Football Leaks Die Enthüllungen und Reaktionen im Überblick

Europas Spitzenklubs um den FC Bayern prüften eine "Super League", Gianni Infantino deckte systematische Financial-Fairplay-Verstöße. Was der SPIEGEL enthüllte - und wie die Beteiligten reagieren.

Gianni Infantino
Getty Images/ Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL

Gianni Infantino


Ein mühsamer 2:1-Sieg im DFB-Pokal unter der Woche gegen den Regionalligisten SV Rödinghausen, ein 1:1 am Wochenende gegen den SC Freiburg - es ist der glanzlose Fußballalltag, den man beim FC Bayern München offenbar zukünftig nicht mehr mitmachen möchte.

Wie der SPIEGEL am Wochenende berichtete, hat der FC Bayern gemeinsam mit anderen europäischen Top-Vereinen die Loslösung aus dem nationalen Fußballbetrieb und die Schaffung einer neuen "Super League" geprüft. Die Recherchen beruhen auf den Datensätzen der Plattform Football Leaks, die dem SPIEGEL zur Auswertung übergeben wurden, die er mit dem Recherchenetzwerk EIC teilte. Die Dokumente zeigen,

  • dass der FC Bayern München durch Anwälte prüfen ließ, ob und wie er die Bundesliga verlassen kann, um sich einer europäischen "Super League" anzuschließen,
  • dass der FC Bayern rechtlich ausloten ließ, ob er seine Spieler der Nationalmannschaft entziehen kann,
  • dass Karl-Heinz Rummenigges engster Vertrauter eine Reform mit dem Fußballverband Uefa mit ausgehandelt hat, die reiche Klubs noch reicher und den europäischen Wettbewerb noch unfairer gemacht hat,
  • dass die Bayern gleichzeitig Pläne geschmiedet haben, um genau diese Reform auszuhebeln,
  • dass der Top-Verein aus Bayern gemeinsam mit 15 weiteren europäischen Spitzenclubs auf dem Entwurf einer "bindenden Absichtserklärung" auftaucht, die die Gründung einer "European Super League" vorsieht,
  • dass diese Absichtserklärung laut Entwurf bereits im November 2018 unterzeichnet werden soll.

(Lesen Sie hier die ganze Geschichte auf SPIEGEL+: FC Bayern prüfte Ausstieg aus Bundesliga und Champions League), Borussia Dortmund kam in den Überlegungen auch vor. Beide Vereine haben mittlerweile zu den Berichten Stellung bezogen:

FC Bayern München: "Neuerliche Pläne für eine sogenannte Super League sind dem FC Bayern weder bekannt, noch hat der FC Bayern an Verhandlungen hierzu teilgenommen", teilte der Verein zunächst mit. "Der FC Bayern München steht zu seiner Mitgliedschaft in der Fußball-Bundesliga, und solange ich Vorstandsvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von Uefa und ECA gemeinsam organisierten Klub-Wettbewerben", wird Karl-Heinz Rummenigge zitiert. Rummenigges Vertrag endet im kommenden Jahr.

Am Samstag sagte Rummenigge dem TV-Sender Sky: "Ich bin über die Berichterstattung irritiert. Es ist seit Langem bekannt, dass mehrere europäische Klubs eine Anfrage zur Super League hatten. Fakt ist, dass kein europäischer Klub sich dem Thema Super League jemals genähert hat." Es sei normal, "dass man sich damit juristisch auseinandersetzt. Ich sehe daran überhaupt keinen Skandal. Wenn so eine Anfrage kommt, ist es meine Aufgabe, diese zu prüfen und am Ende intern darüber zu diskutieren. Nicht mehr und nicht weniger ist passiert. (...) Wir stehen total zu unserer Mitgliedschaft in der Bundesliga und analog auch zu den Uefa-Wettbewerben. Das haben wir nie infrage gestellt."

Borussia Dortmund: "Natürlich musst du als Borussia Dortmund, und das ist ja bei Bayern München das Gleiche, immer gucken, dass du am Puls der Zeit bleibst, das ist klar", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf die Frage, wie er zu einer Superliga stehe. "Auf der anderen Seite ist aber auch klar, und das habe ich auch deutlich gesagt: Dass Borussia Dortmund für irgendeinen Wettbewerb dieses Planeten die Bundesliga verlassen könnte, ist total und vollkommen ausgeschlossen. Die Bundesliga ist mittlerweile ein Stück deutsches Kulturgut, und das verlässt du als deutscher Verein nicht."

Auch zum Financial Fairplay und der zögerlichen Anwendung der Vorgaben durch die Uefa und ihren ehemaligen Generalsekretär und heutigen Fifa-Präsidenten, Gianni Infantino, finden sich in den Dokumenten brisante Informationen. Klubs wie Manchester City und Paris St.-Germain haben die Financial-Fair-Play-Regeln zwar massiv gebrochen, von Verbandsseite ließ man sie jedoch mit vergleichsweise milden Geldstrafen davonkommen.

Aus den Football-Leaks-Daten geht hervor,

  • wie ManCity und PSG jahrelang systematisch die Financial-Fair-Play-Regeln der Uefa gebrochen haben,
  • dass Infantino als Uefa-Generalsekretär vor der Übermacht aus Abu Dhabi und Katar einknickte und Manchester und Paris praktisch unbehelligt davonkommen ließ,
  • dass die Uefa nur eine Alibi-Strafe beschloss und die beiden Klubs nicht aus der Champions League warf, so wie sie es mit kleineren Vereinen getan hat,
  • dass er sich - eigentlich zu strenger Neutralität verpflichtet - zu Geheimgesprächen mit den Klubbossen aus Paris und Manchester traf,
  • dass er den Vereinen verbandsinterne Informationen übergab und den Weg für "Settlements" bahnte, wozu er nicht befugt war,
  • dass er damit die eigenen Uefa-Kontrolleure systematisch hinterhing.

Manchester City möchte nach eigenen Aussagen "keinen Kommentar zu zusammenhanglosen Dokumenten abgeben" und stuft die Veröffentlichungen als "Versuch, den Ruf des Klubs zu schädigen" ein. Paris St.-Germain gibt an, sich "stets an die Gesetze und Bestimmungen der Sportinstitutionen gehalten" zu haben, und bestreitet die Vorwürfe: "Seit der Einführung von Financial Fair Play (FFP) ist PSG einer der am meisten geprüften und untersuchten Klubs der Geschichte."

DER SPIEGEL

Warum die großen Fußballverbände Uefa und Fifa trotz der Versprechen von mehr Transparenz, Regulierung und Kontrolle versagten, lässt sich anhand der verantwortlichen Personen zeigen. Im Mittelpunkt steht dabei Infantino. Die Football-Leaks-Dokumente belegen, wie er

  • einen befreundeten Oberstaatsanwalt begünstigte, der ihm umgekehrt gefällig war,
  • sich in den neuen Ethikkodex einmischte und ihn dadurch entschärfte,
  • das Projekt "Trophy", ein 25-Milliarden-Dollar-Projekt, mit aller Macht vorantrieb, obwohl er als Präsident sich nicht ins Tagesgeschäft einmischen darf,
  • intern Druck ausübte, so dass Geld regelwidrig im Voraus an Verbände ausgezahlt wurde,
  • gefügige Untergebene protegiert und Kritiker schasst.
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Vom Weltverband heißt es, die Enthüllungen seien lediglich darauf ausgerichtet, "die neue Führung der Fifa und insbesondere den Präsidenten Gianni Infantino und die Generalsekretärin Fatma Samoura zu untergraben". Die Fifa vermutet eine Verschwörung ehemaliger Mitglieder des Weltverbands und sagt, sie sei nicht überrascht "dass einige derer, die entfernt oder ersetzt wurden oder unzufrieden sind, weiterhin falsche Gerüchte und Anspielungen über die neue Führung verbreiten".

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 05.11.2018
1. muss das sein?
jeden Tag nun 2-3 meldungen, die eigentlich immer das gleiche enthalten. Desweiteren ist es irrefuehrend zu sagen: Europas Spitzenklubs um den FC Bayern prüften eine "Super League" Es klingt als wenn der FCB der Hauptklub war, dem ist nicht so, das waren mehrer Top Klubs in Europa die das rechtliche ausgelotet haben. So ein vorgang ist voellig normal. In dem ganzen Artikel steht nichts neues......
tucson58 05.11.2018
2. Nur mal so gefragt !
Wo sind den die lesbaren nachprüfbaren Beweise das es so ist wie diese "Enthüllung" belegen soll ? Ich frage mich auch warum man vor allem dem FC Bayern nicht das glaubt was Rummenigge anlässlich dieser "Enthüllung" in Sky gesagt hat ? Ich finde es zum einen nicht schlimm wenn sich Verbände oder auch Vereine Gedanken um die Zukunft machen und auch neue Wege gehen möchten , denke auch beim Spiegel verfolgt man immer wieder neue Wege um weiterhin Geld verdienen zu können oder nicht ? Extrem schlimm fand ich die Schlagezeile des Spiegel mit dem Wort "Verrat !" Wo hat den der FC Bayern wen verraten ? Sind solche unsinnigen Beschuldigungen ohne jegliche Substanz notwendig oder besser gesagt, hat dies der Spiegel notwendig weil nur so die Auflage erhöht werden kann und somit mehr Geld verdient wird ? Tatsache ist doch das man sicher an die Möglichkeit einer solche Europaliga denkt , aber weder der FC Bayern noch der BVB deswegen die Buli jetzt verlassen möchten , wieso kann man das nicht einfach als glaubhafte Aussage so hinnehmen und muss immer weiter und weiter bohren , aber Beweise das es 2021 soweit kommen wird und Rummenigge in dem Fall heute nicht die Wahrheit sagt, hat weder der Spiegel oder sonst jemand Außerdem wäre die Uefa und die einzelnen Proficlubs auf dem Stand von 1950 geblieben und hätten nie an Änderungen oder Neuerungen gedacht, gäbe es heute weder eine CL oder EL und die Medien hätten kaum Auflagen oder könnten neue Sportzeitungen rausbringen, da Profifussball nur am Samstag stattfindet und sonst nicht !
helmutwegerif 05.11.2018
3. Universelle Bescheißerei
Man kann nur hoffen, dass dieser ganze perverse und korruptionsverseuchte sogenannte Profifußballladen ein für alle Mal hochgeht. Danach wäre in logischer Konsequenz die deutsche Automobilindustrie an der Reihe, vorneweg... Na Sie wissen schon. Ich hoffe, auch hier findet sich ein honoriges Konglomerat u.a. an investigativen Journalisten, die sich derer annehmen. Dieser Tage ist Ausmisten angesagt. Dann es stinkt schon bis an den Rand des Universums.
ssi 05.11.2018
4. Kommerz bis es keinen mehr intresiert
Auch der geneigteste Fan sollte mittlerweile begriffen haben das rein und ausschließlich ums Geld geht. Der Rest ist schöne Folklore hat aber nichts mit der Realität im Showgeschäft zu tun. Das Rad wird solange weiter gedreht bis es keinen mehr interessiert. Solange genug Masse bereit ist Abos und Tickets zu bezahlen solange wird das Geschäft weiter ausgebaut. Das ist in jedem Wirtschaftszweig so.
pizzerino 05.11.2018
5.
Pläne Super League: Spitzenvereine sind von ihrem wirtschaftlichen Erfolg abghängig. Solche Denkmodelle zu verfolgen ist absolut normal. Begriffe wie "Verrat" sind total überzogen und fehl am Platz. Korruption und Schiebung in den Verbänden: Echt jetzt?
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