US-Ermittlungen gegen Fifa Vergabe der WM an Frankreich und Südafrika war geschmiert

Er war Vertrauter von Präsident Blatter - dann packte Chuck Blazer als Kronzeuge über die Machenschaften bei der Fifa aus. Die Dokumente seiner brisanten Aussagen wurden jetzt veröffentlicht. Demnach wurde bei mindestens zwei WM-Vergaben bestochen.

Das deutsche Team in Südafrika 2010: Bestechungsgelder für WM in Frankreich und Südafrika
dpa

Das deutsche Team in Südafrika 2010: Bestechungsgelder für WM in Frankreich und Südafrika


Der Korruptionsskandal im Fußball-Weltverband Fifa zieht immer weitere Kreise. Der ehemalige Fifa-Funktionär Chuck Blazer gestand gegenüber der US-Justiz, dass er und andere Funktionäre Bestechungsgelder für ihre Stimmen bei der WM 1998 und 2010 angenommen haben. Das geht aus seinen Aussagen aus dem Jahr 2013 hervor, die am Mittwoch in New York veröffentlicht wurden. Blazer ist Kronzeuge für die US-Behörden.

Demnach haben der heute 70-jährige Blazer und andere Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees Bestechungsgelder bei der Vergabe der Fußball-WM 2010 in Südafrika akzeptiert.

Auch vor der Vergabe für das WM-Turnier 1998 in Frankreich soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Die Endrunde vor 17 Jahren in Frankreich war bisher noch nicht in Verdacht geraten. Aus der Anklageschrift gegen Blazer aus 2013 geht hervor, dass er und andere Verantwortliche von Bewerber Marokko bestochen worden sein sollen. Dennoch siegte am Ende Frankreich und durfte die WM ausrichten.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass das FBI wegen der Vergabeverfahren der Spiele 2018 in Russland und 2022 in Katar ermittelt. Am Dienstag hatten die "New York Times" und ABC News übereinstimmend gemeldet, dass auch Fifa-Chef Joseph Blatter ins Fadenkreuz des FBI geraten sei.

Übertragungsrechte des Gold Cups wurden geschmiert

Schweizer Behörden hatten am 27. Mai sieben hochrangige Fußball-Funktionäre in Zürich in Auslieferungshaft genommen. Auch als Konsequenz aus diesem Skandal hatte Blatter am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt.

Laut der Aussage von Blazer sind auch für die Übertragungsrechte des Gold Cups - bei dem Nationalmannschaften den Fußballmeisters von Nord-, Mittelamerika und der Karibik ermitteln - in den Jahren 1996, 1998, 2000, 2002 und 2003 Schmiergelder geflossen.

Blazer war über viele Jahre Generalsekretär der Concacaf, des Verbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik, und von 1996 bis 2013 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees.

Nach der Anklage durch die US-Justiz zeigte er sich kooperativ und soll unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 in London heimlich Funktionärsgespräche aufgenommen haben. In seiner Aussage bekannte sich Blazer auch des Betrugs gegenüber der Fifa sowie der Steuerhinterziehung schuldig.

2013 kam er nach einer Kautionszahlung in Höhe von zehn Millionen Dollar auf freien Fuß. Blazer ist schwer an Krebs erkrankt und liegt nach Angaben der "New York Times" derzeit in einem New Yorker Krankenhaus.

sun/dpa/sid

insgesamt 181 Beiträge
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karend 03.06.2015
1. Und das Sommermärchen?
Und die in Deutschland?
tingeltangel-bob 03.06.2015
2.
Natürlich war die WM 2006 in Deutschland nicht gekauft; welch glückliche Fügung:-)
singpat 03.06.2015
3. Das muss rueckabgewickelt werden
… aber gewiss wurde dann die WM in Russland und Katar nicht gekauft. Alles eine Sache der Vergangenheit. Und BTW, was ist mit der WM in Deutschland?
arrache-coeur 03.06.2015
4.
Und kommt jetzt für jede Sportvertanstaltung eine Korruptionsmeldung?
dave_t 03.06.2015
5. Dass die Vergabe der WM an Deutschland geschmiert war...
Dass die Vergabe der WM an Deutschland geschmiert war, ist ja aktenkundig und kann in der Titanic nachgelesen werden; Stichwort Schinken und Kuckucksuhren.
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