Fifa-Skandal: Blatter will WM-Vergabe neu regeln

"Ich habe Ohrfeigen erhalten, die Verwarnung hat gut getan": Vor seiner angestrebten Wiederwahl gibt sich Fifa-Boss Joseph Blatter selbstkritisch - und kündigt Reformen an. In Zukunft sollen die Mitgliedsverbände über den WM-Ausrichter entscheiden.

Fifa-Präsident Blatter: Neuer Vergabe-Modus bei WM-Turnieren Zur Großansicht
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Fifa-Präsident Blatter: Neuer Vergabe-Modus bei WM-Turnieren

Hamburg - Joseph Blatter hat mit einem Reformvorschlag auf die Bestechungsvorwürfe bei der Vergabe der WM 2022 an Katar reagiert. Der Schweizer, der am Mittwoch auf dem Kongress des Fußball-Weltverbandes in Zürich als einziger Kandidat in die Präsidentenwahl geht und seine vierte Amtszeit anstrebt, will die Vergabe der WM-Turniere neu regeln.

"Ich möchte, dass in Zukunft die Organisation der WM vom Kongress der Fifa beschlossen wird", sagte der 75-Jährige in seiner Rede vor den Vertretern der 208 Mitgliedsverbände. Bislang wurden die Weltmeisterschaften vom 24-köpfigen Exekutivkomitee vergeben, was immer wieder zu Korruptionsvorwürfen geführt hat. "Es geht jetzt darum, radikale Schritte zu unternehmen und nicht nur kleine kosmetische Verbesserungen", sagte Blatter. Das Exekutivkomitee soll demnach nur noch eine Vorauswahl treffen dürfen.

"Wir stehen vor Herausforderungen. Ich habe Ohrfeigen erhalten, die Verwarnung hat gut getan", sagte der 75-jährige Schweizer und fügte hinzu: "Die Fifa braucht einen starken Führer, ich möchte das sein." Außerdem wolle er eine Kommission einrichten, die Vorwürfen und Anklagen nachgeht. "Wir müssen unsere Reputation zurückgewinnen. Dazu müssen wir auch unsere Kommunikation verbessern, damit die Medien auch gute Nachrichten aus der Fifa haben und ihnen nicht nur Gerüchte zugetragen werden", sagte Blatter.

Antrag des englischen Verbandes auf Verlegung scheiterte

Zuvor war ein Vorstoß des Englischen Fußballverbandes (FA) auf Wahlverschiebung gescheitert. 172 der 206 Stimmberechtigten votierten gegen den Antrag. FA-Präsident David Bernstein hatte den Antrag damit begründet, dass eine Wahl mit einem Kandidaten wie ein Rennen mit nur einem Pferd sei. "Wir sollten die Wahl verschieben, damit wir einen zusätzlichen Kandidaten finden können. Nur so erhält die Fifa ihre Glaubwürdigkeit zurück", sagte er.

Damit drang Bernstein allerdings nicht durch. Stattdessen musste er sich von Fifa-Vizepräsident Julio Grondona beschimpfen lassen. England mache auf jedem Fifa-Kongress Probleme, sagte Grondona. Dies sei seit 1974 so, seitdem der Engländer Stanley Rous als Fifa-Chef abgelöst worden sei.

Zahlreiche Mitglieder des Exekutivkomitees stehen unter dem Verdacht der Bestechung und der Bestechlichkeit. Die beiden Fifa-Vizepräsidenten Mohammed Bin Hammam aus Katar und Jack Warner aus Trinidad und Tobago wurden am Sonntag von der sogenannten Fifa-Ethikkommission vorläufig suspendiert, Blatter selbst wurde von allen Vorwürfen freigesprochen.

ged/dpa/sid

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Schaun mer mal...
myanus 01.06.2011
Wenn Blatter, um die aktuelle Krise zu überleben, tatsächlich so weit geht, den Vergabeprozess korruptionssicher zu gestalten, wäre das ein großer Schritt nach vorne. Wenn die skandalöse Katar Entscheidung noch gekippt wird, wäre es ein weiterer, doch schlußendlich wird es Zeit, daß ein Nachfolger für Blatter gefunden wird, damit die FIFA vielleicht wieder einen Teil ihrer Würde zurückgewinnt. Ob Beckenbauer sich zum Rücktritt vom Rücktritt bewegen ließe, ist leider fraglich.
2. Kampf ums Überleben
Thomas von und zu B. 01.06.2011
"Ich habe Ohrfeigen erhalten, die Verwarnung hat gut getan": Vor seiner angestrebten Wiederwahl gibt sich Fifa-Boss Joseph Blatter selbstkritisch(...)" Das klingt eher nach einem Kampf ums Überleben. Blatter und selbstkritisch ist aber immerhin mal was Neues!
3. Zitat Herr Blatter:
P.H., 01.06.2011
"Die Fifa braucht einen starken Führer, ich möchte das sein." Oh Herr und Meister! Ja, Du bist in der Tat ein starker Führer! Und nicht, daß es der böse Mammon ist, der Dich dazu gemacht hat, sondern das unerklärbare Anwachsen der Guthaben auf den Bankkonten der Funktionäre. Nur ein starker Führer kann soviel Weitsicht besitzen, um zu erkennen, daß dies einzig aus der unermesslichen Kraft des Fairplays unseres Königs - dem Fußball- entstehen kann! Blatter wir brauchen Dich als Führer, damit König Fußball weiter regieren kann!
4. Lächerlich
phantom63, 01.06.2011
Nur Peinlich was für eine Demokratie Eigentlich müsste man Fußball Boykottieren. So etwas hat auch noch etwas mit Vereinsrecht zu tun und zahlt fast keine Steuern. LG
5. .
Haio Forler 01.06.2011
Betteln nach Aufschub, mehr nicht. Das Versprechen von Reformen ist das Opium für die Basis.
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Fifa-Skandal: Warner suspendiert, Blatter entlastet

Die Präsidenten der Fifa
Amtszeit Präsident
1904-1906 Robert Guérin (Frankreich)
1906-1918 Daniel B. Woolfall (England)
1921-1954 Jules Rimet (Frankreich)
1954-1955 Rodolphe W. Seeldrayers (Belgien)
1955-1961 Arthur Drewry (England)
1961-1974 Stanley Rous (England)
1974-1998 João Havelange (Brasilien)
seit 1998 Joseph Blatter (Schweiz)

Konföderationen der Fifa
Verband Bereich Präsident
AFC Asien Mohamad bin Hammam*
Caf Afrika Issa Hayatou
Concacaf Nord-, Mittelamerika, Karibik Jack Warner**
Conmebol Südamerika Nicolas Leoz
OFC Ozeanien David Chung
Uefa Europa Michel Platini
* nach Suspendierung vertreten durch Jilong Zhang
** nach Suspendierung vertreten durch Lisle Austin