Football Leaks Steuerbehörden ermitteln gegen mehrere Spieler von Real Madrid

Die Enthüllungen der Football Leaks betreffen vor allem Steuerpraktiken rund um Real Madrid. Die spanischen Behörden haben Anklage erhoben - auch gegen einen heutigen Bayern-Spieler.

Xabi Alonso
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Xabi Alonso


Die spanischen Steuerbehörden prüfen die Steuererklärungen mehrerer Real-Madrid-Profis. Der SPIEGEL und das Recherchenetzwerk EIC haben erfahren, dass es fünf laufende Verfahren gegen Fußballer gibt, die in Madrid spielen oder gespielt haben. Dabei handelt es sich um den heutigen Bayern-Profi Xabi Alonso, Angel Di María, Ricardo Carvalho und Fabio Coentrão. In Radamel Falcao ist zudem ein Ex-Profi von Reals Stadtrivale Atlético betroffen. Die Staatsanwaltschaft Madrid hat mittlerweile bestätigt, dass sie Anklage gegen die Spieler erhoben hat.

Diese hatten demnach teilweise Steuerkonstruktionen mit Firmen in Irland und in karibischen Offshore-Oasen genutzt. Ebenso wie Real-Superstar Cristiano Ronaldo.

"Aus Kreisen der spanischen Steuerbehörden heißt es, sie werde die Informationen aus den Football-Leaks-Veröffentlichungen zu den Erkenntnissen hinzufügen, die sie schon zu Cristiano Ronaldos Fall gesammelt haben," vermeldet der spanische EIC-Partner "El Mundo".

Die Dokumente von Football Leaks, veröffentlicht vom SPIEGEL und elf weiteren europäischen Partnermedien, haben am Wochenende enthüllt, dass viele Millionen Euro unter anderem von Real-Star Cristiano Ronaldo über die Steueroase British Virgin Islands flossen. Ronaldos Management betont, gegen den Star seien nie rechtliche Schritte im Zusammenhang mit seinen Steuerzahlungen eingeleitet worden.

Real Madrid nimmt derweil seinen Weltfußballer in Schutz. In einer Mitteilung auf Reals Webseite hieß es: "In Anbetracht der Nachrichten, die in den letzten Tagen publiziert worden sind, und unter Berücksichtigung des ausgestellten Zertifikats der Steuerbehörde, das bestätigt, dass unser Spieler Cristiano Ronaldo all seinen steuerlichen Pflichten nachgekommen ist, fordert Real Madrid maximalen Respekt für einen Spieler, dessen Verhalten während seiner ganzen Karriere bei unserem Klub absolut vorbildlich war."

Das SPIEGEL-Team zu den Football Leaks
Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Stephan Heffner, Christoph Henrichs, Andreas Meyhoff, Nicola Naber, Jörg Schmitt, Alfred Weinzierl, Michael Wulzinger

Die Fragen, die durch Football Leaks aufgeworfen werden, bleiben dennoch unbeantwortet: Warum äußern sich die Betroffenen wie Ronaldo oder Startrainer José Mourinho nicht selbst zu ihren Steuerkonstruktionen in Übersee? Warum veröffentlichen die Berater von Ronaldo und Mourinho lediglich ein Statement zu Mourinhos Einkommen, bringen aber keine Einlassung zu seinen Offshore-Geschäften? Zudem kann sich Real jetzt auch nicht mehr auf das Unbedenklichkeitszertifikat der Steuerbehörden berufen, da damals die Football-Leaks-Recherchen noch nicht bekannt waren.

Anstelle von Ronaldo hat sich lediglich Real-Kapitän Sergio Ramos öffentlich vor dem Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu den Steuervorwürfen geäußert: "Das sind sehr heikle Themen. Ich glaube an das Gesetz, ich glaube an die Justiz, es gibt keinen Besseren als sie, um solche Fragen zu entscheiden. Das Thema ist ein wenig unangenehm, aber am wichtigsten ist, dass sich keiner davon beeinflussen lässt, kein einzelner Spieler und noch weniger die Mannschaft."

aha/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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VirusXX 07.12.2016
1. Radamel Falcao
war ein Spieler von Atletico Madrid und nicht von Real nur zur info. - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Redaktion Forum
bigroyaleddi 07.12.2016
2. Täusche ich mich,
oder fehlen den Fans die steuerlichen Worte bei der Bewertung dieser Vorgänge? Sind diese Gladiatoren etwa sakrosankt?
Sama Rita 07.12.2016
3. Es bleibt spannend...
Mal schauen, ob die 43 Millionen von Uli Hoeneß noch getoppt werden. Bei den bisherigen Beträgen von CR7 jedenfalls bleibt Großes zu erwarten...
adolfo1 07.12.2016
4. entweder Geschäftsmodell Profifußball ablehnen
und somit natürlich auch die Millioneneinkünfte auf gewissen Chefetagen, legale Steuerschlupflöcher für Grosskonzerne, etc., oder sich als angepaßter Spiessbürger weiter mit der Fun Society begnügen und ganz im Sinne des Erfinders seine Hobbyaufsätze zum Thema schreiben.
El pato clavado 07.12.2016
5. zu #2 von bigroyaleddi
ja sie sind sakrosankt.Gladiatoren muss es geben ,wie im alten Rom
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