Finanzvergleich im Fußball: Bundesliga ist Rendite-Europameister

Von Florian Oediger

Der europäische Fußballmarkt wächst weiter. Doch neben den Umsätzen sind auch die Gehaltskosten gestiegen. Einige Ligen verzeichnen auch deshalb massive Verluste. Ausnahme: die Bundesliga. Das Magazin "SPONSORS" wirft einen Blick in die Finanzbücher.

Bayern-Profi Ribéry (Mitte): Bundesliga wirtschaftlich gesund Zur Großansicht
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Bayern-Profi Ribéry (Mitte): Bundesliga wirtschaftlich gesund

Sportlich hat die Fußball-Bundesliga in Europa zuletzt einiges an Boden gut gemacht. In der Uefa-Fünfjahreswertung liegt sie bereits auf Rang drei. Wirtschaftlich ist sie - in einer wichtigen Rubrik - schon jetzt an der Spitze: Und zwar als Rendite-Europameister.

Laut der aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte "Annual Review of Football Finance" erwirtschafteten die 18 Clubs der deutsche Eliteliga in der Saison 2009/2010 bei einem Umsatz von 1,664 Milliarden Euro Gewinne von 138 Millionen Euro. Dies entspricht einer Umsatzrendite von 8,3 Prozent - der derzeitige Spitzenwert in Europa. Ein kleiner Wermutstropfen: Der Wert lag in der Saison davor noch bei 10,9 Prozent. Damals wurden bei 1,575 Milliarden Euro Umsatz 172 Millionen Euro Gewinn erzielt.

Die englische Premier League, die für 2009/2010 ein Plus von 101 Millionen Euro ausweist (im Jahr davor 93 Millionen Euro), bleibt neben der Bundesliga die einzige der fünf größten Ligen, die überhaupt einen operativen Gewinn erzielt. Während die Verluste der französischen Ligue 1 von 64 auf 102 Millionen Euro anstiegen, konnte die italienische Serie A ihr negatives Ergebnis von 116 leicht auf 110 Millionen Euro reduzieren.

Top-Ligen mit 8,4 Millarden Umsatz

Im Geschäftsjahr 2009/2010 hat der gesamte europäische Fußballmarkt einen Umsatz von 16,3 Milliarden Euro verbucht. Dies entspricht im Vergleich zur Saison davor einem Wachstum von ungefähr 600 Millionen Euro (plus vier Prozent). Die Haupttreiber des Anstieges sind dabei nach wie vor die fünf größten europäischen Profiligen, die ihre Umsätze leicht überproportional um fünf Prozent steigern konnten.

Mit 8,4 Milliarden Euro generierten die Top-Ligen aus Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien 51 Prozent und damit mehr als die Hälfte der europäischen Gesamtumsätze. Die TV-Erlöse leisteten dabei den größten Beitrag und stiegen auf mehr als vier Milliarden Euro (plus acht Prozent). Angeführt wird das Ranking weiterhin von der Premier League. Die höchste englische Spielklasse steigerte ihren Umsatz gegenüber 2008/2009 um 153 Millionen auf nun rund 2,479 Milliarden Euro und bleibt mit deutlichem Abstand Umsatz-Krösus.

Premier League erlöst deutlich mehr als die Bundesliga

Mit einem Umsatzwachstum von sieben Prozent wurde der Vorsprung auf die zweitplatzierte Bundesliga (1,664 Milliarden Euro) dabei nochmals ausgebaut. Bei den Fernseheinnahmen klafft eine besonders große Lücke zwischen den beiden Bestplatzierten: Mit 1,27 Milliarden Euro kann die Premier League rund zweieinhalb mal so viel wie die Bundesliga (506 Millionen Euro) erlösen. Dank hoher Ticketpreise liegen auch die Spieltageinnahmen deutlich höher als beim Rest Europas.

Die Deutsche Fußball Liga hatte im Februar dieses Jahres offiziell einen Umsatz von 1,77 Milliarden Euro bekanntgegeben. Die Deloitte-Zahlen weichen deswegen davon ab, weil die Umsatzzahlen in der Studie zur besseren Vergleichbarkeit der Umsätze aus dem operativen Geschäft ohne entstandene Transfererlöse veröffentlicht werden. Die spanische Primera División rangiert mit 1,622 Milliarden Euro auf dem dritten Platz und liegt mit einem Abstand von gerade einmal 42 Millionen dicht hinter der Bundesliga. Sie erhöhte ihre Umsätze gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent. Dies entspricht dem höchsten absoluten und relativen Wachstum aller großen Ligen. Ein Großteil des Wachstums wurde dabei von Real Madrid und dem FC Barcelona erzielt, deren kumulierte Erlöse in der Spielzeit 2009/2010 um 69 Millionen Euro stiegen.

Schlusslicht der europäischen Top-5-Ligen bleibt Frankreich

Die drei erstplatzierten europäischen Ligen setzen sich inzwischen deutlicher von der italienischen Serie A ab, die im Geschäftsjahr 2009/2010 nur unterdurchschnittlich um drei Prozent wuchs. "Schlusslicht" der europäischen Top-5-Ligen bleibt die französische Ligue 1 mit einem generierten Umsatz von 1,072 Milliarden Euro. Den Franzosen trauen die Studienautoren allerdings zu, dass sie bei den Vorbereitungen auf die Europameisterschaft 2016 ihre Stadionsituation optimieren und so die Zuschauerzahlen steigern können, was künftig höhere Spieltagerlöse einbringen würde.

In Italien, das mit seiner Bewerbung zur WM 2016 gescheitert war, besteht weiter ein hoher Investitionsbedarf in die Stadioninfrastruktur. Außerhalb der großen Ligen generieren die Niederlande (420 Millionen Euro), die Türkei (378 Millionen Euro) und Russland (368 Millionen Euro) die höchsten Umsätze. Die Spieler selbst profitieren von dem Umsatzplus in den europäischen Ligen. Viele Jahre überwog schließlich die Verlockung, in Spieler zu investieren, gegenüber der Notwendigkeit, ein ausgeglichenes Budget zu erzielen: "Fast proportional zu den Umsätzen stiegen auch die Gehaltskosten der 'Big Five' auf 5,5 Milliarden Euro", sagt Stefan Ludwig, Director der Sport Business Gruppe bei Deloitte.

Gegenüber der Vorsaison legten die Lohnkosten um mehr als 400 Millionen Euro zu, was einem Plus von acht Prozent entspricht. Einsamer Spitzenreiter ist hier die Premier League, die 2009/2010 in Summe 1,697 Milliarden Euro an Gehältern bezahlte - 68 Prozent ihrer Gesamterlöse. In Italien stiegen die Gehälter mit 1,181 Milliarden Euro sogar überproportional. Die Serie A investierte 77 Prozent ihrer Einahmen in das Personalbudget. Spanien (971 Millionen Euro) - nimmt man die beiden Top-Clubs aus Madrid und Barcelona einmal aus - konnte sein
Gehalts-/Umsatzverhältnis auf das Zehnjahrestief von 60 Prozent reduzieren.

In Deutschland fielen 891 Millionen Euro Personalkosten an, damit floss über die Hälfte der Erlöse (54 Prozent) an die Spieler und andere Clubmitarbeiter. Gewinnmaximierung scheint im gesamten Profifußball weiter ein untergeordnetes Ziel zu sein, viel wichtiger ist die sportliche Nutzenmaximierung.

Dass diese beiden Kriterien sehr oft gegenläufig sind, ist kein Geheimnis. "Die Profitabilität der europäischen Ligen sollte sich aufgrund des Financial Fair Play der Uefa in den nächsten Jahren aber positiv entwickeln", prognostiziert Ludwig. "Allem voran werden die Kostenstruktur der Vereine im Fokus stehen und damit das Verhältnis der Gehaltskosten zum Umsatz.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. .
cokommentator 20.07.2011
Warum nur fehlen ausgerechnet die Zahlen aus Spanien? Kennt niemand die wirklichen Verluste dieser gigantomanisch veranlagten Liga? Oder will man sie nur nicht weitergeben, da die Zahlen eh gefälscht sind?
2. So weit ich weiß
Foul Breitner 20.07.2011
Zitat von cokommentatorWarum nur fehlen ausgerechnet die Zahlen aus Spanien? Kennt niemand die wirklichen Verluste dieser gigantomanisch veranlagten Liga? Oder will man sie nur nicht weitergeben, da die Zahlen eh gefälscht sind?
Die Clubs, die in ESP Gewinn fahren sind Real und Barca, alle anderen machen -. Soweit ich weiß sind in den letzten 2 Jahren 17 Clubs der Primera Division und Liga adlante Pleite gegangen. ( muß aber überprüft werden ) @ SPON: Könnte die Studie verlinkt werden ?
3. :{[
gewgaw 20.07.2011
Wenn die Bundesliga Gewinne verzeichnet, dann sollte sie auch solidarisch sein und diese an Griechenland, Italien, Spanien weiterreichen, um einer gesellschaftlichen Krise zuvorzukommen.
4. v.a.
smilesuomi 20.07.2011
Zitat von cokommentatorWarum nur fehlen ausgerechnet die Zahlen aus Spanien? Kennt niemand die wirklichen Verluste dieser gigantomanisch veranlagten Liga? Oder will man sie nur nicht weitergeben, da die Zahlen eh gefälscht sind?
wird da von Umsätzen gesprochen. Nur weil man Geld umsetzt, sagt das noch lange nichts über die finanzielle Lage einer Liga... Laut wikipedia (Zitat): Eine unabhängige Buchprüfung, angeordnet vom neuen Präsident Sandro Rosell, ermittelte für die Saison 2009/10 Einnahmen von 408,9 Millionen € und Ausgaben von 477,9 Millionen € sowie einen Bruttoverlust von 83,0 Millionen €. Ex-Präsident Joan Laporta hatte einen Nettogewinn von 11 Millionen € angegeben.[77] Dies waren nach sieben Jahren die ersten Verluste für den FC Barcelona.[78] Als Reaktion auf den hohen Schuldenstand verkleinerte Barça seinen Kader und nahm einen Kredit in Höhe von 155 Millionen € auf.[79][80] Mithilfe dieser Maßnahmen senkte der Verein bis Juni 2011 seinen Nettoschuldenstand von 431 Millionen € auf 364 Millionen €. Der Bruttoverlust in der Saison 2010/11 belief sich auf 21 Millionen €, dies waren 62 Millionen € weniger als noch im Vorjahr. Durch die sportlichen Erfolge erzielte der Verein zusätzliche 23 Millionen € Umsatz, davon wurden 4 Millionen € direkt wieder als Prämie an die Mannschaft ausgezahlt.[81] Die Umsätze sind durch Einnahmen und Ausgaben enorm, aber eben doch dickes Minus bei den laufenden EInnahmen
5. ...
Greg84 20.07.2011
Zitat von Foul BreitnerDie Clubs, die in ESP Gewinn fahren sind Real und Barca, alle anderen machen -. Soweit ich weiß sind in den letzten 2 Jahren 17 Clubs der Primera Division und Liga adlante Pleite gegangen. ( muß aber überprüft werden ) @ SPON: Könnte die Studie verlinkt werden ?
Wo macht Barcelona Gewinn? Vor wenigen Wochen erst hat der FC Barcelona seine überraschend schlechten Zahlen bekannt gegeben: 21 Mio Verlust bei ca. 400 Mio an Verbindlichkeiten. Von Real hab ich in letzter Zeit nichts gehört was Zahlen angeht. Erstaunlich find ich allerdings, dass Barcelona und Real allein fast die Hälfte der Gehälter in Spanien zahlen. Der riesige Unterschied bei Fernseheinnahmen zwischen Deutschland auf der einen und Spanien und England auf der anderen Seite ist auch nichts neues. Erstaunlich, dass in Deutschland trotzdem so viel umgesetzt wird.
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