Hamburg - Uli Hoeneß hat DFB-Präsident Theo Zwanziger wegen seines Votums für Fifa-Präsident Joseph Blatter heftig kritisiert. "Herr Zwanziger ließ keinen Zweifel daran, dass man Blatter wählen wird. Ganz nach dem Motto: Augen zu und durch", sagte der Präsident des FC Bayern München in einem Interview mit "Sportbild". "Ich bin enttäuscht, dass der DFB vor diesen unseriösen Machenschaften die Augen verschließt."
Der Chef des Deutschen Fußball-Bundes wehrte sich im selben Blatt gegen die Vorwürfe: "Niemand beim DFB hat die Augen verschlossen. Aber wir mussten klug sein." Der DFB wolle durch ein "sachbezogenes Verhältnis" Einfluss nehmen.
Der 66-Jährige nannte als Gegenbeispiel den englischen Verband (FA), der angesichts des Korruptionsskandals bei der Fifa vergeblich eine Verlegung der Vorsitzendenwahl gefordert hatte: "Ich glaube kaum, dass sich Blatter von den englischen Kollegen noch viele Ratschläge einholen wird", sagte Zwanziger.
"Der ganze Saustall gehört ausgemistet"
Von Hoeneß' öffentlichen Vorwürfen zeigte sich der DFB-Präsident überrascht: "Er war ja schon bei der WM in Südafrika ein polarisierender, öffentlicher Kritiker. Recht hat er damit nicht behalten und nicht unbedingt an Ansehen gewonnen."
Aus Hoeneß' Sicht sind die Vorwürfe gegen die Fifa "nur die Spitze des Eisbergs". Es "werden noch Dinge rauskommen, die wir uns gar nicht vorstellen können". Die Fifa müsse, so der Bayern-Präsident, "ganz neu aufgestellt werden" - und das bedeute auch den Abschied Blatters: "Es ist für mich keine Frage, ob, sondern nur noch, wann er seinen Posten räumen muss". Der 59-Jährige verlangte: "Der ganze Saustall gehört ausgemistet."
Dass der DFB keinen öffentlichen Druck auf Blatter ausübe, habe ihn enttäuscht. "Wegschauen heißt auch akzeptieren", sagte Hoeneß in Richtung Zwanziger.
Blatter war in der Vorwoche mit deutlicher Mehrheit für eine vierte Amtsperiode als Fifa-Chef bestätigt worden - obwohl sowohl er als auch der Fußballweltverband in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Korruptionsvorwürfen konfrontiert waren. Zwanziger hatte Blatter dennoch seine Unterstützung zugesagt: "Ich kann doch nicht allein aufgrund von Verdachtsmomenten sagen: Der ist nicht mehr wählbar."
aha/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema Fifa | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH