Final-Kommentator Béla Réthy Respektlos

Pogba hat "Quatsch im Kopf", Mbappé "Neymars Schauspielschule" besucht: Nach dem WM-Finale vergriff sich Kommentator Béla Réthy im Ton - und zwar deutlich.

Béla Réthy
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Béla Réthy

Ein Kommentar von Philipp Awounou


Wolff Fuß? "Zu emotional!"

Tom Bayer? "Nervige Stimme."

Fritz von Thurn und Taxis? "Phrasenbingo!"

Die Bewertung von Fußballkommentatoren ist in der Regel eine sehr subjektive Angelegenheit, jeder Fan folgt seinem Geschmack. Manchmal sagen die Wortakrobaten am Mikrofon aber auch Dinge, die schlicht geschmacklos sind: weil sie jeden Respekt für die Sportler auf dem Rasen vermissen lassen.

Das WM-Finale war ein Spiel, bei dessen Kommentierung ZDF-Urgestein Béla Réthy genau das passiert ist.

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WM-Finale 2018: Fantastique, la France!

Nein, hier geht es nicht um Réthys Beurteilung strittiger Schiedsrichterentscheidungen. Bei Szenen mit Interpretationsbedarf spricht nichts dagegen, sich als Kommentator festzulegen - zumal Réthy betonte, dass er seine persönliche Warte wiedergab.

Es geht auch nicht darum, dass er einmal mehr Probleme bei der Unterscheidung gewisser Spieler zeigte - wobei diese (bekannte) Schwäche im WM-Finale doch erstaunliche Ausmaße annahm. Zu Beginn der Partie verwechselte der Kommentator erst N'Golo Kante, schwarz, 1,68 Meter groß, mit Paul Pogba, schwarz, 1,91 Meter groß. Dann verbesserte er sich - und verwechselte Kanté bei seiner "Korrektur" mit Blaise Matuidi: schwarz, 1,81 Meter groß.

Geschenkt, auch darum geht es hier nicht. Wirklich empörend wurde Réthys Kommentar erst nach dem Schlusspfiff.

Pogba hat "Quatsch im Kopf"

Als die Kameras Pogba einfingen, wie er mit Teamkollegen scherzte, sprach Réthy folgende Worte: "Didier Deschamps hat es geschafft, selbst einen wie Pogba, der immer nur Quatsch im Kopf hat, zu integrieren. Er hat ihm ein bisschen seine Ego-Allüren ausgetrieben."

Im Anschluss riet Réthy Deschamps, seine exorzistischen Fähigkeiten auch bei einem von Pogbas Teamkollegen anzuwenden: "Das wäre auch ganz gut bei (Kylian) Mbappé. In diesem Spiel (gemeint war das Finale) war es ganz gut, sonst hat er sich aber ein bisschen bei der Schauspielschule von Neymar beworben. Aber das kriegt man ihm auch noch ausgetrieben."

Wenig später, als Pogba erneut im Bild erschien, setzte Réthy zur finalen Verbalschelte an, verpackt in vermeintlich lobende Worte. Der 25-Jährige sei "ein bisschen erwachsener geworden", benehme sich "mannschaftsdienlicher" und "weniger selbstverliebt, weniger an sich denkend".

Mbappé spendet WM-Prämien

Zur Erinnerung: Gerade war das WM-Finale zu Ende gegangen. Nach einem tollen Spiel hätte es reichlich Optionen zur anderweitiger Unterhaltung gegeben. Réthy aber entschied sich in den genannten Sequenzen für die Charakteranalyse - und schoss dabei deutlich über das Ziel hinaus.

Natürlich sind Pogba und Mbappé streitbare Spieler und Menschen. Pogba genießt das Rampenlicht, vor allem in den sozialen Medien, er gibt sich sehr selbstbewusst und leistete sich in der Vergangenheit Verfehlungen. Und Mbappé, der die Fußballwelt aktuell im Sturm erobert, scheint in einzelnen Momenten die Bodenhaftung zu verlieren - wörtlich wie auch im übertragenen Sinne.

Aber: Selbst zu seinen "schlimmsten Zeiten" galt Pogba nie als Querulant, den es mühsam ins Mannschaftsgefüge zu integrieren galt. Der 25-Jährige spricht drei Sprachen fließend, gilt als beliebter Teamkollege, vor einem Jahr gründete er eine eigene Wohltätigkeitsstiftung. Da wünscht man sich glatt, mehr Menschen hätten so viel "Quatsch im Kopf" wie der Franzose.

Mbappé wiederum spielte bei der WM zwar abgezockt wie ein alter (und sehr schneller) Hase, ist aber gerade 19 Jahre alt. Im Vorfeld des Turniers kündigte er an, seine gesamten Turnier-Prämien für gute Zwecke zu spenden.

Zusammen sind Pogba und Mbappé Weltmeister geworden in einem französischen Team, das zu Recht für seine mannschaftliche Geschlossenheit und taktische Disziplin gerühmt wird. Beide Spieler waren Leistungsträger auf dem Weg zum Titel, erzielten Tore im Finale. Doch ausgerechnet im größten Moment ihrer Karriere spricht Réthy über Pogba und Mbappé, als wären sie schwer erziehbare Kinder.

Das ist nicht nur deplatziert. Das ist respektlos.



insgesamt 463 Beiträge
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Seite 1
natakajw 16.07.2018
1. Nichts anderes zu erwarten
von dem größten Dummschwätzer der Nation. Auf GEZ Gelder geht sowas. Voll peinlich.
hirlix 16.07.2018
2. Ich war nie ein großer Fan von Pogba oder Mbappe, aber
hier muss ich dem Autor Recht geben. Die Kritik war nach dieser WM total fehl am Platz. Pogba und Mbappe haben sich mannschaftsdienlicher, motivierter und professioneller gezeigt als die ganze deutsche Mannschaft zusammen. Mal so ein wenig Zeitspiel von Mbappe mit den Faxen von Neymar zu vergleichen geht auch deutlich zu weit und Pogba ist mir bei dieser WM nur mit einer blöden Aussage nach dem Spiel gegen Dänemark negativ aufgefallen. Das kann immer mal passieren.
kaminister 16.07.2018
3. Mann mann mann
... da hat aber einer Probleme. Der Réthy ist nicht ohne Grund wiederholt WM-Finalkommentator. Solche Sprüche sind witzig und wie so oft: in jedem Witz steckt auch ein Fünkchen Wahrheit. Fühlt sich da der Autor etwa unangenehm berührt? Breitet sich das unsägliche Safespace-Phänomen jetzt auch bei den Journalisten aus? Darf Herr Awounou jetzt bei jeder Empfindsamkeit durch Meinung anderer, diesen anderen beliebige Unterstellungen reindrücken?
go-west 16.07.2018
4. Der Mann
dürfte wohl ein wenig rassistisch angehaucht sein. Auch jemand, der es nicht verknusen kann, dass schwarze Spieler die WM entschieden haben und die „disziplinierten“ und mittelmäßig begabten deutschen Spieler nicht viel auf die Reihe bekommen haben.
braamsery 16.07.2018
5. Also ich finde ja,
dass es auch absolut inakzeptabel für einen Kommentator ist die Namen der Spieler zu vertauschen. Wenn das die Aufgabe wäre, komme sogar ich mit meiner Schwäche mir Namen zu denken mit so einem Mist durch. Das erinnert mich sehr stark an die Neumann, die aus Osako einen Mainzer machte der gegen den Abstieg 7 Tore geschossen hat. Dann aus Osako auf einmal Osaka wurde. Tut mir ja fast leid, aber das ist absolut peinlich und wie ich finde auch irgendwie respektlos wenn ich mir vor einem Spiel um die 40 Spieler merken muss und das nicht hinkriege.
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