Korruptionsaffäre Schweiz liefert Fifa-Funktionär an USA aus

Er wurde in der Schweiz festgenommen, nun soll ihm in den USA der Prozess gemacht werden: Die Schweizer Behörden haben einen Fifa-Funktionär ausgeliefert. Offenbar handelt es sich um einen Ex-Vizepräsidenten des Verbands.

Fifa-Logo: Sechs Funktionäre noch in der Schweiz in Untersuchungshaft
AFP

Fifa-Logo: Sechs Funktionäre noch in der Schweiz in Untersuchungshaft


Es wird ernst für einen der Fifa-Funktionäre, die Ende Mai in Zürich festgenommen worden waren: Im Fifa-Korruptionsskandal hat die Schweizer Justiz den ersten verhafteten Top-Funktionär des Fußball-Weltverbandes an die USA ausgeliefert. Das Schweizer Bundesamt für Justiz bestätigte die bereits am Mittwoch erfolgte Überstellung.

Die Behörde nannte allerdings nicht den Namen der ausgelieferten Person. Berichten mehrerer US-Medien zufolge handelt es sich beim ausgelieferten Funktionär um den früheren Vizepräsidenten Jeffrey Webb von den Cayman Islands.

Webb war bis Ende Mai vor dem Kongress in Zürich auch Präsident des Kontinentalverbandes Nord-und Mittelamerika Concacaf. Er wolle sich in den USA den Korruptionsvorwürfen stellen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Wenn er bereit wäre, an der Aufklärung mitzuarbeiten, könnte er ein wertvoller Zeuge sein.

Webb galt bis zu seiner Festnahme als enger Vertrauter von Fifa-Präsident Joseph Blatter. Ende 2013 munkelte der Schweizer, Webb könne ihn einmal an der Spitze des Weltverbands beerben. Diese Förderung durch den Patriarchen und Webbs Amt an der Spitze der Concacaf verschafften ihm reichlich Macht.

Und diese nutzte er im Sinne des Präsidenten: Frühzeitig versicherte er Blatter die Treue und die Unterstützung der 35 Concacaf-Verbände - als einer von fünf Kontinentalfürsten stand er für die Wiederwahl Blatters Ende Mai.

Alle anderen sechs noch in Schweizer Untersuchungshaft sitzenden Funktionäre haben bislang ihrer Auslieferung an die USA widersprochen, wo die Justiz in insgesamt 14 Fällen Anklagen wegen Verschwörung, Betrugs, Korruption und Geldwäsche erhoben hat.

cte/Reuters/sid

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Leser1 16.07.2015
1. was will die USA damit bezwecken
kann es vielleicht sein dass gewisse fifa Funktionäre etwas ausplaudern könnten was den USA unliebsam wäre und sie die Verhandlungen lieber in den USA haben. kann kann man den nötigen Einfluss auf die Gerichte ausüben damit nichts falsches ans Tageslicht kommt.
jewiberg 16.07.2015
2. Dann könnte die gesamte Fifa zum Einsturz bringen!
In den USA drohen bei Koruption ziemlich drakonische Strafen. Wenn sich allerdings der Angeklagte bereit erklärt, als Kronzeuge gegen weitere Beteiligte auszusagen, fallen diese Strafen erheblich milder aus. Da diese Herren sicher nicht gerne die nächsten 20 Jahre in einem US-Knast versauern möchten und evtl. noch befürchten müssen, daß ihr Vermögen eingezogen wird, wird dieser Ex-Fizepräsident plaudern um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
bjbehr 16.07.2015
3. Herr Blatter kommt ins Schwitzen
Heissa! Da dürften Herrn Blatter die Schweißperlen ausbrechen! Ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann er ein letztes Mal die Schweiz verlassen wird gen Russland, China, Katar, wo er Asyl beantragt...
tornadomiterlebt 16.07.2015
4. Geldwaesche und Korruption zB mal....
was soll diese Frage was die USA damit bezwecken will? Wie wäre es denn mal mit Betrug und Geldwäsche den sich dieser ehrenwerte Herr in den USA geleistet hat und das seit Jahren. Das sind meiner Meinung nach gute Gründe für eine Auslieferung an die USA zumal dies in einem Vertrag von 1997 festgelegt ist. Die Anklage wird in dem Land geführt in dem das Delikt begangen worden ist.
briandehalma 16.07.2015
5. Kann mir jemand erklären...
wieso die Schweiz einen Bürger der Kaimaninseln (lt Wikipedia Britisches Überseegebiet) an die USA ausliefert, für mutmaßliche Missetaten, die er als Amtsträger einer in der Schweiz ansässigen Organisation begangen haben soll? Ist die Schweizer Justiz überfordert und hat die USA um Amtshilfe gebeten oder haben wir jetzt das Weltgericht von amerikanischen Gnaden. Müssen wir davon ausgehen, dass künftig jedwede Vergehen ggf. und nach Gusto vor amerikanischen Gerichten verhandelt werden? Nicht dass ich Korruption i. O. finde, nur...Souveränität westlicher Demokratien mit funktionierendem Rechtswesen finde ich auch schön. Aber vielleicht erklärt mir das ja jemand.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.