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Korruptionsskandal: Fifa suspendiert Blatter und Platini für 90 Tage

DPA

Der Fußball-Weltverband hat Präsident Joseph Blatter und Uefa-Boss Michel Platini für 90 Tage gesperrt. Hintergrund sind die Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft wegen einer dubiosen Zahlung.

Fifa-Boss Joseph Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini sind von der Fifa für 90 Tage gesperrt worden. Das gab die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission des Fußball-Weltverbands am Donnerstag bekannt. Damit sind beide für diesen Zeitraum von der Teilnahme an allen nationalen und internationalen Fußballaktivitäten ausgeschlossen.

Die Kammer begründete ihre Entscheidung mit dem Verdacht auf Verstöße des 79-jährigen Blatter gegen den Fifa-Ethikcode. Hintergrund sind die Korruptionsermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft. Gemäß den Verbandsstatuten übernimmt Fifa-Vizepräsident Issa Hayatou (Kamerun) interimsweise Blatters Amtsgeschäfte. Platini muss seinen Posten als Uefa-Boss vorerst ruhen lassen.

Vor knapp zwei Wochen hatte die schweizerische Bundesanwaltschaft bekannt gegeben, dass sie ein Strafverfahren unter anderem wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung" gegen Blatter eingeleitet habe. Dabei ging es unter anderem um eine Fifa-Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken an Platini aus dem Jahr 2011, angeblich für Beratertätigkeiten, die der Franzose zwischen Januar 1999 und Juni 2002 geleistet hatte. Der Uefa-Präsident war in diesem Zusammenhang von Vertretern der Bundesanwaltschaft vernommen worden.

"Versuch, meinen persönlichen Ruf zu schädigen"

Die Ermittler der schweizerischen Bundesanwaltschaft haben nach Informationen des SPIEGEL erhebliche Zweifel an den Erklärungen von Blatter und Platini. Die Behauptung der beiden, sie hätten die Zahlung vergessen, sei wenig glaubhaft. Später behauptete Platini zudem, die verspätete Zahlung sei mit der damaligen Finanzlage der Fifa zu begründen. Allerdings hatte Blatter im Jahr 2002 für die Fifa einen Gewinn von 115 Millionen Schweizer Franken verkündet.

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Verbands-Boss: Blatters Fifa-Karriere
Bei den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft geht es zudem um TV-Verträge zwischen der Fifa und dem Ex-Präsidenten der Caribbean Football Union, Jack Warner. Dieser hatte die Rechte an den Übertragungen der Fußballweltmeisterschaften 2010 und 2014 für Spottpreise von 250.000 und 350.000 Euro bekommen - und durch den Weiterverkauf Millionen verdient.

Blatters Anwälte gaben eine Erklärung heraus, derzufolge der Präsident bedaure, dass die Kommission ihn nicht angehört habe. Überdies liege ein Missverständnis hinsichtlich der Ermittlungen der Schweizer Justiz gegen Blatter vor. Die Behörden hätten lediglich eine Untersuchung eingeleitet, den Fifa-Präsidenten aber nicht angeklagt. Abschließend kündigte Blatter "Beweise" für seine Unschuld an.

Issa Hayatou führt nun die Geschäfte

Michel Platini hatte kurz vor Bekanntwerden seiner Suspendierung noch eine Erklärung herausgegeben, in der er das Durchsickern der Nachricht von seiner möglichen Suspendierung als "Versuch, meinen persönlichen Ruf zu schädigen" kritisiert hatte. Die Information stamme "aus einer offiziellen Fifa-Quelle", sei perfide und "in einer inakzeptablen Weise" erfolgt.

Platini forderte eine "unabhängige und überparteiliche Institution" auf, ihrerseits die Ermittlungen der Fifa-Ethikkommission gegen ihn zu untersuchen. Schließlich erklärte Platini, er habe am Vormittag vor seiner tatsächlichen Suspendierung die Unterstützungsbriefe hinterlegt, die formal für seine Kandidatur als Präsident der Fifa erforderlich waren.

Neben Blatter und Platini wurde auch der frühere Fifa-Vizepräsident Chung Mong-Joon für sechs Jahre gesperrt. Der Koreaner wurde zudem mit einer Strafe in Höhe von 100.000 Schweizer Franken belegt. Chung wird von der Fifa zur Last gelegt, im Rahmen der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gegen diverse Bestimmungen des Ethikkodex der Fifa verstoßen zu haben.

Noch keine Entscheidung bei der Uefa

Die Geschäfte des Fifa-Präsidenten muss nun Hayatou führen. Der 69-jährige Kameruner ist der dienstälteste Vizepräsident der Fifa und in dieser Funktion erster Stellvertreter des Präsidenten. Hayatou ist seit 1988 Präsident des afrikanischen Verbands. Er wurde im Zusammenhang mit seinen Ämtern im Internationalen Olympischen Komitee und in der Fifa schon mehrfach mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert, allerdings bisher nicht rechtskräftig verurteilt.

Bei der Uefa gab es hingegen noch keine Entscheidung hinsichtlich der Übernahme der Geschäfte. Auf Anfrage des Sportinformationsdienstes verwies der Europa-Verband darauf, noch keine Mitteilung dazu machen zu können. "Bei Verhinderung des Präsidenten übernimmt der ranghöchste verfügbare Vizepräsident dessen Aufgaben", lautet die entscheidende Passage in Artikel 29 der Uefa-Statuten.

Der erste Vizepräsident ist Angel Maria Villar Llona aus Spanien. Er gilt allerdings vor dem Hintergrund der Fifa-Skandale als Mitglied der Exekutive des Weltverbandes nicht als zweifelsfrei unbelastet. Der 65 Jahre alte Ex-Nationalspieler wird außerdem als Reformverhinderer angesehen. Sein Sohn Gorka sieht sich derzeit als Generalsekretär des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONMEBOL Erpressungsvorwürfen von Klubs aus Uruguay ausgesetzt.

Neben Villar Llona hat die Uefa vier weitere Vizepräsidenten. In der Reihenfolge ihres Ranges komplettieren der Zyprer Marios N. Lefkaritis, der Italiener Giancarlo Abete, der Ukrainer Grigorij Surkis und der Niederländer Michel van Praag die Riege der Vizepräsidentenriege.

bka/rae/Reuters/dpa/sid

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insgesamt 79 Beiträge
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1. Schön
homersimpson75 08.10.2015
Darf Platini jetzt eigentlich bei der Gruppenauslosung zur EURO 2016 am 12. Dezember auftreten?
2. Und wenn
megamekerer 08.10.2015
nach 90 Tage nichts etwas gegen Blatter vorliegt, dann muss man doch dorthin schauen wo alles begann!
3. Bei vollen Bezügen gesperrt,
Normalbürger 08.10.2015
nehm ich mal an. Das wird der arme Blattersepp ja dann wohl noch ganz gut verkraften. Das gleiche gilt wohl auch für Platini und die anderen Kerlchen. Was für ein Schicksalsschlag!
4. 2 Millionen vergessen ?
mingaoida 08.10.2015
Kann man schon mal vergessen dass man 2 Millionen überweisen muss oder bekommen sollte. Den noblen Herren scheint Geld ja wirklich egal zu sein, echte Sportsmänner. Sehen auch sportlich aus die beiden.
5.
adal_ 08.10.2015
Wahnsinn, dieser Reformeifer. :-)
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