Beckenbauer-Sperre durch die Fifa Keine Gnade für den Kaiser

Die Fifa hat Franz Beckenbauer für 90 Tage von allen Aktivitäten im Fußball suspendiert, er soll sich Ermittlungen im Zusammenhang mit der WM-Vergabe nach Katar verweigert haben. Er selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Klar scheint: Der Weltverband will ein Zeichen setzen.

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Fußballlegende und Geschäftsmann Beckenbauer: "Aprilscherz"
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Fußballlegende und Geschäftsmann Beckenbauer: "Aprilscherz"


Die sogenannte Ethikkommission des Fußballweltverbands Fifa hat Franz Beckenbauer mit sofortiger Wirkung für 90 Tage für sämtliche Tätigkeiten im Fußball gesperrt. Beckenbauer wird vorgeworfen, sich den Ermittlungen der Ethikkommission zu den Bestechungsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar verweigert zu haben.

Und nun? Was bedeutet das Vorgehen der Fifa für den Ehrenpräsidenten des FC Bayern München?

In einer ersten Reaktion gegenüber seinem Geschäftspartner Sky sagte Beckenbauer: "Ich habe gedacht, das ist ein Aprilscherz." Gegenüber einem anderen Medium, mit dem er seit Langem verbunden ist, der "Bild"-Zeitung, hatte er kürzlich behauptet, er sei bereit gewesen, alle Fragen zu beantworten. Jedoch seien die nur "in Juristen-Englisch" gekommen. "Ich bat daraufhin höflich um eine Unterredung in deutscher Sprache, und diese wurde abgelehnt. Daraufhin war meine Reaktion: Dann eben nicht." Anfragen von SPIEGEL ONLINE ließ das Beckenbauer-Management bislang unbeantwortet.

Der US-Amerikaner Michael Garcia, Chefermittler der Ethikkommission, stellt den Sachverhalt anders dar und war auf dem Fifa-Kongress diese Woche in São Paulo sichtlich verärgert. Dort hatte er noch einmal die Mitwirkungspflicht von Offiziellen aus dem Fifa-Reich unterstrichen. Einige haben sich diesen Regeln gebeugt und mit Garcia kooperiert, Beckenbauer tat das nicht. Auch deshalb hatte Fifa-Vizepräsident Jim Boyce schon vor einer Woche gefordert, alle Personen, die sich der Aufklärung verweigerten, "müssen öffentlich genannt und suspendiert werden".

Garcia stellte den Antrag, Beckenbauer zu sperren. Gemäß Artikel 83, Absatz 1, des Fifa-Ethikreglements sind vorsorgliche Suspendierungen möglich. Der deutsche Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission, der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert, trat in diesem Fall wegen Befangenheit in den Ausstand. Die Entscheidung wurde von Eckerts Stellvertreter Alan Sullivan aus Australien getroffen. Das offizielle Untersuchungsverfahren wird nun von Vanessa Allard aus Trinidad und Tobago geleitet.

Die Katar-Connection

Aus der Fifa ist zu hören, dass die Suspendierung zwei Dinge zeige: zum einen, dass Chefermittler Garcia "Eier habe". Und außerdem sei sie ein deutliches Zeichen, ein Fanal für andere Fifa-Größen, dass sie besser kooperieren sollten.

Beckenbauer war von 2007 bis 2011 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Er trat also ein halbes Jahr nach den WM-Vergaben an Russland und Katar zurück. Wie die Londoner Zeitung "Sunday Times" und der SPIEGEL am vergangenen Wochenende berichteten, begleitete Beckenbauer im Juni 2011 vier Manager der Hamburger Firma E.R. Capital Holding nach Katar. Dort hatte der inzwischen wegen Korruption lebenslang gesperrte Mohamed Bin Hammam (Katar) Treffen für die Manager vorbereitet, die mit katarischen Investmentfonds ins Geschäft kommen wollten. Beckenbauer war bis Frühjahr 2014 als Berater für die Firma des Reeders Erck Rickmers tätig, er weist jeden Vorwurf der Korruption entschieden zurück.

Ende Mai 2012 wurde Beckenbauer Sportbotschafter des von Gazprom geführten Verbands russischer Gasproduzenten. Gazprom hatte die russische WM-Bewerbung maßgeblich finanziert und ist inzwischen auch Fifa-Sponsor. Beckenbauer hat mehrfach den Vorwurf von Interessenskonflikten von sich gewiesen. Nachdem die umfangreichen Kontakte nach Katar und auch sein Treffen mit dem damaligen Emir Hamad Bin Khalifa Al Thani im Herbst 2009 bekannt wurden, ließ Beckenbauer verbreiten: "Beim Thema Korruption bin ich der falsche Ansprechpartner. Mich hat noch nie jemand versucht zu beeinflussen."

Beckenbauer und sein langjähriger Freund und Berater Fedor Radmann waren die zentralen Figuren der deutschen WM-Bewerbung für 2006, zu der einige Vorgänge dokumentiert sind, die als Stimmenkauf interpretiert werden können. So wurden aus dem Firmenimperium des inzwischen verstorbenen TV-Rechtehändlers Leo Kirch dubiose Figuren aus dem Umfeld der Fifa und Exekutivmitglieder wie der Thailänder Worawi Makudi bedient.

Umstrittene Fifa-Mitglieder

Beckenbauer versucht nun, die Sperre mit der ihm eigenen Nonchalance zu überspielen. "Ich bin Ehrenpräsident des FC Bayern. Wenn ich das für 90 Tage nicht mehr sein kann, dann wird der Ehrenpräsident des FC Bayern das überleben", sagte er bei Sky. Die Frage ist allerdings, wie weit die Fifa diese Sperre "für jegliche nationale und internationale Tätigkeit im Fußball" fasst. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE ließ Sullivan von der Ethikkommission mitteilen, Beckenbauer dürfe keine Fußballspiele mehr besuchen. In Bezug auf seine Tätigkeit als TV-Experte sagte eine Fifa-Sprecherin: "Wenn er etwas in München im Studio macht, sollte das davon nicht betroffen sein."

Beckenbauer hatte via "Bild"-Zeitung bereits angekündigt, eine geplante Reise zur WM nach Brasilien nicht mehr antreten zu wollen. Was ist mit seinem "Camp Beckenbauer", bei dem sich 2013 Fußballfunktionäre wie Fifa-Boss Joseph Blatter, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und anderen Top-Offizielle trafen, und das in diesem Jahr Anfang September stattfinden soll? Und was ist mit seinem hoch dotierten Gazprom-Job? Die Fifa ließ Anfragen unbeantwortet, wie weit die Sperre auszulegen sei.

Bei Beckenbauer werden international zunehmend die gerade belegten Katar-Kontakte und sein Gazprom-Vertrag diskutiert. Seine Nonchalance kommt international nicht gut an und wird vor allem in England mehr und mehr infrage gestellt. Aber auch der Weltverband kommt nicht gut weg. Der ehemalige englische Verbands- und WM-Bewerbungschef Lord David Triesman hatte die Fifa vor wenigen Tagen mit der Mafia gleichgesetzt.

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