Fifa-Skandal Schweizer Bundesanwaltschaft stellt weitere Unterlagen sicher

In der Fifa-Zentrale in Zürich gab es erneut Besuch von der Schweizer Bundesanwaltschaft. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sicherten die Beamten Daten zu den Weltmeisterschaften 2018 und 2022. Ziel waren auch Unterlagen aus dem Büro von Joseph Blatter.

Fifa-Zentrale in Zürich: Verdacht der "ungetreuen Geschäftsbesorgung"
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Fifa-Zentrale in Zürich: Verdacht der "ungetreuen Geschäftsbesorgung"

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Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE haben Beamte der Schweizer Bundesanwaltschaft am Mittwochvormittag gegen 11 Uhr erneut Dokumente in der Zentrale des Fußball-Weltverbandes Fifa in Zürich sichergestellt. Die Fifa kooperierte bei dem Besuch der Ermittlungsbeamten, Fifa-Chefjustitiar Marco Villiger war bereits eine Stunde zuvor von den Behörden über die bevorstehende Aktion informiert worden.

Die Ermittler der Bundesanwaltschaft waren auf der Suche nach Unterlagen aus den Büros des Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter, des Generalsekretärs Jérôme Valcke sowie des Finanzdirektors Markus Kattner auf und ließen sich diese gezielt herausgeben.

Die Dokumente beziehen sich nach Informationen von SPIEGEL ONLINE einerseits auf die Evaluierungsberichte, die eine Kommission der Fifa vor der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 über sämtliche Bewerberländer erstellt hatte. Die Bundesanwaltschaft führt nach einer Strafanzeige der Fifa in diesem Zusammenhang ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung".

Andererseits nahm die Bundesanwaltschaft Unterlagen mit, die im Zusammenhang mit mehreren Zahlungen des Fußball-Weltverbands im Frühjahr 2008 in Höhe von zehn Millionen Dollar stehen. Nach Erkenntnissen der US-Justizbehörden, die gegen 14 zum Teil ranghohe Fifa-Funktionäre wegen des Verdachts der Geldwäsche und Korruption ermitteln, hatte Südafrika als Ausrichter der Fußball-WM 2010 über die Fifa zehn Millionen Dollar auf Konten überweisen lassen, die der damalige Fifa-Vizepräsident Jack Warner kontrolliert haben soll. Die US-Ermittler haben den Verdacht, Warner und weitere Funktionäre des Fifa-Exekutivkomitees seien mit dem Geld bestochen worden, um Südafrika ihre Stimme bei der Vergabe der Fußball-WM 2010 zu vermachen.

Warner weist den Vorwurf zurück, ebenso wie die Regierung und der südafrikanische Fußballverband. Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke, der nach Ansicht der US-Ermittler die Zahlungen angewiesen haben soll, beteuert ebenfalls seine Unschuld: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Die Schweizer Bundesanwaltschaft bestätigte SPIEGEL ONLINE auf Anfrage, dass die Fifa "im Rahmen des hängigen Strafverfahrens der Bundesanwaltschaft heute die gesicherten IT-Daten herausgegeben hat". Bereits am Mittwoch vor zwei Wochen, an dem in Zürich auch sieben Fifa-Funktionäre festgenommen worden waren, hatten Beamte der Bundesanwaltschaft das Fifa-Hauptquartier aufgesucht und Dokumente beschlagnahmt. Auch damals kooperierte die Fifa. Die Aktion vom Mittwoch, so die Schweizer Bundesanwaltschaft, sei ein "Nachgang zur begleiteten Edition vom 27. Mai 2015".

KLARSTELLUNG DER REDAKTION:

In einer früheren Version hieß es, dass die Ermittler die Büros der Herren Blatter, Valcke und Kattner aufgesucht hätten. Tatsächlich war dies nicht der Fall, sie waren, wie mittlerweile im Text klargestellt ist, an Unterlagen aus diesen Büros interessiert. Nachdem sie diese aber freiwillig erhalten hatten, mussten die Räume dann auch nicht betreten werden.



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romeoundjulia 10.06.2015
1. Auslieferung
Eine Auslieferung Blatters wird immer unwahrscheinlicher, da er wohl in der Schweiz inhaftiert werden wird.....
Walther Kempinski 10.06.2015
2. Sicherheit
Russland kann die Sicherheit 2018 während der WM nicht gewährleisten. Eine fehlgelenkte Rakete, ein durchgeschlüpfter Kampfflieger, tschteschenische Terroristen, ukrainische Freiheitskämpfer die ein Symbol setzen wollen usw usw...eine WM in einem Land auszurichten, der quasi sich im Krieg befindet, ist Unsinn. WM sofort an England geben!
Greggi 10.06.2015
3. Oh, interessant.
Schweizer Beamte heben ihren Hintern aus dem Sessel. Völlig neuer Sachverhalt. Könnte mir vorstellen, dass die Amis dem Bergvölkli mal richtig eingeheizt haben (so in der Richtung keine Zulassung mehr für schweizer Banken an der Wallstreet, internationale Fahnung nach schweizer Bankern, die bei der Geldwäsche behilflich waren etc.pp.). Sowas wünsche ich mir von unseren Berliner Daumenlutschern. Aber dafür sind die viel zu brav.
hendrik677 10.06.2015
4. Die Hoffnung mag zuletzt sterben..
..aber im Fall der Schweizer Bundesanwaltschaft bestimmt ein absolut verlorener Liebesdienst. Diese hat schon im Jahre 2011 eine Anklage gegen ein viel offensichtlichere Verbrechen bzw. organisierte Verbrecherorganisation versemmelt (siehe http://www.nzz.ch/debakel-fuer-die-bundesanwaltschaft-1.13027363)!!!
von winkelried 10.06.2015
5. Nicht möglich
Zitat von romeoundjuliaEine Auslieferung Blatters wird immer unwahrscheinlicher, da er wohl in der Schweiz inhaftiert werden wird.....
Eine Auslieferung ist sowieso nicht möglich, da er Schweizer Staatsbürger ist.
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