Whistleblower-Anwalt Football Leaks kann Staatskassen "viele Millionen Euro" einbringen

Bei dem in der vergangenen Woche in Budapest verhafteten Portugiesen Rui Pinto handelt es sich um den Football-Leaks-Whistleblower "John". Das hat sein Anwalt öffentlich gemacht.

DPA


Der in Budapest festgenommene Portugiese Rui Pinto ist der Football-Leaks-Whistleblower mit dem Pseudonym "John". Dies macht sein Anwalt William Bourdon in einem Interview mit dem SPIEGEL und dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) öffentlich.

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John sei nicht "der einzige Whistleblower von Football Leaks", sagt Bourdon: "Natürlich gibt es noch weitere Quellen." Pinto hat dem SPIEGEL und dem EIC über 70 Millionen Dokumente übergeben. Veröffentlichungen auf der Basis dieser Daten haben europaweit zu zahlreichen Verfahren gegen Prominente aus der Fußballwelt geführt, meist ging es dabei um Steuerhinterziehung. Vorige Woche wurde Pinto verhaftet, aufgrund eines europäischen Haftbefehls wegen des Verdachts der versuchten Erpressung und des Datendiebstahls.

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Bourdon, der auch schon Edward Snowden vertrat, räumt nun ein, dass Pinto im Jahr 2015 die in Portugal ansässige Agentur Doyen Sports zu erpressen versuchte, indem er Geld dafür forderte, belastende Dokumente zurückzuhalten. "Es war aber eher ein kindlicher Streich. Er hat letztendlich selbst auf das Geld verzichtet, er hat freiwillig widerstanden. Es ist nichts passiert, niemand hat Geld bezahlt." Pinto könne laut Bourdon "dafür nicht verurteilt werden. Man versucht, ihn als Kleinganoven hinzustellen und alles, was er getan hat, zu diskreditieren".

Aus der Sicht Bourdons erfüllt sein 30-jähriger Mandant "alle Bedingungen für Whistleblower, die der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte aufgestellt hat". Dank Football Leaks könnten "die Staatskassen vieler europäischer Länder sicherlich viele Millionen Euro wiedererlangen", sagte Bourdon. Sollte Pinto ausgeliefert werden, bestehe die Gefahr, "dass mehrere europäische Staatsanwälte und Steuerbehörden der Möglichkeit beraubt werden, alle Dokumente auszuwerten und Pinto als Zeugen zu vernehmen".

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Thorkh@n 25.01.2019
1. Jeder liebt den ...
... Verrat, aber niemand den Verräter. Mir tut er immerhin leid.
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