Blatter-Vertrauter Fifa-Generalsekretär Valcke soll zehn Millionen Dollar an Warner überwiesen haben

Die Spur im Fifa-Korruptionsskandal führt immer dichter zu Joseph Blatter. US-Medien berichten unter Berufung auf Ermittler, dass sein Vertrauter Jérôme Valcke für die Zahlung von zehn Millionen Dollar an Jack Warner verantwortlich sein soll.

Vertraute Blatter (l.), Valcke: "Ich bin es definitiv nicht. Ich habe keine zehn Millionen Dollar."
REUTERS

Vertraute Blatter (l.), Valcke: "Ich bin es definitiv nicht. Ich habe keine zehn Millionen Dollar."


Die brisanten Punkte stehen in Paragraph 192 der Anklageschrift: Zwischen 2. Januar und 7. März 2008 habe "ein hochrangiger Fifa-Funktionär" dafür gesorgt, dass insgesamt zehn Millionen US-Dollar von einem Fifa-Konto in der Schweiz auf ein Konto in New York überwiesen wurden, so die US-Ermittler.

Dieses Konto sei zwar formal im Namen der Konföderation von Nord- und Mittelamerika (Concacaf) und der Karibischen Fußballunion (CFU) geführt worden. De facto sei das Konto aber von Jack Warner kontrolliert worden, dem damaligen Boss von Concacaf und CFU.

Warner ist einer von 14 Angeklagten im Fifa-Korruptionsskandal. Die US-Ermittler gehen davon aus, dass er das Geld erhalten hat, um mit seinem Verband dafür zu sorgen, dass die Fußball-WM 2010 nach Südafrika vergeben wurde.

Die "New York Times" und die Nachrichtenagentur Reuters enthüllen nun die Identität des "hochrangigen Fifa-Funktionärs": Es soll sich um Jérôme Valcke handeln, Fifa-Generalsekretär und einer der engsten Vertrauten von Joseph Blatter. Das berichtet die Zeitung, die seit Tagen bestens über die Ermittlungen im Bilde ist, unter Berufung auf Ermittler. Damit führt die Spur der mutmaßlichen Bestechungsgelder dichter an den Fifa-Chef als bislang bekannt.

Danny Jordaan, Präsident des südafrikanischen Fußballverbandes und einst Chef des Organisationskomitees der WM 2010 hatte die dubiose Zahlung bestätigt. Er behauptete jedoch, dabei habe es sich nicht um Bestechung gehandelt, sondern um Fußball-Entwicklungshilfe.

Valcke sagt Reise zur Frauenfußball-WM ab

In der Anklageschrift steht nicht, dass "der hochrangige Fifa-Funktionär" wusste, dass das Geld zur Bestechung eingesetzt werden sollte. Valcke wird weder als einer der 14 Angeklagten noch als Mitverschwörer geführt.

In einer E-Mail an die "New York Times" schreibt Valcke, dass er die Zahlung nicht autorisiert habe. Dazu habe er auch gar nicht die Macht. Die Zeitung weist aber darauf hin, dies schließe nicht aus, dass er auf andere Weise in den Vorgang involviert war.

Fifa-Sprecherin Delia Fischer sagte, der damalige Chef der Fifa-Finanzkommission, Julio Grondona, habe die Überweisung genehmigt. Grondona starb im vergangenen Jahr. Fischer betonte, die Zahlung sei "in Übereinstimmung mit den Regeln der Organisation durchgeführt" worden. Diese Regeln besagen, dass der Generalsekretär, also Valcke, für die Konten der Organisation verantwortlich ist und die Macht hat, Überweisungen zu tätigen.

Blatter hatte in der vergangenen Woche auf die Frage nach dem "hochrangigen Fifa-Funktionär" geantwortet: "Ich bin es definitiv nicht. Ich habe keine zehn Millionen Dollar."

Doch Generalsekretär Valcke hält den zweitwichtigsten Posten der Fifa inne. Seit Jahren arbeitet er Hand in Hand mit Blatter. Der Vorgang dürfte neue Fragen im Zusammenhang mit dem Fifa-Boss aufwerfen.

Kurz vor der Enthüllung der "New York Times" hatte Valcke bereits überraschend seine Reise zur Frauenfußball-WM in Kanada abgesagt. Angeblich müsse sich der Generalsekretär am Fifa-Sitz in Zürich "um Dinge" kümmern, teilte der Verband mit. Ursprünglich hatte Valcke den Besuch fest eingeplant.

syd/Reuters

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SichtausChina 02.06.2015
1. Reines Ablenkungsthema
Wunderbar, wie Deutsche sich ueber so einen unwichtigen Mini-Skandal erhitzen koennen. FIFA ist korrupt. Echt jetzt? 10 Millionen $ nur? Dass der eigene Geheimdienst die eigene Wirtschaft im Auftrag der USA ausspioniert, wird darob glatt vergessen. Dabei geht es bei Wirtschaftsspionage um weit mehr als schlappe 10 oder 100 Millionen.
Malshandir 02.06.2015
2. Angst
Na der Herr valcke hat wohl Angst von den kanadischen behoerden verhaftet zu werden und in die USA uebersetllt zu werden. Es wird Zeit, die FIFA aufzuloesen.
jojack 02.06.2015
3. Die beste Reaktion demokratischer Staaten
Blattner und die ihn umgebenden Vertrauten sollten so lange mit Einreiseverboten in die USA und das demokratische Europa belegt werden, solange die Vorwürfe gegen die ihm unterstehende FIFA nicht komplett aufgeklärt und seine Mitverantwortung ausgeschlossen werden kann. Mag er sich statt dessen am Zürichsee langweilen oder seinen Busenfreund Putin besuchen.
eiznekcm 02.06.2015
4. WM-Boykott
Für mich steht schon fest, dass ich die WM's in Russland und Katar boykottiere. Nachdem der HSV heute schon wieder nicht absteigen wollte, hab ich sämtlichen Glauben an den Fußball verloren und werde ihn nun wohl gänzlich meiden. Scheiss Verein.
stefan.martens.75 02.06.2015
5. Ich bin wirklich gespannt
Was am Ende übrig bleibt! 750€ wie bei Wulff oder gar nichts oder zwei-drei nachweislich korrupte Fifa Mitarbeiter? Oder kann wirklich eine Systemimmanente Korruption nachgewiesen werden!? 10 Millionen Dollar sind auf jeden Fall gar nichts bei den Fifa Milliarden...... Alleine Deutschland hat 500 Millionen gezahlt für die Übertragungsrechte zweier WM's. Ein Nachweis ist erst erbracht wenn dieses Geld wirklich nachweißlich zweckentfremdet wurde...... Wie gesagt bin gespannt! Bislang habe ich nichts gelesen was die Anklage in den Medien stützt.
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