Football Leaks Der Fußballpate und seine 1000 Geschäfte

Luciano D'Onofrio wurde schon gesperrt, zu Gefängnisstrafen verurteilt - aber seinem Business hat das alles nicht geschadet. Die Football-Leaks-Dokumente geben Einblicke in das Wirken eines Fußballpaten.

Luciano D'Onofrio
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Luciano D'Onofrio


Er gehörte zu den Mächtigen im Weltfußball, aber seinen Namen kennen in Deutschland nur die wenigsten. Luciano d'Onofrio war es stets lieb, im Hintergrund zu bleiben, man kann auch sagen: im Dunkeln. D'Onofrio ist einer der größten Trickser im Weltfußball, er ist reich geworden und er ist aufgeflogen. Er kümmert sich auch nicht darum, wenn ihn Fifa und Uefa aus dem Business verbannen. Das belegen Football-Leaks-Dokumente, die der SPIEGEL gemeinsam mit Partnern des Recherchenetzwerks EIC ausgewertet hat.

D'Onofrio, gebürtiger Italiener mit belgischem Pass, hatte stets einflussreiche Menschen an seiner Seite, er war Berater von Zinedine Zidane, Marcel Desailly und Didier Deschamps, drei Denkmälern des französischen Fußballs. Und er war befreundet mit dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, den er als Gönner von Standard Lüttich gewinnen konnte. Jener Louis-Dreyfus, der Uli Hoeneß mit einem Darlehen zu seiner Börsenkarriere verhalf und der dem DFB auch bei der WM-Affäre 2006 als undurchsichtiger Spender beisprang.

D'Onofrio war damals Manager von Standard Lüttich und gleichzeitig Spielerberater, eine Doppelrolle, die im Weltfußball verboten ist. Aber es war nur eine seiner Tricksereien in einem beachtlichen Strafregister. Liest man es durch, hat man das Gefühl, dass D'Onofrio bei jedem Skandal im französischen und belgischen Fußball irgendwie mitgemischt hat.

  • 1995 wurde er verurteilt, weil er an einem Finanzbetrug um den SC Toulon involviert war.
  • Auch bei den finanziellen Unregelmäßigkeiten um Olympique Marseille, den französischen Skandalklub der Neunzigerjahre, tauchte der Name D'Onofrio regelmäßig auf.
  • 1998 folgte eine Verurteilung wegen seiner Verwicklung in Betrügereien bei Paris Saint-Germain.
  • 2008 erfolgte eine Sperre für alle Aktivitäten, die mit dem Fußball zu tun haben, wieder war der Grund, dass D'Onofrio beim Frisieren von Transfersummen bei Marseille mitgewirkt hatte. In Belgien hatten die Behörden den Lütticher Manager wegen Geldwäsche angeklagt, dem Gefängnis entging er nur, weil er eine hohe Geldstrafe zahlte.
Darum geht es bei Football Leaks
    Die Enthüllungsplattform Football Leaks sammelt vertrauliche Daten und E-Mails zu den Geldflüssen im Fußball. So deckt sie illegale Zahlungen an Spielerberater und Investoren ebenso auf wie die Versuche, Millionen an der Steuer vorbeizuschmuggeln dank Offshore-Geschäften. Football Leaks schweigt zu seinen Quellen, hat die Dokumente allerdings dem SPIEGEL und anderen Medien im Verbund der European Investigative Collaboration zur Verfügung gestellt. Mit einem Umfang von 1,9 Terabyte handelt es sich um den bisher größten Datensatz im Sport.

Nach den Regularien der Fifa muss ein Spielerberater einen "tadellosen Leumund" haben. D'Onofrio musste also zwischenzeitlich abtauchen, seine Geschäfte gingen aber weiter - meist mit Hilfe seines Partners und Strohmanns Maurizio Delmenico. In dem Jahr, in dem D'Onofrio die Millionenstrafe bezahlen musste, verdiente er auf der anderen Seite 4 Millionen Euro am Transfer des französischen Profis Eliaquim Mangala vom FC Porto nach Manchester City.

2011 war Mangala von Standard Lüttich nach Porto gewechselt, D'Onofrio war sein Agent. Direkt bezahlt wurde der umtriebige Manager aber nicht, stattdessen sicherte Porto der Firma Robi Plus mit Sitz in London zehn Prozent der ökonomischen Rechte an dem Spieler zu. Manager der Firma Robi Plus war D'Onofrios Kumpel Delmenico. Ein Fall von Third-Party Ownership (TPO), einer Praxis, die die Fifa inzwischen verboten hat. Bei TPO besitzen dritte Parteien Anteile an einem Spieler, der heutige Fifa-Präsident Gianni Infantino hat das eine "moderne Art der Sklaverei" genannt.

Bald gingen Porto und D'Onofrio die nächste Arbeitsbeziehung ein. Der Berater sorgte für den Verkauf des französischen Mittelfeldspielers Giannelli Imbula an Stoke City. Das Geld für die Vermittlung des 24-Millionen-Transfers - immerhin 1,2 Millionen Euro - floss auf das Konto einer Amsterdamer Firma namens Kick International. Manager der Firma: Maurizio Delmenico.

Das SPIEGEL-Team zu den Football Leaks
    Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Stephan Heffner, Christoph Henrichs, Andreas Meyhoff, Nicola Naber, Jörg Schmitt, Alfred Weinzierl, Michael Wulzinger

Als der Ghanaer Verteidiger Daniel Opare im Juli 2014 von Lüttich nach Porto ging, erhielt die Beraterfirma Danubio 500.000 Euro Honorar und die Zusicherung, bei künftigen Transfers mit 25 Prozent Anteil bedacht zu werden. Unterhändler für Danubio: Maurizio Delmenico.

Den Agenten interessierten vor allem sehr junge Spieler, bei ihnen ist der mögliche Gewinn am höchsten. Julio Generoso war erst 14, als der FC Porto und Danubio eine Vereinbarung trafen, bei der Danubio 50 Prozent des Gewinns an künftigen Transfers des Spielers zugesichert wurden.

D'Onofrio bastelte derweil an weiteren Geheimverträgen: Der junge belgische Stürmer Celestin Djim wurde von Porto offiziell zweimal ausgeliehen, einmal an den portugiesischen Zweitligisten Freamunde und danach im Juli 2015 an den FC Metz in Frankreich. Football-Leaks-Dokumente zeigen jedoch, dass Djim tatsächlich im Juni 2015 an den saudischen Verein Al-Hilal für 3,5 Millionen Euro verkauft wurde, und die Saudis waren es, die den Spieler dann nach Metz verliehen. Der Verdacht, dass hier Geldflüsse verschleiert werden sollen, liegt nahe.

Aber nicht alle seine Deals mit dem Nahen Osten waren geheim: 2015 gehörte D'Onofrio einer offiziellen Delegation an, die im Gefolge der belgischen Prinzessin Astrid an den Persischen Golf reiste. Er war dort als Berater für eine Pharma-Firma tätig, spezialisiert auf Produkte für Frauen, und schloss für die Firma mehrere Verträge ab. Der Herr hat viele Talente. Anfragen der EIC-Journalisten ließen D'Onofrio und Delmenico unbeantwortet.

2007 sagte der Agent dem französischen "Foot Magazine": "Egal, was ich mache, mir hängt immer der Ruf des Gangsters an, dabei bin ich nur ein Abenteurer, aber ein ehrlicher."

Neun Jahre später ist er immer noch dick im Geschäft.

aha



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