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14. Dezember 2016, 13:50 Uhr

Football Leaks

Wie die PSV Eindhoven die Öffentlichkeit täuschte

Höchstens eine Million Euro pro Jahr sollen Spieler bekommen - dazu hat sich die PSV Eindhoven öffentlich verpflichtet. Dokumente von Football Leaks belegen, wie der niederländische Top-Verein sein Versprechen umging.

Wenn Toon Gerbrands sich einmal aufregt, dann richtig. Im Sommer gab es für den Direktor der PSV Eindhoven wieder einen Anlass dazu: Niederländische Medien hatten über Millionensummen spekuliert, die Stürmer Luuk de Jong nach seiner Vertragsverlängerung beim Spitzenklub der Ehrendivision verdiene. "Die Berichte sind vollständig falsch und stimmen nicht mal annähernd", dementierte Gerbrands über das klubeigene Fernsehen PSV TV. Das mit den Millionensummen sei überhaupt nicht möglich: "Jeder weiß, dass wir eine Gehaltsobergrenze von einer Million Euro haben." Der Klub versprach die Obergrenze öffentlich, nachdem die Stadt Eindhoven Traditionsklub PSV im Juni 2011 aus finanziellen Schwierigkeiten geholt hatte.

Dokumente, die der SPIEGEL und seine Recherchepartner der European Investigative Collaborations (EIC) im Rahmen des Football-Leaks-Projekts ausgewertet haben, zeichnen allerdings ein etwas anderes Bild. Demnach hat der Klub die Obergrenze in der Vergangenheit mehrfach umgangen. Mit Luuk de Jong zum Beispiel, den Bundesliga-Fans von seinem ziemlich erfolglosen Kurzaufenthalt bei Borussia Mönchengladbach kennen.

Der Stürmer bekam in seinem ersten Vertrag mit PSV 2014 zwar tatsächlich ein Grundgehalt von einer Million Euro zugesichert. Darüber hinaus profitierte er aber auch von der allgemeinen Bonusregelung des Klubs, die am Ende einer Saison gekoppelt an das Abschneiden der Mannschaft ausgezahlt wird. Zusätzlich, so belegen die Vertragsdetails, kassierte de Jong einmalig 500.000 Euro - und darüber hinaus jedes Jahr bis 2017 noch einmal einen "einmaligen Bonus". In den zwei Jahren vor 2016, also vor der Verlängerung seines Vertrages, verdiente de Jong demnach statt zwei Millionen in Wirklichkeit 3,5 Millionen Euro. Plus Bonuszahlungen des Klubs.

Es ist nicht das erste und einzige Mal, dass die PSV ihre öffentlichen Ankündigungen hinsichtlich der Gehaltsobergrenze unterläuft, wie die Football-Leaks-Dokumente zeigen.

2011 hatten der zu der Zeit finanziell angeschlagene Klub und die Stadt Eindhoven einen Handel abgeschlossen: Die Stadt kaufte das Stadiongrundstück und das Trainingsgelände des Vereins für den Marktpreis von 48 Millionen Euro, im Gegenzug zahlt PSV der Stadt eine jährliche Miete von 2,4 Millionen Euro. Die Klubführung um den damaligen Vereinsboss Tiny Sanders versicherte daraufhin, dass sie "das Geld künftig sehr klug ausgeben" werden. Nur in großen Ausnahmen sei man bereit, ein Gehalt von mehr als einer Million Euro zu zahlen, ausschließlich für "Spieler, die das gesamte Team auf ein höheres Level heben".

Auch zwei Mexikaner profitierten

Diese Begrenzung wird allerdings nicht lange durchgehalten: 2013 verpflichtet der Klub den Mittelfeldspieler Adam Maher von AZ Alkmaar. Maher zuliebe weicht die PSV ihre Gehaltsprinzipien auf: Auf seine 950.000 Euro Gehalt im Jahr erhält der Spieler obendrauf einen Einmalbonus von 1,15 Millionen Euro. Und es gibt weitere Fälle, in denen der Klub ähnlich gehandelt hat und damit sein öffentliches Versprechen brach.

Im Sommer 2014 verpflichtet die PSV neben Luuk de Jong auch den gebürtigen Mexikaner Andrés Guardado vom FC Valencia. Der Nationalspieler mit mehr als 100 Einsätzen unterzeichnet seinen Vertrag am 25. August. Wieder wird die Gehaltsobergrenze zu einer durchlässigen Schranke. Guardado bekam ein Grundgehalt von 1,375 Millionen Euro. Darüber hinaus kassiert er ein Vertragsgeld von 300.000 Euro. Für den Fall, dass die PSV niederländischer Meister mit ihm wird, ist eine zusätzliche Zahlung von 100.000 Euro vereinbart.

Aufgrund der Meisterschaft qualifizierte sich der Verein automatisch für die Champions League, das gab ihm im Sommer 2015 weitere finanzielle Spielräume. Der Mexikaner Héctor Moreno und der junge Belgier Maxime Lestienne werden verpflichtet: Moreno bekommt eine Million Euro Gehalt, zusätzlich wird ihm eine Bonuszahlung von 3,675 Millionen Euro über die vierjährige Vertragsdauer zugesichert.

Lestienne wurde vom Klub Al-Arabi aus Katar ausgeliehen. Der Belgier bekommt eine Million Euro Gehalt, dazu einen Bonus von einer weiteren Million - also zwei Millionen für eine Vertragslaufzeit von einem Jahr. Zusätzlich ist vereinbart, dass die PSV den Kataris 250.000 Euro bezahlen muss, wenn Lestienne nicht in mindestens der Hälfte aller Spiele aufgestellt wird. Lestienne spielt in der Saison nur in 14 Partien.

Die PSV hatte nach der Rettung durch die Stadt nicht nur versprochen, die Gehälter zu deckeln. Tiny Sanders sagte 2011 außerdem zu, die Zahlungen an Spielerberater zu kürzen. Auch das wurde nur teilweise eingehalten. Mino Raiola, Beraterstar mit Kunden wie Zlatan Ibrahimovic und Paul Pogba, handelte den Moreno-Transfer aus. Raiola verließ die Verhandlungen mit einer Zahlung von 1,075 Millionen Euro für seinen Beitrag. Und Raiola hat sich noch eine kuriose Klausel in den Vertrag schreiben lassen: Wenn sich die PSV für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren sollte, gehen noch einmal 300.000 Euro an den Berater. Eine Zahlung für eine Leistung, an der er gar nicht mehr beteiligt ist.

Klub-Direktor Toon Gerbrands betont auf Anfrage die Vertraulichkeit der Verträge - und wirft dem EIC-Rechercheteam eine "unvollständige Interpretation der Fakten" vor. Details nennen wolle und könne er nicht.

aha

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