Finnischer Fußball Nationalspieler verweigert Trainingslager in Katar - aus ethischen Gründen

Eigentlich hatte Riku Riski mit Finnlands Nationalteam nach Katar reisen sollen. Doch der Stürmer sagte ab: Er habe das nicht mit seinen Werten vereinbaren können. Welche Konsequenzen das für ihn hat, ist unklar.

Riku Riski
imago/All Over Press Finland

Riku Riski


Alljährlich reist der FC Bayern München ins Trainingslager nach Katar, und regelmäßig wird der Rekordmeister dafür kritisiert. Dass ein Fußballer des Klubs den Trip ins Emirat verweigern könnte, ist kaum vorstellbar. Der Finne Riku Riski hat das nun getan.

Riski, 29, Stürmer des finnischen Meisters HJK aus Helsinki, hat seine Teilnahme am Trainingslager der Nationalmannschaft abgesagt - aus ethischen Gründen. In Katar zu trainieren lasse sich nicht mit seinen Werten vereinbaren, zitiert ihn die Zeitung "Helsingin Sanomat". Nach diesen Werten wolle er handeln. "Ich denke, das ist wichtig", sagte Riski demnach: "Ich habe meine Entscheidung getroffen und werde dazu stehen." Der finnische Fußballverband Suomen Palloliitto bestätigte die Absage samt Begründung.

Katar, Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, steht seit Jahren wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Es geht vor allem um Arbeitsbedingungen für Migranten. So berichtete Amnesty International über Menschen aus Bangladesch, Nepal oder Indien, die in Katar unter unwürdigen Umständen arbeiten. Lohnzahlungen blieben aus, Pässe wurden einbehalten. Hitze und Unfälle sollen rund um den Bau der WM-Stadien zum Tod Hunderter Arbeitsmigranten geführt haben. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, Amnesty International berichtete, dass viele Todesopfer nicht offiziell erfasst worden seien.

Menschenrechtsverletzungen? Kein Kommentar

Finnlands Nationaltrainer Markku Kanerva teilte mit, er respektiere Riskis Entscheidung. Die Teilnahme am Trainingslager sei freiwillig, er zwinge niemanden mitzureisen. Riski bleibe zwar weiterhin ein Kandidat fürs Nationalteam. Kanerva betonte aber die Bedeutung des Übungscamps, die er auch Riski verdeutlicht habe.

Zu Riskis Bedenken und den Menschenrechtsverletzungen in Katar wollte der Trainer keine Stellung beziehen. Seine Aufgabe sei es, Finnland auf die EM-Qualifikation vorzubereiten. Und die Trainingsbedingungen in Katar seien hervorragend. Ein Argument, das der FC Bayern ebenfalls gerne anbringt, wenn es um seine Trainingslager in Doha geht.

Riski bestritt insgesamt 26 Länderspiele für die A-Nationalmannschaft. Sein jüngster Einsatz liegt gut eineinhalb Jahre zurück. Das aktuelle Trainingslager sollte eine Chance speziell für Spieler wie Riski sein, die in der finnischen oder skandinavischen Liga spielen, um sich für die Nationalelf zu empfehlen. Finnland startet im März in die EM-Qualifikation.

mon/sid

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
tomaraya 08.01.2019
1. tja
...wird wohl leider die absolute Ausnahme bleiben, dass ein Fussballer mal Rückrat zeigt...
belohoubek 08.01.2019
2. Haltung
Das nenne ich eine Haltung einzunehmen und wünsche mir einen solchen Schritt von Neuer, Müller und Co. Das jedoch wird niemals eintreten. Die Angst, sich damit von den Fleischtöpfen zu verabschieden schmeißt jede Moral über Bord. Bestes Beispiel Löw, der sich schon lange vom Leistungsprinzip verabschiedet hat und genau diesen Spielern einen Einsatz garantiert. Jasager und Opportunisten sind gefragt, was für jämmerliche Typen...
Partyzant 08.01.2019
3. Einfach nur
Respekt!!!
velence 08.01.2019
4. Chapeau, ich ziehe meinen Hut vor so viel Courage
Da sollte der FCB mal einen Blick drauf werfen. Charakter und Moral sind unter die Räder gekommen. Da ist es doch mal eine schöne Nachricht, wenn ein Profi-Spieler mal Rückrat zeigt und nicht ausschließlich an das eigene Einkommen denkt. Chapeau!!!
hadriani 08.01.2019
5. ein Spieler
mit konsequenter Haltung. Das nenne ich Vorbildfunktion.
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