Wegen Arbeitsbedingungen in Katar Gewerkschaft will Fifa verklagen

Der Fifa droht neuer Ärger: Der Weltverband soll für menschenunwürdige Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die WM in Katar mitverantwortlich sein. Eine niederländische Gewerkschaft will deshalb klagen.

"Stoppt Sklaverei in Katar" - ein Protest der Avaaz aus dem Jahr 2015
AP

"Stoppt Sklaverei in Katar" - ein Protest der Avaaz aus dem Jahr 2015


Der niederländische Gewerkschaftsbund FNV will den Fußball-Weltverband Fifa wegen der schlechten Arbeitsbedingungen beim Bau der WM-Stadien in Katar möglicherweise vor Gericht bringen. Im Namen eines Gastarbeiters aus Bangladesch schickte die Gewerkschaft der Fifa die Androhung einer Klage zu. Der Verband habe drei Wochen Zeit zu reagieren, andernfalls werde beim Amtsgericht in Zürich die Klage eingereicht, teilte die FNV in Utrecht mit.

Die Gastarbeiter müssten oft für wenig Geld oder unbezahlt "Sklavenarbeit" leisten, sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft, Ruud Baars. "Tausende sehr armer Arbeiter etwa aus Bangladesch, Indien und Nepal arbeiten sich im wahrsten Sinne des Wortes fast zu Tode, um das Fußballfest zustande zu bringen." Der von der FNV vertretene Nadim Shariful Alam soll 10.000 Euro als Entschädigung bekommen.

Die Fifa sei als Organisator der WM, die im November und Dezember 2022 im Wüstenstaat stattfinden soll, für die Zustände mitverantwortlich, hieß es weiter. Trotz der Zusage des Weltverbands, sich für Menschenrechte in Katar einzusetzen, habe sich an den Bedingungen für die Arbeiter kaum etwas geändert.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte der Fifa bereits Ende März vorgeworfen, beim Aufbau der Infrastruktur für das Weltturnier Tausende Arbeitsmigranten auszubeuten. In einigen Fällen lasse sich von "Zwangsarbeit" sprechen. Amnesty forderte den Weltfußballverband auf, sofort etwas gegen die Ausbeutung der Arbeitsmigranten zu unternehmen.

jan/dpa/afp

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insgesamt 13 Beiträge
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abu-l-banat 10.10.2016
1. PR desaster
Wenn man den Qataris eines vorwerfen kann, dann ist es die schlechte Öffentlichkeitsarbeit. In europäischen Zeitungen wird alles mögliche behauptet, das wenig mit der Wahrheit zu tun hat, aber immer wieder gebetsmühlenhaft wiederholt wird: Todesfälle und Sklavenarbeit auf den WM-Baustellen. Was für ein Blödsinn! Erstens gibt es praktisch noch gar keine WM-Baustellen, denn mit Ausnahme der Arbeiten an dem zu renovierenden Stadion der Asien-Spiele 2006 gibt es gerade mal Grundsteinlegungen für die neuen WM-Stadien. Und zweitens gibt es auch keine Sklaven, denn die Zigtausende Gastarbeiter aus Bangladesh, Pakistan, Indien und den Philippinen kommen hierher, um gutes Geld zu verdienen und damit ihre Familien zu Hause zu unterstützen. Die Arbeitsbedingungen entsprechen zwar nicht denen in Europa (und das darf man dann schon kritisieren), sind aber immer noch gut genug, um große Mengen an Arbeitssuchenden aus den ärmeren Ländern Asiens anzulocken. Und immerhin: Qatar gibt diesen Menschen Arbeit und Einkommen. Europa tut das nicht! Gruß von einem Deutschen in Qatar
hansriedl 10.10.2016
2. Der Tribut von Katar
Die Fußball-WM in Katar droht zum Skandal-Event zu werden: Gewerkschaften befürchten 4000 tote Wanderarbeiter bis 2022. Mittlerweile ermittelt sogar das FBI wegen der Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe des Turniers. http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/tausende-tote-auf-wm-baustellen-der-tribut-von-katar/9636274.html
t.denn 10.10.2016
3. Interessant.
Zitat von abu-l-banatWenn man den Qataris eines vorwerfen kann, dann ist es die schlechte Öffentlichkeitsarbeit. In europäischen Zeitungen wird alles mögliche behauptet, das wenig mit der Wahrheit zu tun hat, aber immer wieder gebetsmühlenhaft wiederholt wird: Todesfälle und Sklavenarbeit auf den WM-Baustellen. Was für ein Blödsinn! Erstens gibt es praktisch noch gar keine WM-Baustellen, denn mit Ausnahme der Arbeiten an dem zu renovierenden Stadion der Asien-Spiele 2006 gibt es gerade mal Grundsteinlegungen für die neuen WM-Stadien. Und zweitens gibt es auch keine Sklaven, denn die Zigtausende Gastarbeiter aus Bangladesh, Pakistan, Indien und den Philippinen kommen hierher, um gutes Geld zu verdienen und damit ihre Familien zu Hause zu unterstützen. Die Arbeitsbedingungen entsprechen zwar nicht denen in Europa (und das darf man dann schon kritisieren), sind aber immer noch gut genug, um große Mengen an Arbeitssuchenden aus den ärmeren Ländern Asiens anzulocken. Und immerhin: Qatar gibt diesen Menschen Arbeit und Einkommen. Europa tut das nicht! Gruß von einem Deutschen in Qatar
Vielleicht darf man dann eine andere Lektüre als die "bösen" europäischen Medien empfehlen. Amnesty, Human Rights Watch, der Internationale Gewerkschaftsbund etc. Sie haben die freie Auswahl. Oder wie wärs mit der indischen Botschaft, die jedes Jahr mehr als 200 Todesfälle zählt. Wenn nach Schätzungen im Jahr 2022 mehr als 4000 Menschen für diese Bauvorhaben gestorben sind, dann sind das doch nicht ernsthaft nur "Arbeitsbedingungen, die nicht denen in Europa entsprechen". Insbesondere dann nicht, wenn es um international prestigeträchtige Infrastrukturprojekte in dreistelliger Milliardenhöhe geht. Aber ganz ehrlich: Die seit Jahren laufenden Umbauarbeiten z.B. am Khalifa International Stadium, das Infantino erst im April besucht hat, gar nicht erst als WM-Baustellen anzuerkennen, ist so herrlich konstruiert, damit gelingt die Selbsttäuschung garantiert!
rudy09.rd 11.10.2016
4.
Man sollte die Herren von der FIFA einfach mal eine Woche auf einer dieser Baustellen arbeiten lassen.
StevieB 11.10.2016
5. Endlich!
. . . kann man da nur sagen und "Viel Erfolg" wünschen. Diese gesamten seltsamen Einrichtungen, die keine Steuern bezahlen, gehören aus dem Verkehrgezogen.
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