Fifa-Funktionär Al-Sabah Der Schattenmann

Fifa-Präsident Sepp Blatter ist noch im Amt, aber im Hintergrund wird längst um die Nachfolge gerungen. Mittendrin ein mächtiger Mann: Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait. Macht er es am Ende selbst?

Scheich Ahmad: Witze und Wein
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Scheich Ahmad: Witze und Wein

Von , Zürich


Ahmad Al-Fahad Al-Sabah ist ein großzügiger Gastgeber. Seine Feste haben einen legendären Ruf in der olympischen Welt. Etwa die Party zu seinem 49. Geburtstag im August 2012, während der Sommerspiele in einer Londoner Disco. Es ging bis in den frühen Morgen. Der Scheich, der zu den Lastern Tabak und Alkohol steht, immer munter voran.

Am Montagabend lud Sabah nun in den Garten seiner Residenz in Lausanne. Zur Einweihung des für viele Millionen Franken modernisierten Hauptquartiers des Weltverbands aller 205 Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) gaben sich die Größen des Weltsports die Ehre. IOC-Präsident Thomas Bach war da, Europas NOK-Boss Patrick Hickey (Irland), der sich in wenigen Tagen in Baku die ersten European Games von Aserbaidschans Herrscher Ílham Alijew ausrichten lässt, fast alle Exekutivmitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und ein Dutzend Präsidenten olympischer Sport-Weltverbände. Die Sonne schien, der Scheich machte Witze, Wein gab es reichlich.

Uefa-Präsident Platini: Zu feige
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Uefa-Präsident Platini: Zu feige

Die interessantesten Gäste positionierten sich ganz am Rande des mondänen Grundstücks mit Blick auf die Berge und den schillernden Genfer See. Die Randfiguren Michel Platini und Gianni Infantino, Präsident und Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union Uefa, zogen dennoch viele Blicke auf sich, es wurde getuschelt und gemunkelt. Natürlich war es kein Zufall, dass Platini, der eine halbe Autostunde entfernt in Nyon residiert, jetzt beim Scheich vorbeischaute. Es war eher ein Signal. Denn es gilt, die Nachfolge von Joseph Blatter als Präsident des skandalumtosten Fußball-Weltverbands Fifa zu klären. Der Scheich und Platini nehmen dabei Schlüsselrollen ein.

Einflussreicher Vater

Sabah hat sich kürzlich auf Asiens Fußballkongress für zwei Jahre zum Exekutivmitglied der Fifa küren lassen und wird weltweit als Favorit auf den Fifa-Thron gehandelt. Schon sein Vater, der ehemalige Emir Fahad Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah war im Fifa-Vorstand. Vom Papa, der 1990 im Golfkrieg starb, hat Scheich Ahmad zwei wichtige Sport-Posten übernommen: die IOC-Mitgliedschaft und die Präsidentschaft im Olympic Council of Asia (OCA). Seit 2012 amtiert er zudem als ANOC-Präsident. Sogar seine Diener haben hochrangige Funktionen im Weltsport.

Aber Scheich Ahmad wartet. Es ist zu früh und zu gefährlich, öffentlich Ansprüche geltend zu machen. Sein Adlatus Husein Al-Musallam, der einen engen Draht zum Uefa-General Infantino hat, verbreitet in IOC-Kreisen, der Scheich habe sich nicht entschieden und wolle sich ein halbes Jahr Zeit lassen. Inzwischen hat der koreanische Milliardär Chung Mong-Joon Interesse an der Blatter-Nachfolge bekundet. Chung, der Sohn des Hyundai-Gründers, war lange ein Intimfeind des Scheichs. Platini wiederum, den Blatter unbedingt verhindern will, hätte nur eine Chance, wenn er Scheich Ahmad für sich gewinnt - und damit vielleicht 50 Stimmen aus Afrika und Asien. Der Umstand, dass der Scheich auch den mit einer halben Milliarde Dollar gefüllten Entwicklungshilfetopf des IOC verwaltet, schadet dabei keinesfalls.

Industrieller Chung: Lange ein Intimfeind des Scheichs
AFP

Industrieller Chung: Lange ein Intimfeind des Scheichs

Platini und den Scheich eint das Interesse an der Fußball-WM 2022 in Katar. Platini hat für Katar gestimmt, sein Sohn verdient bei katarischen Firmen sein Geld. Und Scheich Ahmad verdammt seit einem Jahr, seit den Aufsehen erregenden Korruptions-Enthüllungen der Londoner "Sunday Times", alle Forderungen, Katar die WM zu entziehen. Bestens dokumentierte Berichte über die Machenschaften des ehemaligen katarischen Fifa-Vorstands Mohamed Bin Hammam bezeichnet er als "Rassismus" westlicher Medien. Als vor zwei Wochen in Zürich sieben Fußballfunktionäre verhaftet wurden, kritisierte er die amerikanische Justiz. Die Verhaftungen seien im "Hollywood-Stil" vollzogen worden. Die USA wollten sich dafür rächen, dass sie mit der WM-Bewerbung Katar unterlegen waren. Niemand werde Katar die WM entziehen, hat der Scheich dekretiert. Er steht seinem IOC-Kollegen Tamim Bin-Hamad Al-Thani bei - dem Emir von Katar.

In der Heimat gibt der Scheich den Büßer

Platini war zu feige, bei der Fifa-Wahl gegen seinen einstigen sportpolitischen Ziehvater Joseph Blatter anzutreten. Er hat andere vorgeschickt und verbrannt. Prinz Ali Bin Al-Husein aus Jordanien, der Blatter recht deutlich mit 73:133 Stimmen unterlegen war, muss sich jetzt, da Blatter seinen Rücktritt angekündigt hat, nicht mehr bemühen. Prinz Ali war eine Marionette von Platini. Er war zuvor eine Marionette von Scheich Al-Sabah gewesen, um im asiatischen Fußballverband AFC die Vorherrschaft Chungs zu brechen. 2011 wurde Prinz Ali in Doha nur deshalb zum Fifa-Vizepräsidenten gewählt, weil Scheich Ahmad das so wollte.

Die Protagonisten der Fifa-Krise
Jeffrey Webb
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Jeffrey Webb von den Cayman Islands gilt als Vertrauter von Fifa-Boss Joseph Blatter. Jetzt wird sich der Schweizer wohl von ihm lossagen müssen. Webb, auch Fifa-Vizepräsident, ist ins Visier der Behörden geraten. Er gehört zu denen, die am Morgen in Zürich abgeführt wurden.
Eugenio Figueredo
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Auch gegen Eugenio Figueredo gehen die Ermittler vor. Er gehört ebenfalls zu den Festgenommenen. Der 83-jährige Funktionär aus Uruguay ist einer der einflussreichsten Strippenzieher in Südamerika.
José Maria Marin
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José Maria Marin, ebenfalls 83, konnte sich im Vorjahr noch im Glanz der Fußball-WM in Brasilien sonnen. Jetzt musste auch er der Polizei ins Präsidium folgen. Der Brasilianer ist im Dunstkreis von Ex-Fifa-Chef João Havelange groß geworden. Havelange ist wegen Korruption längst aus dem IOC ausgeschlossen worden.
Rafael Esquivel
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Rafael Esquivel aus Venezuela ist der dritte Südamerikaner, der von den Festnahmen betroffen ist. Seine Konten wurden von Schweizer Behörden derweil eingefroren.
Eduardo Li
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Auch Eduardo Li wurde in der Früh in Zürich im Hotel Baur Au Lac festgenommen. Li ist Chef des Fußballverbands von Costa Rica.
Jack Warner
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Wenn von Korruption und Fifa die Rede ist, fällt eigentlich immer schnell der Name von Jack Warner (Foto). Der ehemalige Vizepräsident des Weltverbands gilt als Pate der Bestechung im Weltfußball. Ob er im Rahmen der Festnahmen auch betroffen war, ist offen. Dafür wurde sein Attaché, Costas Takkas, festgenommen.
Julio Rocha
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Bekannt ist dagegen, dass Julio Rocha (l.), der ehemalige Präsident des Verbands von Nicaragua, am Morgen abgeführt wurde. Nur an einem prallt wieder alles ab.
 
 
Joseph Blatter ist laut seinem Sprecher "nicht involviert". Wie gehabt.
Sollte Scheich Ahmad als Fifa-Präsident kandidieren, würden Fragen nach seinen möglichen Verstrickungen in zahlreiche Korruptionsgeschichten gestellt. Etwa bei der Manipulation der Olympia-Qualifikation im Handball 2008. Auch daheim fiel der Scheich kürzlich negativ auf, nachdem er dem ehemaligen Premierminister und dem Parlamentssprecher einen Staatsstreich, Geldwäsche und andere Vergehen vorgeworfen hatte.

Doch befand ein Gericht, die angeblichen Beweise, die der Scheich vorgelegt hatte, seien gefälscht. Ahmad fiel in Ungnade beim Emir, seinem Onkel, und nahm die Büßerhaltung ein. Seine wortreichen Entschuldigungen wurden akzeptiert. Er ist aber nur ein Neffe auf Bewährung. Hatte er sich in den vergangenen Monaten sicherheitshalber lange in London aufgehalten und von dort seine Geschäfte geführt, so pendelt er jetzt wieder zwischen Kuwait, Lausanne und anderen Destinationen.

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Blatter-Nachfolger: Das sind die Kandidaten für den Fifa-Thron
Am vergangenen Samstag schwänzte der Scheich die ANOC-Vorstandssitzung in Lausanne und düste stattdessen mit einem Privatjet nach Berlin zum Finale der Champions League. Dort führte er zahlreiche Gespräche und verfolgte den Sieg des FC Barcelona aus der zweiten Reihe in der Ehrenloge - gleich hinter Michel Platini. Der Scheich und Platini haben einiges zu klären. In der Nacht vor der Fifa-Wahl vor nicht einmal zwei Wochen hatte Platini im Baur au Lac in Zürich noch vergeblich versucht, den Scheich umzustimmen und von seiner Unterstützung für Blatter zu lassen. Vergeblich.

Doch nun werden die Karten neu gemischt. Der Scheich könnte Fifa-Präsident werden oder zehn Jahre warten und als Nachfolger von Thomas Bach vielleicht das IOC übernehmen. Was will der Scheich? Das bleibt die Kernfrage. Und es gefällt ihm, wenn alle Welt darüber orakelt. Womöglich will es Scheich Ahmad dabei belassen, seine Figuren und Favoriten zu positionieren und Wahlen zu entscheiden. Denn er will vor allem spielen.



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Sabi 10.06.2015
1. was hat
Was haben Kuwait, Katar, etc. mit dem Fußball zu tun ? Nur Geld ! Ein Europäer aus eine Fußball-Land . GB, F, E, I oder D müsste den Laden führen - basta !
michael1960wupper 10.06.2015
2. Blatter..
Glaubt irgendjemand nun ernsthaft, dass Blatter das Problem war? Und dass diese Leute besser für den Weltfussball wären?
BeratungsconsultingWirkes 10.06.2015
3. Seriöser Mann
Habe volles Vertrauen in diesen integer wirkenden Mann. Er steht wie kaum ein anderer für selbstlosen, hochprofessionellen Einsatz für die Sache des Sports.
Maya2003 10.06.2015
4.
Der ganze Laden ist so korrupt wie ein mittelalterliches Kardinalskollegium. Und genauso unreformierbar. Es wird Zeit, daß die großen Verbände eine eigene Organisation gründen - dann können die ach so wichtigen Herren aus Mauritius oder Trinidad oder sonstwoher ihre eigene WM ausrichten. OHNE Sponsoren und OHNE weltweites Publikum. Mal sehen WER sie dann schmiert und fürstlich entlohnt. Es ist absurd daß Barbados das gleiche Stimmengewicht hat wie England oder Deutschland. Solange sich an diesem System nichts fundamental ändert ist es nur eine Frage der Zeit bis die nächsten Umschläge überreicht werden - und alle wieder hoch und heilig versprechen sich an die Regeln zu halten. Der DFB sollte erkennen daß mit DIESER FIFA kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist, daß der Fussball schweren Schaden nimmt und am Ende ALLE Verlierer sein werden. Handeln ist angesagt, und Mut zu unpopulären Entscheidungen. Man muß den "Kardinälen" zeigen daß sie nicht die "Kirche" sind sondern deren Diener.
agrippa76 10.06.2015
5.
Zitat von SabiWas haben Kuwait, Katar, etc. mit dem Fußball zu tun ? Nur Geld ! Ein Europäer aus eine Fußball-Land . GB, F, E, I oder D müsste den Laden führen - basta !
haha als obs bei der Fifa um Fußball gehen würde. Wer glaubt denn das? Es geht um das einzig wichtige im ganzen Universum: Geld!
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