Weltfußballer-Wahl der Fifa Zugabe fürs Ego

Die Fifa verleiht nach einem Streit mit den Urhebern des "Ballon d'Or" wieder ihren eigenen Weltfußballer-Pokal. Preisträger am Abend dürfte Cristiano Ronaldo werden.

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Aus Zürich berichtet


Fünf Herren in dunklen Anzügen hatten sich nebeneinander aufgestellt, ein paar Meter entfernt strahlten vier goldene Fußbälle in der Madrider Wintersonne. Aber einer strahlte noch ein bisschen mehr: Cristiano Ronaldo.

Der Portugiese präsentierte vor dem Ligaspiel am vergangenen Freitag seinen vierten Ballon d'Or, den goldenen Ball für den besten Fußballer der Welt des Jahres 2016, auch seine Trophäen für die Jahre 2008, 2013 und 2014 waren ins Estadio Santiago Bernabeu geschafft worden. Die anderen Real-Spieler, die diesen Titel verliehen bekommen haben, standen Spalier: Raymond Kopa (Sieger 1958), Ronaldo (1997, 2002), der aktuelle Madrid-Trainer Zinédine Zidane (1998) und Luís Figo (2000).

Ronaldo, das weiß man spätestens seit seinem PR-Film "Ronaldo", den er gemeinsam mit dem Regisseur Anthony Wonke über sein Leben gedreht hat, sind persönliche Auszeichnungen, die er nicht mit einer Mannschaft teilen muss, besonders wichtig. Demnach wird er sich ans Jahr 2016 besonders gerne zurückerinnern: Neben dem Champions-League-Titel, dem Gewinn der Europameisterschaft und diversen kleineren Auszeichnungen darf sich Ronaldo in diesem Jahr über zwei große individuelle Titel freuen: Nach dem Ballon d'Or wird der Portugiese am Abend in Zürich höchstwahrscheinlich auch den Titel des Weltfußballers überreicht bekommen, ein etwas lieblos entworfener Silberpokal, den der Weltverband Fifa ab jetzt jeden Januar an den besten Fußballer des Vorjahres übergeben will.

Cristiano Ronaldo, Kopa, Owen, Figo, Ronaldo, Zidane
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Cristiano Ronaldo, Kopa, Owen, Figo, Ronaldo, Zidane

Denn ab diesem Jahr gibt es mit dem "The Best FIFA Football Award" eine zweite Trophäe für den herausragenden Spieler des Jahres. Hintergrund ist ein Streit zwischen der Fifa und dem französischen Magazin "France Football", dem die Marke "Ballon d'Or" gehört. Zwischen 2010 und 2015 kooperierten die Franzosen mit dem Weltverband, 2016 kam es jedoch zum Bruch.

Die genauen Hintergründe der Trennung wurden nie offiziell erklärt, aber es kursieren allerlei Gerüchte. Der renommierte Ballon d'Or wurde 1956 vom französischen Verlag Amaury ins Leben gerufen, die Fifa versuchte zwischen 1991 und 2009, eine eigene Ehrung zu etablieren, konnte dem Ballon d'Or aber nie den Rang ablaufen. Also kaufte der Weltverband sich für 15 Millionen Euro beim goldenen Ball ein.

Nach der Gala vor einem Jahr lief der Vertrag aus, woraufhin Fifa-Präsident Gianni Infantino versucht haben soll, den Franzosen die Auszeichnung komplett zu entreißen. Doch "France Football" wehrte sich, also wurde "The Best FIFA Football Award" ins Leben gerufen, auch als politisches Instrument. Angeblich soll das Event im kommenden Jahr in London stattfinden, als Geste der Versöhnung mit der englischen Football Association. Diese war nach den korruptionsumwitterten Vergaben der Weltmeisterschaftsturniere nach Russland und Katar auf Distanz zum Weltverband gegangen. Infantino ist nun bemüht, diese Gräben zuzuschütten.

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Fifa-Weltfußballer-Wahl: Lothar, George und Lionel

Ein paar entscheidende Änderungen bei der Fifa-Wahl gelten aber schon jetzt. Statt wie bisher Journalisten, Kapitäne und Trainer der Nationalmannschaften abstimmen zu lassen, dürfen nun auch Fans mit abstimmen. Jede der Gruppen trägt 25 Prozent der Stimmanteile zum Gesamtergebnis bei. Beim neuen Ballon d'Or stimmen dagegen nur noch Journalisten ab.

Für 2016 brachten beide Verfahren das gleiche Ergebnis hervor, wie immer machten Ronaldo und Lionel Messi den Sieger unter sich aus, als schmückendes Beiwerk gibt es wie immer einen dritten Mann im Kreis der Kandidaten. 2014 war das Manuel Neuer, im Vorjahr Neymar, diesmal wird der französische EM-Held Antoine Griezmann vor der Gala von Zürich als Kandidat über den roten Teppich schreiten. Gemeinsam mit Olympiasiegerin Melanie Behringer, der Torschützenkönigin von Rio, der Chancen auf den Preis als beste Spielerin des Jahres eingeräumt werden. Silvia Neid ist eine der drei Kandidatinnen für die Auszeichnung als Welttrainerin. Zudem könnten die Fans von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool den neu geschaffenen "Fan Award" gewinnen. Für ihr gemeinsames Gedenken an die Opfer der Hillsborough-Katastrophe rund um die Europa-League-Begegnung der beiden Klubs im vergangenen April.

Die Kritiker an dem winterlichen Spektakel sind in diesem Jahr übrigens erstaunlich zurückhaltend. Philipp Lahm hatte die Weltfußballerwahl voriges Jahr als "Weltstürmerwahl" kritisiert, und Robert Lewandowski bezeichnete die Ballon d'Or-Verleihung im Dezember als "Kabarett", weil schon wieder Ronaldo gewählt worden war - und er selbst nur auf Platz 16 landete.

Aber es handelt sich nun mal um den Preis für den größten Individualisten des Weltfußballs und nicht um eine Auszeichnung für den kostbarsten Mannschaftsspieler. Das kennzeichnet auch in Zukunft beide Preisverleihungen.



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il_phenomeno 09.01.2017
1. Ist das nervig
jetzt gibt's 2 Auszeichnungen. und Fans sollten nie abstimmen dürfen. die sind definitiv nicht unparteiisch. schade eigentlich. ich fand diese Auszeichnung eigentlich nicht schlecht. es war die Möglichkeit auch als Spieler aus Mannschaften oder Ländern die nichts gewinnen können zu triumphieren
hbblum 09.01.2017
2. Fehlt noch....
.... der Sonderpreis für den Spieler, der in 2016 die meisten Steuern hinterzogen hat.
mistermoe 09.01.2017
3. Gemeinsamkeit
Beide Preise haben eine sehr große Gemeinsamkeit: Es wird nicht der weltbeste oder gar kompletteste Fussballer gewählt, sondern derjenige der Marketing-technisch am besten zu präsentieren ist. Bestes Beispiel ist die wiederholte Aussage, Ronaldo hätte Portugal zum EM-Sieg getragen, wo die Realität eher so aussieht das die den Titel nicht wegen, sondern trotz Ronaldo geholt haben.
fd2fd 09.01.2017
4. Manche Spieler sind Marken
Ronaldo und Messi sind weltweit bekannte Marken. Das schafft vielleicht gerade noch ein Ibrahimovic. Alle anderen sind in Europa oder ihren Ländern berühmt und begehrt und schaffen es bei Weltmeisterschaften auf die Weltbühne. Aber diese Lichter funkeln eben nur kurz. Der Fussball in Afrika, Asien und Südamerika hat seine eigenen Idole. Gerade in Deutschland tun wir uns sehr schwer eigene "Superstars" zu akzeptieren. Dafür suchen wir uns in allen Bereichen gerne ausländische Vertreter, selbst wenn diese hier eher mäßigen Erfolg verbuchen. Auch deshalb wird es Ronaldo und Messi niemals in die Bundesliga ziehen. Hierzulande verscherzen es sich Idole sehr schnell, wenn sie einen extravaganten Lebensstil an den Tag legen. Deutschland möchte "stille, ehrliche" Stars, die zwar sehr viel verdienen, aber im Endeffekt wie jeder andere leben. Erinnern wir uns an Jens Lehmann, der mit dem Hubschrauber zum Training geflogen wurde. Was hier für Kopfschütteln und Unverständnis sorgte, ist in anderen Ländern Tagesgeschäft. Auch Heidi Klum, die sich mittlerweile zu einer weltweiten Marke etabliert hat, stößt hierzulande mehr und mehr auf Ablehnung aufgrund ihres Status als allzeitpräsenter Superstar, der auch ungefragt seinen Senf zu allem dazugibt. Umgekehrt haben es ausländische Stars sehr einfach in Deutschland zum Superstar zu werden, selbst wenn hierzulande der Erfolg eher mäßig ist. Boris Becker wird auch stets belächelt, obwohl er mit Djokovic große Erfolge verbucht hat.
Attila2009 09.01.2017
5.
Zitat von hbblum.... der Sonderpreis für den Spieler, der in 2016 die meisten Steuern hinterzogen hat.
Er hat mal einen kleinen Fehler gemacht.Ist doch nicht weiter schlimm. Präsident von Real Madrid kann er ja immer noch werden.
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