Football Leaks Spanischer Richter will Enthüllungen verbieten

Die Football-Leaks-Enthüllungen haben für große Aufregung gesorgt. Ein Richter aus Spanien will nun europaweit die Veröffentlichungen stoppen.

Real-Star Cristiano Ronaldo
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Real-Star Cristiano Ronaldo


Die Enthüllungen zu Football Leaks durch den SPIEGEL und elf weitere europäische Medien schlagen hohe Wellen und verursachen vor allem in Spanien Aufregung - die offenbar nicht jedem gefällt. Der Madrider Ermittlungsrichter Arturo Zamarriego hatte zunächst der Zeitung "El Mundo", Partner des SPIEGEL im Recherchekonsortium EIC, massiv gedroht, sollte die Zeitung ihre Veröffentlichungen fortsetzen. Eine entsprechende einstweilige Verfügung wurde der Zeitung zugesandt.

Demnach wurde der Chefredakteur von "El Mundo" sogar mit einer Strafandrohung von fünf Jahren Haft belegt, wenn er der einstweiligen Verfügung nicht nachkomme. "El Mundo" hat bereits erklärt, dass die Zeitung dennoch weitermachen werde, die Enthüllungen zu veröffentlichen.

Mittlerweile will der Richter dieses Verbot sogar auf alle europäischen Länder und alle Publikationen des EIC ausweiten. So hat er auch Antrag auf Rechtshilfe bei deutschen Behörden gestellt, vermeldet "El Mundo".

Darum geht es bei Football Leaks
    Die Enthüllungsplattform Football Leaks sammelt vertrauliche Daten und E-Mails zu den Geldflüssen im Fußball. So deckt sie illegale Zahlungen an Spielerberater und Investoren ebenso auf wie die Versuche, Millionen an der Steuer vorbeizuschmuggeln dank Offshore-Geschäften. Football Leaks schweigt zu seinen Quellen, hat die Dokumente allerdings dem SPIEGEL und anderen Medien im Verbund der European Investigative Collaboration zur Verfügung gestellt. Mit einem Umfang von 1,9 Terabyte handelt es sich um den bisher größten Datensatz im Sport.

Der Richter beruft sich auf einen vermeintlichen Hackerangriff, dem der frühere Generaldirektor von Real Madrid, Julio Senn, im Frühjahr zum Opfer fiel. Senn, heute Anwalt der Kanzlei Senn Ferrero, behauptet, dass daraus Football Leaks seine Erkenntnisse gewonnen habe. Dem widerspricht "El Mundo" vehement. Man habe sich bei den Veröffentlichungen auf mehrere Quellen berufen.

Der SPIEGEL und seine Medienpartner der EIC in Sachen Football Leaks hatten unter anderem Steuertricks von Real-Star Cristiano Ronaldo und dem früheren Real-Trainer José Mourinho enthüllt.

aha

insgesamt 174 Beiträge
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docmillerlulu 06.12.2016
1. Soweit zum Thema Demokratie!
Also ich als Journalist wäre ja echt angepisst. Aber hey Jungs - da geht es hin. In der Redaktion 2.0 sitzen bald Germanisten und PR Leute und die Führungsriege wird in der Hauptsache aus Juristen mit Schwerpunkt Medienrecht stellen. Die Türkei ist ein Testfall, Assange ist übrigens auch ein Journalist, das ist aber wohl noch nicht angekommen und bei Snowden halten sich die Leitmedien auch stark zurück. Also - gestern Türkei, heute Spanien, wie wird es wohl weitergehen?
frummler 06.12.2016
2. wenn interessiert das?
wo eine informtion herkommt hat noch nie einen interessiert sondern nur ob die anschuldigungen der wahrheit entsprechen! wird zeit das diese richter und gerichte endlich mal im 21 jahrhundert ankommen! die müssen endlich mal begreiffen das mann im digitalen zeitalter nichts mehr auf dauer vor der öffentlichkeit vertuschen kann !
bodoso.hps 06.12.2016
3. Seltsam
Wenn es darum geht Lügen oder Hetze zu verfolgen ist die Justiz überfordert.Geht es aber darum Kriminelle vor Strafverfolgung zu schützen geht alles-wenn genug Geld im Spiel ist.Für den Ladendieb trifft das natürlich nicht zu.
ptb29 06.12.2016
4. Vertuschen und verschleiern
Es ist also etwas dran, an den Enthüllungen. Es wird wohl so sein, dass diverse Spezialisten sich um das Geld der Fußballer kümmern, die exorbitant viel verdienen, dass sie nicht mehr wissen, wo ihr Geld ist.
ge1234 06.12.2016
5. Richtig so!
Solange nicht jemand von einem ordentlichen Gericht eines Steuervergehens für schuldig befunden und dafür verurteilt wurde, sind Steuerangelegenheiten Privatsache und gehen außer den zuständigen Finanzbehörden niemanden etwas an! Punkt! Die Hexenjagd, die hier mal wieder eröffnet wurde, ist eines seriösen Journalismus unwürdig und fällt allenfalls auf die vermeintlich "investigativen Enthüllungsjournalisten" und deren Auftraggeber, sprich Medien, negativ zurück! Das ist übelstes Boulevard!
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