Interimschef Domenico Scala Dieser Mann soll jetzt die Fifa führen

Er war einer von Sepp Blatters Vertrauten, nun soll Domenico Scala Interimschef der Fifa werden. Seine bisherige Aufgabe im Verband: ausgerechnet Korruptionsbekämpfung.

Domenico Scala: Führt nun die Geschäfte
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Domenico Scala: Führt nun die Geschäfte


Nachdem Joseph Blatter seinen Rücktritt angekündigt hatte, verließ der 79-Jährige umgehend den Raum. Dann ergriff der Mann das Wort, der ab sofort bei der Fifa die Geschäfte führt, auch wenn Blatter noch im Amt bleibt: Domenico Scala.

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Heft 23/2015
Das System Blatter

Der Italiener, 1965 in Basel geboren, besitze dafür "das Vertrauen eines breiten Spektrums von Parteien in und außerhalb der Fifa", sagte Blatter in seiner Rede. Scala habe das Wissen und die Erfahrung, "um zu helfen, die notwendigen Reformen anzupacken".

Wenn Blatters Nachfolger beim nächsten Fifa-Kongress bestimmt wird - vielleicht schon in vier Monaten, vielleicht erst im kommenden März -, soll Scala zudem die Wahl leiten.

Scala selbst sagte zu seiner Berufung: "Unter den gegenwärtigen Umständen ist das der verantwortlichste Weg, einen geordneten Übergang zu gewährleisten."

Er ist seit 2012 Chef der Fifa-Compliance-Kommission und soll auf sauberes Geschäftsgebaren des Verbandes achten. Die Kommission sorgt für die Vollständigkeit und Verlässlichkeit der Bücher und überprüft im Auftrag des Fifa-Exekutivkomitees - der Regierung des Verbandes - die Berichte der externen Buchprüfer.

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Blatters Fifa-Karriere: Entwicklungshelfer, Generalsekretär, Big Boss
Vor seiner Karriere beim Weltverband arbeitete Scala als Top-Manager in der Wirtschaft, beim schwedisch-schweizerischen Dentalunternehmen Nobel Biocare, das sich auf Zahnimplantate spezialisiert hat. Zuvor war er bereits bei Nestlé, Roche und der Agrargruppe Syngenta tätig. Er sitzt zudem im Beirat der Tufts University in Boston, der zweitgrößten zahnmedizinischen Fakultät in Nordamerika.

2012 ging er zur Fifa, aus Prestigegründen, wie die "Neue Zürcher Zeitung" damals schrieb. Dort ist er zuständig für die Finanzen, präsentierte beim Kongress vergangene Woche stolz die Umsätze des Weltfußballverbandes. Vor allem aber soll Scala die Korruption bei der Fifa bekämpfen. So zumindest betonte es der Verband immer wieder.

Für das große Beben sorgten am vergangenen Mittwoch die US-Behörden, doch Scala hat innerhalb der Fifa zumindest einige Kontrollen angeschoben. So soll er laut einem Bericht der "NZZ" durch unabhängige Revisoren jedes Jahr ein Fünftel der Mitgliederverbände durchleutet haben. Damit wurde die Anzahl der Fifa-Prüfer verdoppelt, durch die renommierte Wirtschaftsgesellschaft KPMG.

Scala kündigt weitreichende Maßnahmen an

Dass es sich bei der Fifa um ein korruptes System handle, bestreitet Scala allerdings. Er verwies zuletzt wie schon Blatter auf die Taten von Einzelpersonen: "Sie werden in der Fifa niemanden finden, der Fehlverhalten toleriert."

Dass nun Scala berufen wird, ist zum einem dem Umstand geschuldet, dass von den acht Vizepräsidenten mindestens drei unter Korruptionsverdacht stehen - ebenso wie Generalsekretär Jérôme Valcke. Doch es soll auch ein Zeichen sein, der Chefaufpasser wird zum Übergangschef. Scala kündigte am Dienstagabend Schritte an, "die weit über die Maßnahmen hinausgehen, die bisher umgesetzt wurden".

Anfangs versuchte Scala, seine Managermethoden auf die Fifa zu übertragen - und scheiterte. Im Unternehmen habe er einfach nur entschieden und dann geschaut, wie er es umsetzen könne, sagte er der "NZZ". Nun müsse er die Fifa-Mitglieder erst zu Veränderungen bewegen.

zaf/luk/dpa

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könig dickbauch 02.06.2015
1. Ein Zitat reicht.
"Vor seiner Karriere beim Weltverband arbeitete Scala als Top-Manager in der Wirtschaft, beim schwedisch-schweizerischen Dentalunternehmen Nobel Biocare, das sich auf Zahnimplantate spezialisiert hat. Zuvor war er bereits bei Nestlé, Roche und der Agrargruppe Syngenta tätig. Er sitzt zudem im Beirat der Tufts University in Boston, der zweitgrößten zahnmedizinischen Fakultät in Nordamerika." Das wird der neue Fifa-Chef. Kommentiert sich selbst.
raber 03.06.2015
2. Fifa noch Monate unter Blatter-Regie
Die Blatter-Legionäre weiterhin an der Macht. Domenico Scala hat in der Korruptionsbekämpfung offensichtlich versagt. Leider können wir nun nur den US-Behörden im Zusammenhang mit der Aufklärung vertrauen.
13wahlstratege 03.06.2015
3. Morgens zwischen sechs und sieben ...
... da scheint die Welt noch in Ordnung. Ob es der FIFA auf diese Art und Weise gelingt und saubere Ordnung schaffen kann, darf bezweifelt werden. In Deutschland weiß so ziemlich jeder, wie das ausgehen kann. Ein anschauliches Beispiel bleibt immer wieder die Auflösung der Stasi. IM Sumpf irgendwo untergegangen? Mitnichten, so viele Öffentlichkeitsarbeiter konnten nun wirklich nicht auf einen Streich entsorgt werden. Ein gut gemeinter Rat an die FIFA. Der Fußball hat selbst genügend Alt-Kicker, welche Integrationsfiguren im Fußball waren und daher einen Riesenrespekt genießen. Muß es denn immer ein "gelernter" Funktionär sein, der einen Verband führen kann? Ich sage einfach mal NEIN. Ein Beispiel aus der Wirtschaft im Umgang mit öffentlichen Ausschreibungen. Nur wer schon einmal an einer öffentlichen Ausschreibung zum Zuge kam, kann sich anmaßen die geforderten Arbeiten zur "vollsten Zufriedenheit" des Auftraggebers sicher sein. Nachdenken.
Nicecharly 03.06.2015
4. Es geht immer weiter ...
Ein italienischer Spezialist für Korruption soll die FIFA führen ... Comedy pur.
13wahlstratege 16.06.2015
5. Da werden die Türen zu Drehtüren, weismann vielleicht ...
Zitat von NicecharlyEin italienischer Spezialist für Korruption soll die FIFA führen ... Comedy pur.
oder auch nicht? Ich schlage vor, Berlusconi, dem verständnisfreien Banker für die EZB, Draghi für die FIFA und Domenica Scala als Chef der Vergebung. Natürlich meinte ich damit ausschließlich die Fernsehrechte; denn wer vergibt schon etwas aus diesen Kreisen. Nur Achterbahnfahren bleibt schöner, wer unten heil ankommt, darf sich nochmals entscheiden, ob weiter so oder aussteigen. Irgendwann hat es keinen Saft mehr.
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