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Gesperrter Ex-Präsident: Ein Gespenst namens Sepp

Er ist für sechs Jahre gesperrt, aber Joseph Blatter war bei der Wahl seines Nachfolgers Gianni Infantino trotzdem omnipräsent. Einige behaupten gar: Wäre der Ex-Fifa-Boss angetreten, er hätte gewonnen.

Ex-Fifa-Boss Blatter (Archiv): Treue Freunde Zur Großansicht
AP/dpa

Ex-Fifa-Boss Blatter (Archiv): Treue Freunde

Joseph Blatter war wie ausradiert. Kein Foto, kein Videoeinspieler sollte beim Fifa-Wahlkongress an den gesperrten Präsidenten erinnern. Direkt nach der Wahl Gianni Infantinos zum neuen Präsidenten des Weltverbands meldete sich der Vorgänger jedoch mit warmen Worten: Infantino sei ein "würdiger Nachfolger". Der neue Chef habe "alle Qualitäten, meine Arbeit fortzusetzen und die Fifa wieder zu stabilisieren", erklärte der von der Ethikkommission für sechs Jahre suspendierte Blatter.

Das unliebsame Erbe Blatters wird der Weltverband so schnell nicht loswerden können. Vor allem in den Köpfen zahlreicher Mitglieder der selbst ernannten Fußball-Familie ist der 79-Jährige weiter präsent. "Ich wage die Vorhersage, dass Herr Blatter die Wahl gewinnen würde, wenn er antreten würde", sagte Englands Verbandschef Greg Dyke vor dem Votum für Infantino. Keine allzu mutige Prognose. Gerade die Entwicklungsländer, die sich stets über finanzielle Unterstützung von Projekten freuten, stehen Blatter immer noch treu zur Seite.

Immer wieder kokettierte Blatter damit, dass sich vier von fünf Präsidentschaftskandidaten vor dem Kongress bei ihm gemeldet hätten. Auch mehrere Verbände fragten nach, wem sie denn ihre Stimme geben sollten. Teile des Wahlprogramms von Uefa-Generalsekretär Infantino und Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa lesen sich wie aus einem Blatter-Handbuch. Eine Empfehlung für die Kür seines Nachfolgers wollte er öffentlich zwar nicht abgegeben, ließ es sich aber nicht nehmen, den Bahrainer al-Chalifa gegen Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen in Schutz zu nehmen.

Als er im Januar seine geliebte Bühne bei der Ballon-d'or-Gala wegen der inzwischen auf sechs Jahre gesenkten Sperre nicht betreten konnte, lud ihn seine Tochter zur Ablenkung nach Bern ein. Den Kongress verfolgte er nun allerdings aus Zürich, wo er immer noch gerne zwei Kilometer von der Fifa-Zentrale entfernt im Restaurant Sonnenberg zu Mittag isst. Trotz aller Nähe schloss er zumindest öffentlich eine Rückkehr in den Fußball aus. "Genug ist genug", sagte Blatter der "New York Times". "Ich werde immer ein Präsident sein." Theoretisch könnte der Schweizer nach Ablauf seiner Sperre eine aktive Rolle bei der WM 2022 in Katar übernehmen.

"Genug ist genug"

"Dieser Bann von sechs Jahren, acht Jahren, 20 Jahren - was immer es ist, er wird nicht vom Tribunal aufrechterhalten bleiben", sagte Blatter. "In dem Urteil wird Bestechung und Korruption ausgeschlossen, was bleibt noch, wenn es keine Bestechung und Korruption gab? Das ist nicht logisch." Eine Aussage, ganz so, als würde es Artikel 13 (generelle Verhaltensregeln), Artikel 15 (Loyalität), Artikel 19 (Interessenskonflikt) und Artikel 20 (Angebot und Annahme von Geschenken und anderen Vorteilen) des Fifa-Ethikcodes nicht geben. Der Bruch dieser Paragrafen durch eine dubiose Millionen-Zahlung an den ebenfalls gesperrten Michel Platini wird Blatter zur Last gelegt.

Bis zur Präsentation der Fifa-Kandidaten wurde Blatter lediglich in einer offiziellen Wortmeldung auf dem Podium namentlich erwähnt. "Herr Sepp Blatter ist von seinem Amt als Präsident zurückgetreten", sagte FIFA-Vize Issa Hayatou als Begründung, warum der außerordentliche Kongress stattfinden müsse. Kein Wort über eine Sperre oder Verfehlungen. Bis zu einer Wende in den Köpfen ist es noch ein weiter Weg.

goe/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Hätte
Mondaugen 26.02.2016
Das sind doch nutzlose Spekulationen. Allein aufgrund seines Alters wird Blatter keine führende Rolle mehr übernehmen, egal ob er nun 6 oder 8 Jahre gesperrt ist. Nun sitzt ein neuer Mann an den Fleischtöpfen, und gerade die kleinen Verbände werden sich Infantino bald verpflichtet fühlen, dann spricht über Blatter niemand mehr.
2. Gespenster sind Geister, die ...
birdie 27.02.2016
davon leben, rücksichtslos Menschen Furcht und Schrecken vermitteln. Bei der zutiefst korrupten Fifa zählt hierzu das Duo-Infernal Blatter/Platini. Bleibt die Frage, wann die Mitglieder der UEFA sich ermannen, der Fifa die Gefolgschaft kündigen, ihre eigene Vermarktung übernehmen und damit die absolut überflüssige Fifa endgültig liquidieren. Die Rückkehr und Rückbesinnung auf ehrlichen und sauberen Fussball ist überfällig und duldet keine schweizerischen Selbstgefälligkeiten mehr.
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