Football Leaks Fifa verhinderte Einsatz von Doping-Sonderermittler McLaren vor der WM in Russland

Richard McLaren hat durch seine Untersuchungen das russische Staatsdoping-System aufgedeckt. Vor der Fußball-WM 2018 durfte er nicht ermitteln. Der Weltverband lehnte seinen Einsatz ab.

imago/ZUMA Press, imago/ITAR-TASS, Benedikt Rugar


Die Fifa hat verhindert, dass der kanadische Anwalt Richard McLaren vor der Fußballweltmeisterschaft 2018 als Sonderermittler des Weltverbands den Dopingverdacht im russischen Fußball untersuchte. Das geht aus zahlreichen Dokumenten hervor, die die Enthüllungsplattform Football Leaks dem SPIEGEL zugespielt und die das Nachrichtenmagazin mit dem Recherchenetzwerk EIC ausgewertet hat. (Lesen Sie die ganze Geschichte im neuen Spiegel.)

María Claudia Rojas, die Vorsitzende der Untersuchungskammer der Fifa-Ethikkommission, stand von Mitte September 2017 bis Ende Februar 2018 über ihr Büro in monatelangen Verhandlungen mit dem weltweit renommierten Dopingexperten. Mitte Dezember 2017 hatte ihr Büro in ihrem Namen einem Sondereinsatz McLarens in Russland "nach sorgfältiger Prüfung" schriftlich zugestimmt. Nun müsse nur noch ein Vertrag aufgesetzt werden, hieß es in einem Schreiben an McLaren.

Doch intern stellte Rojas den Stand der Verhandlungen völlig anders dar. Sie habe McLaren "zu keinem Moment zu verstehen gegeben, dass sein Konzept angenommen worden ist", schrieb sie im Februar 2018. Wenige Wochen zuvor hatte ihr Büro einen Brief an den Generalsekretär der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada geschickt mit der Bitte, Rojas "drei unabhängige Unternehmen oder Personen" zu empfehlen, "die auf Dopingermittlungen spezialisiert sind".

Rojas beantwortete Fragen des EIC zu ihrem Umgang mit dem Dopingermittler McLaren nicht im Detail. Sie ließ die Fifa-Pressestelle lediglich ausrichten, dass "aufgrund der Höhe des Investments, das für die Dienste von Herrn McLaren nötig gewesen wäre", auch andere Dienstleister kontaktiert worden seien. Am Ende sei man bei der Fifa zu dem Schluss gekommen, "dass keine zusätzliche Hilfe von außen nötig war".

McLaren sagte dem EIC: "Wenn ich jetzt zurückschaue, denke ich, sie wollten niemals wirklich eine Untersuchung bei der Fifa - und am Ende ist es genau das, was sie hinbekommen haben."

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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
josef2018 23.11.2018
1. Sollte
man jetzt darüber wirklich überrascht sein? Die FIFA ist in meinen Augen eine kriminelle Vereinigung und hat keinerlei Lust sich von Dopingkontrolleuren das Geschäft verderben zu lassen. Doping im Fußball ist, da dort das meiste Geld im Umlauf ist, in der Öffentlichkeit kaum ein Thema. Da wird besonders der Radsport als Hauptsünder durchs Dorf getrieben. Was nicht sein darf, kann eben nicht sein, Fußballer müssen einfach clean sein.
RalfHenrichs 23.11.2018
2. Naja,
McLaren hat ja bis heute keine überzeugenden Beweise für ein flächendeckendes, staatliches Doping in Russland vorgelegt. Da kann ich nachvollziehen, dass die FIFA den Schwätzer nicht für teures Geld einkaufen wollte.
drui 23.11.2018
3. Schnell handeln jetzt!
Ganz klar: Nach diesen Erkenntnissen muss die WM 2018 annuliert und 2019 in einem neutralen Land (Schweiz, Auenland, da wo die Schach-WM stattfindet) neu ausgetragen werden! Alle Trainer der Mannschaften, sowie Fussballmanager und die Präsidenten der nationalen Verbände müssen ausgetauscht und durch blinde Affen der nationalen Zoos ersetzt werden, weil sie ja mit dem Dopingvertuschungsvirus infiziert sein könnten, also leider leider auch unser großartige Taktikfuchs Jogi Löw und die Herren Bierhoff und Grindl. Die Mannschaften müssen mit den gemeldeten Teams antreten, nur Spieler, die verletzt, verrentet oder ins Koma gefallen sind (Khedira, Neuer, Müller) können durch andere Spieler (Sane, Kehrer, Gnabry) ersetzt werden. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Mexiko, Schweden und Südkorea.
AxelSchudak 23.11.2018
4. Austreten...
Der DFB sollte aus der FIFA austreten. Unter dem System Blatter/Infantino sind Reformen nicht zu erwarten.
connaisseur 23.11.2018
5. Informieren hilft
Zitat von RalfHenrichsMcLaren hat ja bis heute keine überzeugenden Beweise für ein flächendeckendes, staatliches Doping in Russland vorgelegt. Da kann ich nachvollziehen, dass die FIFA den Schwätzer nicht für teures Geld einkaufen wollte.
Si tacuisses philosophus mansisses. Faktencheck: Erster McLaren-Report: - Im Moskauer Antidoping-Labor wurden unter Einflussnahme staatlicher Stellen systematisch Dopingproben russischer Athleten zum Schutze vor positiven Tests manipuliert. - Am Antidoping-Labor in Sotschi wurde eine Methodik eingesetzt, die gedopten russischen Athleten die Teilnahme an den Olympischen Spielen ermöglichte. - Das von Witali Mutko geführte russische Sportministerium leitete und steuerte die Manipulationsvorgänge unter aktiver Teilnahme von FSB, CSP („Center of Sports Preparation of National Teams of Russia“) und den beiden Antidoping-Labors in Moskau und Sotschi. Zweiter McLaren-Report: Am 9. Dezember 2016 wurde der zweite McLaren-Report für die Welt-Anti-Doping-Agentur veröffentlicht.[2] Dieser geht davon aus, dass mehr als 1000 russische Athleten selbst gedopt oder von der systematischen Doping-Verschleierung des Staates profitiert haben.[3] Außerdem habe es eine vom russischen Sportministerium gesteuerte „institutionelle Verschwörung“ gegeben. Betroffen seien neben den Olympischen Winterspielen in Sotschi u. a. die Olympischen Sommerspiele 2012 in London und die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013 in Moskau. Die Ermittler stützen ihre Erkenntnisse auf Interviews mit Zeugen und die Auswertung von Datensätzen, E-Mails und mehr als 4000 Excel-Dokumente. Bleiben Sie bei Ihrer Falschbehauptung? Dann nennen Sie wenigstens eine unabhängige glaubwürdige Quelle. Wir führen als Quellen an: tagesschau.de: Russisches Team von Paralympics ausgeschlossen. In: tagesschau.de. Abgerufen am 14. August 2016. „WADA publishes Independent McLaren Investigation Report Part II | World Anti-Doping Agency“. Zugegriffen 10. Dezember 2016. https://www.wada-ama.org/en/media/news/2016-12/wada-publishes-independent-mclaren-investigation-report-part-ii. Johannes Aumüller, Thomas Kistner: Doping: Wie der McLaren-Bericht den Staat und die Fußball-WM schützt. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 30. Dezember 2016]). „WADA-Bericht: Mehr als 1000 russische Sportler gedopt | tagesschau.de“. Zugegriffen 10. Dezember 2016. http://www.tagesschau.de/sport/wada-doping-bericht-105.html. „Staatsdoping in Russland: Nachtests für Hunderte Olympioniken | tagesschau.de“. Zugegriffen 10. Dezember 2016. http://www.tagesschau.de/sport/wada-doping-russland-103.html. IBSF decided to move the IBSF World Championships 2017. Pressemitteilung des ISBF vom 13. Dezember 2016, abgerufen am gleichen Tage (englisch) Bob- und Skeleton-Verband entzieht Sotschi die WM. Spiegel Online, 13. Dezember 2016, abgerufen am gleichen Tage
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