Hamburg - Die Beschuldigungen und Korruptionsvorwürfe beim Fußball-Weltverband Fifa erreichen neue Dimensionen. Der suspendierte Vizepräsident Jack Warner wirft nun dem Fifa-Präsidenten Joseph Blatter Bestechung vor. Der Präsident der Concacaf (Fußball-Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik) behauptet in einer Presseerklärung, Blatter habe Warners Verband auf dem Concacaf-Kongress "eine Spende von einer Million Dollar (umgerechnet rund 700.000 Euro) zur freien Verwendung" überreicht.
Auf den Protest von Michel Platini hin - der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) bemängelte, dass das Finanzkomitee keine Zustimmung für diese Zahlung erteilt habe - soll Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke laut Warner gesagt haben, er werde schon "Geld für Blatter finden". Blatter soll den Mitgliedern von Warners Verband zudem "Laptops und Projektoren" geschenkt haben.
Der britischen Nachrichtenagentur Reuters sagte Warner: "Blatter muss gestoppt werden." Zudem sprach der Fifa-Vizepräsident den ebenfalls suspendierten Katarer Mohammed Bin Hammam von aller Schuld frei. Bin Hammam wollte bei der Präsidentschaftswahl ursprünglich gegen Blatter kandidieren. Die angeblichen Zahlungen an die Mitglieder der Karibischen Fußball-Union (CFU), die Bin Hammam zum Verhängnis geworden waren, seien ausschließlich für Unterbringung und Flüge geleistet worden. Dies sei üblich, sagte Warner.
Die Ethikkommission der Fifa, die Bin Hammam und ihn selbst am Sonntag suspendiert und Blatter von allen Vorwürfen freigesprochen hatte, bezeichnete Warner als "korruptes Gericht", dessen Mitglieder "von Blatter handverlesen" worden seien.
"Verschwörung von Beginn an"
Unterdessen hat Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer aus den USA Bin Hammam und Warner bezichtigt, von Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs an im Weltverband bestochen zu haben. "Es war eine Verschwörung der beiden von Anfang an", sagte Blazer, der die Affäre mit Informationen an Valcke ins Rollen gebracht hatte.
Vorwürfe aus dem Lager Bin Hamamms, der Skandal sei von Blatter inszeniert worden, um dessen Wiederwahl gegen Bin Hammam zu sichern, seien dagegen eine "absolute Dummheit". Blazer erwartet weitere Enthüllungen. Es habe auch andere Mitglieder aus dem karibischen Verband gegeben, die bestechlich gewesen seien.
Der Katarer Bin Hammam wollte am Mittwoch in Zürich bei der Präsidentenwahl als einziger Kandidat gegen Blatter antreten, zog sich jedoch wegen Korruptionsermittlungen am Sonntag zurück. Bin Hammam wurde wie Warner von der Fifa vorläufig suspendiert, Blatter von der Ethikkommission des Verbands aber von den Vorwürfen entlastet. Für Bin Hammam wird der bisherige Vizepräsident Zhang Jilong aus China kommissarisch die Geschäfte der Asiatischen Fußball-Konföderation AFC führen.
Im Zuge der Bestechungsvorwürfe könnten nun auch finanzielle Forderungen auf die Fifa zukommen. Ein australischer Senator hat die Regierung des Landes aufgerufen, von der Fifa die Kosten für die WM-Bewerbung 2022 zurückzufordern. Australien war bei der Doppelvergabe der Weltmeisterschaften für 2018 (Russland) und 2022 (Katar) unterlegen. Der Weltverband solle die 46 Millionen Dollar Bewerbungskosten erstatten, da das Dossier Australiens wegen der korrupten Strukturen in der Fifa keine Chance gehabt hätte, forderte Senator Nick Xenophon.
Unter der Überschrift "Rote Karte für die Fifa" veröffentlichte der Jurist am Montag ein Statement. "Nicht ein Cent mehr" solle für weitere WM-Bewerbungen ausgegeben werden, bis die Korruptionsvorwürfe aufgeklärt seien, schrieb er.
ged/dpa/sid
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