Financial Fair Play Uefa deutet mögliche neue Untersuchungen an

Die Uefa reagiert auf die Football-Leaks-Enthüllungen und sendet Signale an regelbrüchige Klubs: Der Verband liest die Enthüllungen aufmerksam - und erwägt, abgeschlossene Ermittlungen neu aufzurollen.

Uefa-Zentrale
REUTERS

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Der europäische Fußballverband Uefa hat sich erstmals öffentlich zu den massiven Verstößen gegen seine Financial-Fair-Play-Regeln (FFP) geäußert. In einem Statement erklärte die Uefa, dass zuvor abgeschlossene Ermittlungen wiedereröffnet und erneut unter die Lupe genommen werden könnten, wenn ein Missbrauch festzustellen sei. Das Statement ist eine Antwort auf die Football-Leaks-Enthüllungen von SPIEGEL und dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC).

Die Veröffentlichungen hatten offenbart, dass Vereine wie das aus Abu Dhabi gesteuerte Manchester City und das in Katar kontrollierte Paris Saint-Germain gegen die FFP-Regeln verstoßen haben - und das teilweise systematisch, offenbar mit Scheinfirmen und rückdatierten Verträgen. Zudem ließ sich rekonstruieren, dass der damalige Uefa-Generalsekretär und heutige Fifa-Präsident Gianni Infantino 2014 mit den reichsten Vereinen hinter dem Rücken der Uefa-Kontrolleure sogenannte Settlements ausgehandelt hatte um sie mit milden Strafen davonkommen zu lassen.

Die FFP-Regeln verordnen europäischen Vereinen, nicht mehr Geld auszugeben als sie einnehmen. Das sei "ohne Frage ein Erfolg für den Fußball" gewesen, schrieb die Uefa nun in dem Statement: Bei Einführung der Regeln seien die Klubs europaweit massiv verschuldet gewesen, mittlerweile machten sie unterm Strich Gewinn. Doch der Verband räumte auch Schwächen des Systems ein: FFP müsse sich "auf die Kooperation der Klubs verlassen", dass sie der Uefa "ein vollständiges und authentisches Bild ihrer finanziellen Lage" vermitteln.

Gemäß den Erkenntnissen aus dem Football-Leaks-Datensatz hat zum Beispiel Manchester City das bei der FFP-Überprüfung durch die Uefa im Jahr 2013 nicht getan. Darauf antwortete der Fußballverband nun indirekt, ohne einzelne Vereine explizit hervorzuheben: "Falls neue Informationen ans Tageslicht kommen, die entscheidend für die Bewertung sind", werde die Uefa die Klubangaben "hinterfragen, und um Erläuterungen, Klarstellung oder Widerlegung" bitten. Eine Wiedereröffnung bereits abgeschlossener Fälle werde "von Fall zu Fall" entschieden.

Damit müssen regelbrüchige Klubs, wie womöglich auch Zenit St. Petersburg, eine erneute Untersuchung befürchten, obwohl sie sich eigentlich schon mit der Uefa auf ein Settlement geeinigt hatten. Es ist eine klare Botschaft vom Verband an die Vereine: Die Enthüllungsgeschichten werden am Uefa-Sitz in Nyon aufmerksam gelesen - und womöglich werden die Offiziellen handeln.

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