Football Leaks Die Pressestimmen zu den Enthüllungen

Die SPIEGEL-Berichte über systematische Regelverstöße im Fußball und Abspaltungspläne der europäischen Topklubs haben in nationalen und internationalen Medien für zahlreiche Reaktionen gesorgt. Der Überblick.

Gianni Infantino
Getty Images/ Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL

Gianni Infantino


Am Wochenende hatte der SPIEGEL über die Ideen eines elitären Zirkels europäischer Fußballklubs berichtet, welche den Abschied aus ihren nationalen Ligen geprüft hatten, um eine europäische "Super League" zu schaffen. Auch die systematischen Verstöße gegen das Financial Fairplay durch Vereine wie Manchester City und Paris St.-Germain unter Duldung der Uefa wurden aufgedeckt.

In Zentrum der Vorwürfe steht dabei vor allem der ehemalige Uefa-Generalsekretär und heutige Fifa-Boss, Gianni Infantino, der diese Regelbrüche über Jahre billigte. Infolge der SPIEGEL-Berichte griffen nationale und internationale Medien die Enthüllungen auf. Hier eine Übersicht:

"Süddeutsche Zeitung": "Europas Topklubs leben ja schon jetzt in ihrer eigenen Welt. Der FC Bayern wurde sechsmal in Serie deutscher Meister, ähnliche Fortsetzungsgeschichten gibt es in Italien (Juventus), Frankreich (Paris) sowie Spanien (Barcelona und Real Madrid). In der Champions League spielen seit Jahren die mehr oder weniger gleichen acht Klubs das Viertelfinale aus. Da erscheint es folgerichtig, dass die Klubs sich zumindest damit befassen, die Strukturen an die Realität anzupassen."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Den Zusammenhang zwischen ihrer Präsenz im Land, der Landesauswahl und ihrer Größe haben die Bayern nie in Abrede gestellt. Ein Narr, wer diese Nabelschnur zerschnitte. Aber zwischen einer bindungslosen Superliga und einem ewigen Verhaften in den alten Strukturen gibt es Spielraum. Den werden Bayern und Dortmunder nutzen und alle anderen, die das Vermögen dazu haben."

"Bild am Sonntag": "Wie ist die Lage des Fußballs? Total zerrissen. Zwischen Toren und Träumen auf der sportlichen Seite, Lug und Trug auf der finsteren Seite."

"NZZ am Sonntag": "Auf den Plätzen zementieren sich die Machtverhältnisse, und die mutmaßlichen Regelbrüche der Klubspitzen bleiben folgenlos. Es gibt zwar keine Anzeichen, dass Uefa-Präsident Aleksander Ceferin die Ermittlungen torpedieren würde wie einst Infantino. Aber es wäre auch nicht bekannt, dass sich der Slowene aktiv darum bemühen würde, bestehende Regeln durchzusetzen."

"Bild": "Der Aufsichtsratsvorsitzende Uli Hoeneß hat mal sehr klug begründet, warum 'FC Bayern' auf dem Trikot immer über dem Spielernamen stehen wird: 'Der Verein ist größer als jeder Spieler.' Gleiches gilt für die Bundesliga: Sie ist größer als jeder Verein."

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"Berliner Morgenpost": "Nun scheinen die Pläne konkret zu werden. Damit ist der Beweis endgültig erbracht, dass das System krank ist. Nicht nur im Fußball. Ein Kulturgut droht an den Geldscheinen, die es zu generieren vermag, irgendwann zu ersticken. Bayern ist schon längst der Krösus der Liga. Um die Teilnahme an der Champions League zu verpassen, müssten sie mit einem Sechsjährigen im Tor spielen. Das Geld kommt also eh herein. Doch es soll mehr werden. Wie überall."

"The Guardian": "Die Lehre aus den 26 Jahren seit Gründung der Premier League ist, dass die großen Klubs nie glücklich sind. Sie werden trotz aller Zugeständnisse weiter nach dem Geld schauen. Nationale und kontinentale Verbände, Vereine, Ligen und der erweiterte Fußballkreis müssen standhaft bleiben, um das gemeinsame Ethos des Spiels und die Verteilung der Gelder aufrechtzuerhalten, welche immer das Fundament für die großartige Entwicklung gewesen sind."

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