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Fifa-Turnier in Deutschland: Warner bestreitet Bestechung rund um WM 2006

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Ex-Fifa-Mann Warner: Gegenseitige Gefallen unter mächtigen Männern Zur Großansicht
Getty Images

Ex-Fifa-Mann Warner: Gegenseitige Gefallen unter mächtigen Männern

Wurde auch bei der Vergabe der WM 2006 in Deutschland geschmiert? Ex-Fifa-Funktionär Jack Warner weist dies zurück. Er habe nie Geld angenommen, sagte er dem SPIEGEL: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst."

Der ehemalige Vizepräsident der Fifa, Jack Warner, bestreitet, dass ihm das deutsche Bewerbungskomitee für die WM 2006 Geld angeboten habe, damit er sich für die Vergabe nach Deutschland einsetze. "Ich habe mich nie bestechen lassen", sagte Warner dem SPIEGEL. "Es hat mir nie jemand Geld angeboten, auch nicht die Deutschen."

Der Funktionär gilt als Schlüsselfigur im Fifa-Korruptionsskandal, die USA wollen seine Auslieferung beantragen.

Mittelsmänner des deutschen Bewerbungskomitees unter Leitung von Franz Beckenbauer hatten vor der deutschen Bewerbung im Jahr 2000 mehrere Freundschaftsspiele des FC Bayern München gegen Mannschaften in Heimatländern von Mitgliedern des Fifa-Exekutivkomitees vermittelt, die über die Vergabe entschieden. Sie verhandelten auch über ein Spiel gegen die Nationalmannschaft des Karibikstaats Trinidad und Tobago, der Heimat Jack Warners.

Es besteht der Verdacht, dass die Abrechnung dieser Freundschaftsspiele in Wirklichkeit die Zahlung von Bestechungsgeldern an die Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees verschleiern sollte. "Das Spiel gegen Bayern München war ein Projekt, es kam aus Termingründen nicht zustande", sagte Warner dem SPIEGEL. "Es ging nicht um Geld."

Warner bestreitet auch, dass er Bestechungsgelder im Zusammenhang mit der Vergabe von Fernseh-Übertragungsrechten angenommen habe. Eine seiner Firmen erhielt die TV-Rechte für die Karibik für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 von einer Schweizer Mittelsfirma des verstorbenen TV-Unternehmers Leo Kirch, dafür soll Warner 4,8 Millionen Franken bezahlt haben. Es besteht der Verdacht, dass er dieses Geld in Wirklichkeit nie bezahlt hat. "Ich habe für die Fernsehrechte bezahlt, das kann ich belegen", versicherte Warner dem SPIEGEL. "Ich habe sämtliche Quittungen aufbewahrt."

Einer möglichen Auslieferung an die USA sieht Warner offenbar gelassen entgegen. "Bislang hat die amerikanische Justiz keinen Auslieferungsantrag präsentiert", sagt Warner. "Sie haben mir nicht offiziell mitgeteilt, was sie mir vorwerfen, oder Belege für ihre Beschuldigungen vorgelegt."

"Es wird ein langer, heißer Sommer"

Wenn ein Richter seines Heimatstaats entscheide, dass die Auslieferung rechtmäßig sei, werde er dem Urteil Folge leisten. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagte Warner dem SPIEGEL. "War es etwa Korruption, als Obama mich zum Essen eingeladen hat? Oder Putin? Man erweist sich unter mächtigen Männern gegenseitig einen Gefallen, das ist keine Korruption." Zuletzt wurde dem 72-Jährigen vorgeworfen, Hilfsgelder für die Opfer des Erdbebens in Haiti im Jahr 2010 abgezweigt zu haben.

Warner verfügt in seiner Heimat über beträchtlichen politischen Einfluss, er ist Parlamentsabgeordneter und besitzt eine Zeitung. Er kündigte an, dass er in den kommenden Wochen Dokumente vorlegen werde, die belegen sollen, wie er die Regierung der Karibikrepublik finanziell unterstützt hat. Warner: "Es wird ein langer, heißer Sommer."

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Doping und Bestechung erlauben
Ontologix II 13.06.2015
Als ich klein war, durften bei Olympiaden nur unbezahlte Amateure sterten, und in der Fußball-Oberliga spielten kaum entlohnte Lizenzspieler. Heute wetteifern bei Olympiaden Vollprofis, und Fußballstars verdienen Millionen. Jeder weiß doch, dass gedopt und bestochen wird. Soll man doch die Realitäten anerkennen und beides legalisieren. Dann ist wieder alles in Blatter. Die Börse boomt doch auch dank koksenden Brokern, und die Wirtschaft läuft wie geschmiert.
2.
stoffi 13.06.2015
Ob, oder ob nicht, da wird sicher noch lange spekuliert. Das das aber geklärt werden wird, ist kaum zu erwarten. Die Vergangenheit ist nicht zu ändern, darum wäre es wohl besser, sich darauf zu konzentrieren, das es in der Zukunft anders läuft.
3. Fragt mal bei der Titanic nach!
mr.urlauber 13.06.2015
Es gab mindestens einen dokumentierten Bestechungsversuch, auch Herr Warner war dabei: http://de.wikipedia.org/wiki/Wie_Titanic_einmal_die_Fußball-WM_2006_nach_Deutschland_holte Auch der Spiegel berichtete: http://www.spiegel.de/sport/fussball/a-84345.html Letztendlich war diese Aktion der Grund, warum wir die WM 2006 in Deutschland hatten.
4. merkwürdig
Hilfskraft 13.06.2015
ZITAT:""Ich habe für die Fernsehrechte bezahlt, das kann ich belegen", versicherte Warner dem SPIEGEL.ENDE Die Fifa hat für Fernsehrechte bezahlt? An wen? Dachte immer, umgekehrt. Die Sender zahlen der Fifa Millionen für Fernsehrechte.
5. Ja, ist klar
bushmills 13.06.2015
Wieviel er dafür wohl bekommen hat, um das zu sagen? Und von wem?
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