: Fifa-Boss Josef Blatter zum Rücktritt aufgefordert

Hamburg - Ligapräsident Reinhard Rauball hat Fifa-Präsident Joseph Blatter zum Rücktritt aufgefordert. "Nach dem derzeitigen Stand sollte Sepp Blatter seine Amtsgeschäfte schnellstmöglich in andere Hände geben. Für einen Reformprozess braucht die Fifa jemanden, der gewillt ist, einen Neuanfang zu machen", sagte Rauball der Zeitung "Die Welt".

Der Vereinspräsident von Borussia Dortmund ergänzte nach dem Bekanntwerden des Ausmaßes der Korruptionsaffäre im Fußball-Weltverband: "Es ist immer schwierig, jemanden einzubinden, der selbst Teil der Umstände ist, die einen Reformprozess erst erforderlich gemacht haben." Er habe Blatter seine Position persönlich am Telefon mitgeteilt. "Er hatte Kenntnis von diesen Geldbewegungen, wenngleich erst deutlich später. Deshalb hat er die Sorgfaltspflicht gegenüber den Mitgliedsverbänden nicht erfüllt", sagte Rauball.

Es liege mehr im Argen, als bisher bekannt ist, sagte Rauball. Er forderte zudem, einen außerordentlichen Fifa-Kongress einzuberufen, die Fakten aufzuklären und die Ehrenpräsidentschaft von Joao Havelange zu beenden. Vom mittlerweile insolventen Medien- und Marketingunternehmen ISMM/ISL hatten der Brasilianer Havelange und dessen Schwiegersohn Ricardo Teixeira vornehmlich in den neunziger Jahren Schmiergelder in Millionenhöhe erhalten. Dies ging aus der am Mittwoch veröffentlichten Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug hervor.

"123 Millionen Franken soll ISL insgesamt an Funktionäre gezahlt haben. Belegt ist, dass Havelange und Teixeira rund 14 Millionen davon bekommen haben. Nur etwas mehr als zehn Prozent der Gesamtsumme sind also aufgeklärt. Wo ist das restliche Geld geblieben? Ich will wissen, wer davon profitiert hat, welchem Zweck diese Zahlungen dienten und wie viel Geld der Fifa durch den ISL-Konkurs entgangen ist", so Rauball.

Der 96 Jahre alte Havelange, der von 1974 bis 1998 die Fifa als Blatters Vorgänger angeführt hatte, erhielt den Gerichtsakten zufolge im Jahr 1997 1,5 Millionen Schweizer Franken (etwa 1,25 Millionen Euro). Teixeira kassierte demnach zwischen 1992 und 1997 12,7 Millionen Franken (10,5 Millionen Euro).

leh/dpa/sid

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1. Danke Herr Rauball
timbudapest 13.07.2012
Klare Worte sind vonnöten. Das ist ein handfester Skandal. Jetzt endlich amtlich. Der DFB (in 20ger-form) muss Stellung beziehen und ran an Veränderungen in der FIFA. Ist das denn so schwer? Ich kann das alles mir und meinen Kindern nicht erklären.
2. Rücktritt
malaconciencia 14.07.2012
Herr Blatter ließ diese Tage zu den Zahlungen an die Herren Havelange und Teixeira verlautbaren, daß diese nicht strafbar seien und ihm eine Mitwisserschaft nicht vorgeworfen werden könne, da diese sogar steuerlich absetzbar wären. Ein Vorwurf an ihn wäre somit "Moraljustiz". Da stellen sich mir folgende Fragen: 1. Wie kommt man von der steuerlichen Absetzbarkeit zur Straffreiheit? Das Steuerrecht unterscheidet zunächst einmal nicht zwischen Straftaten und Nicht-Straftaten, sondern behandelt Einkünfte (Selbst ein Profikiller kann steuerlich die Waffe absetzen, nur wird er schon seine Einkünfte nicht deklarieren). 2. Herr Blatter unterscheidet zwischen Strafbarkeit und Moral. Heißt das, die FIFA hat als Maßstab für sich, ihre Funktionäre und Mitglieder lediglich das Strafrecht und keine moralischen Maßstäbe. Keinen Respekt gegenüber Menschen anderer Hautfarbe zu zeigen ist auch nicht strafbar. Ist dies nun nach FIFA Ansicht - die sich aus den Aussagen Herr Blatters ergeben - akzeptiertes Verhalten im Weltfussball, da nicht strafbar? 3. Wenn nein (was ich hoffe): Wieso gilt hier der moralische Maßstab, bei Geldzahlungen an Funktionäre aber nicht? Zudem sollte sich die deutsche Öffentlichkeit einmal fragen, wieso so ein Haufen wie die FIFA ihre Einnahmen der WM 2006 steuerfrei einstreichen darf und das ganz legal mit Sonderregelung? Steuer-Kolumne: Beim Geld kennt die Fifa keine Freunde - manager magazin - Unternehmen (http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,421389-3,00.html)
3. Der stinkende Fisch und der Kopf
grubersam 14.07.2012
Zitat von sysopDer Druck auf die Fifa wächst: DFL-Präsident Reinhard Rauball hat Joseph Blatter zum Rücktritt aufgefordert. Der Fifa-Boss habe in der Korruptionsaffäre seine Sorgfaltspflicht vernachlässigt. Nur ohne den Schweizer könne ein Neuanfang gelingen, so Rauball. Fifa: Reinhard Rauball fordert Rücktritt von Joseph Blatter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,844347,00.html)
Rauball hat natuerlich Recht. Ohne Blatter gibt es keinen Neuanfang bei der Fifa. Mit Blatter wird es nie eine lueckenlose Aufklaerung der Schmiergeld/Schmierenkomoedie geben. Darauf gibts eigentlich nur eine Antwort: Blatter muss weg! - Blatters Verdienst ist sicher, dass die Kommerzialisierung des Weltfussballes die Bedeutung des Sportes an sich ueberholt hat. Daran erfreuen sich viele und daran erfrischen sich auch viele Nutzniesser. Es stinkt seit Jahrzehnten in der Fifa und viele Skandale haben echten Fussballfreunden den Appetit auf den Sport verdorben. Als Uli Hoeness von FC Bayern als einer der ersten mit deutlichen Worten seine Missbilligung zum Ausdruck brachte, erhielt er vom damaligen DFB-Praesidenten Zwanziger keinerlei Rueckendeckung - im Gegenteil. Ich denke, der Deutsche Fussballbund mit seinem neuen Praesidenten taete gut daran, sich als groesster Verband der Fifa deutlich von Blatter zu distanzieren. Vielleicht rollt dann endlich eine Lawine der Empoerung Richtung Genf, die Herrn Blatter und seine Spiessgesellen wegraeumt. Ich glaube noch nicht an den Erfolg, denn Blatter ist neben Putin der skrupelloseste Machterhalter dieser Welt. Aber alleine die Aussicht auf einen Weltfussballverband ohne Napoleon Sepp Blatter an der Spitze ist schon so schoen, um das wahr werden zu rechtfertigen...
4. Der stinkende Fisch und der Kopf
grubersam 14.07.2012
...kleiner Schreibfehler in meinem Beitrag zu Sepp Blatter. Im ersten Satz muss es natuerlich heissen: 'Mit' Blatter gibt es keinen Neuanfang bei der Fifa - nicht ohne Blatter. Ohne Blatter wird bei der Fifa mehr gehen als mit. Sportlich allemal und nicht mehr so viel in freundliche Taschen.
5. das anliegen von rauball
Polikvera. 14.07.2012
Zitat von sysopDer Druck auf die Fifa wächst: DFL-Präsident Reinhard Rauball hat Joseph Blatter zum Rücktritt aufgefordert. Der Fifa-Boss habe in der Korruptionsaffäre seine Sorgfaltspflicht vernachlässigt. Nur ohne den Schweizer könne ein Neuanfang gelingen, so Rauball. Fifa: Reinhard Rauball fordert Rücktritt von Joseph Blatter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,844347,00.html)
ist ja schön und gut. blatter wird nicht zurücktreten und das werden andere fifa mitglieder verhindern.zu groß ist die gefahr für sie das blatter die mafia ähnlichen strukturen die dieser verband inne hat aufdeckt.
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