Nach Football-Leaks-Enthüllungen Untersuchung gegen Schweizer Oberstaatsanwalt eingeleitet

Der Schweizer Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold wurde vom Fifa-Präsidenten begünstigt. Die Walliser Staatsanwaltschaft will deshalb nun gegen den Vertrauten Infantinos ermitteln. Er selbst verteidigte sein Vorgehen.

imago/ Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL


Die SPIEGEL-Enthüllungen rund um Fifa-Präsident Gianni Infantino könnten für einen Schweizer Staatsanwalt juristische Konsequenzen haben. Die Walliser Staatsanwaltschaft untersucht nun die Vorwürfe gegen Rinaldo Arnold, der von Infantino mehrere Geschenke angenommen hat und ihm umgekehrt gefällig war. Das belegen die Football-Leaks-Dokumente.

Ein außerordentlicher Staatsanwalt werde "mit der Feststellung des Sachverhalts und der Abklärung einer allfälligen strafrechtlichen Relevanz" beauftragt, teilte die Behörde mit. Es gelte die Unschuldsvermutung, schreibt die Staatsanwaltschaft. Weitere Angaben machte sie nicht. So bleibt vorerst offen, wer die Untersuchung führen wird und bis wann sie abgeschlossen sein soll.

Die Dokumente belegen, dass Arnold von Infantino exklusive Einladungen angenommen hat, unter anderem zur WM 2018 in Russland und 2016 nach Mexiko zum Fifa-Kongress. "Ich möchte mich noch einmal bedanken für die Einladung nach Mexico. Es war interessant und spannend", schrieb Arnold an Infantino im Mai 2016. Im Gegenzug war Arnold Infantino bei juristischen Problemen behilflich gewesen, so hatte er ein Treffen mit dem Bundesanwalt eingefädelt.

Infantino selbst hat die gegen ihn im Zuge der Football-Leaks-Enthüllungen erhobenen Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Er habe "nichts Illegales und auch nichts, was gegen die Statuten verstößt, getan", sagte der Schweizer am Mittwoch im Gespräch mit mehreren Nachrichtenagenturen. Teile der Kritik und der Berichterstattung der vergangenen Tage seien "irreführend und unfair". "Wenn es um die Fifa geht, gibt es keine illegalen Aktivitäten." In seiner Amtszeit sei "kein einziger Franke verschwunden".

Zu den Untersuchungen gegen Arnold sagte Infantino: "Ich bin sehr glücklich und stolz, Rinaldo als Freund zu haben. Er ist außerdem Präsident eines Klubs und arbeitet sehr hart für den Fußball. Ich darf einen Freund zu einem Spiel einladen. Ich sehe nicht, was daran in irgendeiner Form eine Verletzung der Regeln sein soll. Ich glaube, es gibt wichtigere Dinge, mit denen sich die Justiz befasst. Sie werden zu den richtigen Schlüssen kommen."

"Offensichtlich ist diese Bedrohung vorhanden"

Der SPIEGEL hatte am vergangenen Freitag umfassend über Infantino berichtet und aus den Football-Leaks-Dokumenten zitiert. Zwei der Hauptvorwürfe: Der 48-Jährige soll heimlich daran mitgewirkt haben, dass der Fifa-Ethikkodex aufgeweicht wurde. Zudem soll Infantino noch in seiner Funktion als Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (Uefa) im Jahr 2014 den Großklubs Manchester City und Paris St. Germain zu sehr milden Strafen für ihre Verstöße gegen die Regeln des Financial Fairplay (FFP) verholfen haben.

"In den Regularien ist klar beschrieben, dass Vergleichsvereinbarungen Teil des gesamten Prozesses sind", sagte Infantino bezogen auf den FFP-Fall: "Und wer ist für die Verhandlungen und Diskussionen zuständig? Die Uefa-Administration."

Der Schweizer betonte, dass er seit Beginn seiner Amtszeit im Februar 2016 mit Störfeuern umgehen müsse. "Wir wussten von Anfang an, dass es nicht einfach wird in diesem Umfeld", sagte Infantino: "Die Tatsache, dass jetzt der Sohn italienischer Einwanderer Fifa-Präsident ist, mag manchen nicht gefallen. Dazu setzt er eine Frau aus Afrika, eine Muslimin, als Generalsekretärin ein."

Der Fifa-Präsident hat zudem Europas Topklubs vor der Gründung einer Super League gewarnt und hält einen Ausschluss von Spielern dieser Vereine von WM-Turnieren für möglich. "Offensichtlich ist diese Bedrohung vorhanden", sagte Infantino. "Ich denke, dass die Verantwortlichen am Ende des Tages recht vernünftig sind, bevor sie sich komplett abspalten."

Der SPIEGEL hatte unter Berufung auf Dokumente der Plattform Fooball Leaks über Pläne einer von Real Madrid forcierten Abspaltung diverser Topklubs aus der Champions League der Uefa berichtet. Der FC Bayern München, der zu der Gruppe der Topteams gehören soll, hatte anschließend betont, keinerlei Pläne dieser Art zu verfolgen, und sich zur Zugehörigkeit zur Bundesliga bekannt.

Eine Bundesliga ohne den FC Bayern München könne sich auch Infantino nicht vorstellen, sagte er und schob die Drohung hinterher, dass Spieler, die bei Vereinen einer Super League unter Vertrag stünden, von WM-Turnieren ausgeschlossen werden könnten.

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ngo/sid/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
carlmeerwein 07.11.2018
1. Wallis-Connection
So blauäugig wie der Staatsanwalt sich in Schweizer Fernsehen geäußert hat, macht ihn unglaubwürdig. Glauben zu wollen, dass er die Einladung von seinem Freund Infantino zur Fullball WM als private Angelegenheit einstuft ist ein bemerkenswerter Vorgang und einmalig!
verruca 07.11.2018
2. So what?
Dann tut doch einfach das, was jeder normale Mensch tut, falls er Kenntnis von einer Straftat erhält: Zeigt ihn an! Und schreibt nicht stattdessen den 117. ach so dramatischen Enthüllungsartikel, der einzig und allein auf irgendwelchen Papieren irgendwelcher dubioser Personen basiert.
chueau 07.11.2018
3. Kein Freund von Infantino, aber
Ich bin kein Freund von Infantino, auch nicht der FIFA. Aber irgendwie kommt es mir so vor, dass alles tausendfach hinterfragt wird und alles falsch ist, was er macht.
Filsbachlerche 07.11.2018
4. Doch wollen wir mal hoffen, daß dieser
Zitat von carlmeerweinSo blauäugig wie der Staatsanwalt sich in Schweizer Fernsehen geäußert hat, macht ihn unglaubwürdig. Glauben zu wollen, dass er die Einladung von seinem Freund Infantino zur Fullball WM als private Angelegenheit einstuft ist ein bemerkenswerter Vorgang und einmalig!
Augiasstall dennoch mal ordentlich ausgemistet wird. Die dortigen Müllberge sind bald höher als die Schweizer Alpen!
sh.stefan.heitmann 08.11.2018
5.
Zitat von chueauIch bin kein Freund von Infantino, auch nicht der FIFA. Aber irgendwie kommt es mir so vor, dass alles tausendfach hinterfragt wird und alles falsch ist, was er macht.
liegt vielleicht daran, dass alles Falsch ist was er macht?
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