Football Leaks Julian Brandts Vater bekam Geld für Vertragsauflösung seines Sohnes

Bayer 04 Leverkusen hat Jürgen Brandt bis heute über eine Million Euro dafür bezahlt, dass er seinen eigenen Sohn Julian an den Werksklub vermittelt hat. Das belegen Dokumente des Football-Leaks-Datensatzes.

Julian Brandt am 22. November beim Spiel Bayer 04 Leverkusen gegen PFC CSKA Moskva in Moskau
Getty Images

Julian Brandt am 22. November beim Spiel Bayer 04 Leverkusen gegen PFC CSKA Moskva in Moskau


Der Vater des deutschen Nationalspielers Julian Brandt verdient noch heute am Wechsel seines damals minderjährigen Sohnes vom VfL Wolfsburg nach Bayer Leverkusen. Das belegen Dokumente, die vom Spiegel und seinen Recherchepartnern der European Investigative Collaborations (EIC) im Rahmen des Football-Leaks-Projekts ausgewertet wurden. Demnach hatte Leverkusen Jürgen Brandt eigens für den Transfer 2013 wie einen Spielervermittler unter Vertrag genommen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 50/2016
Football Leaks: Die geheimen Verträge der Profis

In dem Ende 2013 geschlossenen Dienstleistungsvertrag verpflichtet sich Jürgen Brandt, seinen Sohn von einer vorzeitigen Vertragsauflösung beim VfL Wolfsburg zu überzeugen und ihn an Bayer 04 Leverkusen zu vermitteln. Dafür verspricht der Verein dem Vater eine Provision in Höhe von 300.000 Euro. Zudem verdient Jürgen Brandt seither für jede Saison, die der Spieler in Leverkusen verbringt, bis zu eine Viertelmillion Euro. Er hat sich darüber hinaus eine Beteiligung an einem künftigen Transfer des Spielers gesichert. Bis heute hat Brandt senior nach Berechnungen des SPIEGEL von Bayer Leverkusen 1.135.000 Euro erhalten. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Dass bei minderjährigen Spielern die Eltern mit am Verhandlungstisch sitzen, ist normal. Außergewöhnlich ist, dass der Vater einen eigenen Spielervermittlervertrag mit dem Verein hat. Das Finanzgericht Düsseldorf hat 2015 klar geurteilt: Es sei nicht plausibel, dass der Vater eines Spielers exklusiv das Interesse des Vereins vertrete. Vielmehr handle er stets im Auftrag seines Sohnes.

Darum geht es bei Football Leaks
    Die Enthüllungsplattform Football Leaks sammelt vertrauliche Daten und E-Mails zu den Geldflüssen im Fußball. So deckt sie illegale Zahlungen an Spielerberater und Investoren ebenso auf wie die Versuche, Millionen an der Steuer vorbeizuschmuggeln dank Offshore-Geschäften. Football Leaks schweigt zu seinen Quellen, hat die Dokumente allerdings dem SPIEGEL und anderen Medien im Verbund der European Investigative Collaboration zur Verfügung gestellt. Mit einem Umfang von 1,9 Terabyte handelt es sich um den bisher größten Datensatz im Sport.

Julian Brandt spielt seit 2014 in Leverkusen. Im Jahr zuvor hatte er die A-Jugend des VfL Wolfsburg zur deutschen Meisterschaft geführt und das Interesse vieler Profi-Vereine geweckt. Die Entscheidung für Bayer hatte Sportchef Rudi Völler damals mit den Worten kommentiert, der Transfer zeige, "dass wir ein Top-Klub sind".

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

hch



insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MarkusW77 09.12.2016
1.
Ihr habt ja so recht mit dem Aufdecken und veröffentlichen, der Verstand sagt krass, dafür bezahle ich also Sky und Stadion und Trikot usw. Und dennoch stört es mich gefühlsmäßig nicht so stark, als wenn Winterkorn oder sonst irgendein Investmentbanker zig Millionen abkassiert. Ich weiß nicht warum das so ist. Über die Steuerflüchtlinge rege ich mich allerdings maßlos auf. Bitte dran bleiben
wutbürger2010 09.12.2016
2. Na und ?
Da hat jemand die Interessen seines Sohnes clever vertreten. Und der Herr Papa darf dabei auch ruhig mitverdienen. Er hat ihn sicher seit der Kindheit gefördert und ihn einen klasse Spieler werden lassen. Zudem wurden diese Zahlungen einvernehmlich festgelegt. Profi-Spielervermittler sind da sicherlich um Klassen cleverer und auch diese Leute handeln nicht kriminell.
epiktet2000 09.12.2016
3. Seid Ihr so gemein!
Ihr wollt uns unsere saubere Fußballfernsehwelt kaputt schreiben! Wenn der Ball rollt, dann schweigt doch das Geld. Dann sollten Journalisten auch den Mund, beziehungsweise die Feder halten. Es geht hier um unser Leben. Die ganze Woche malochen und jetzt stehlt ihr uns den Samstag, na gut, den Freitagabend und auch den Sonntagspätnachmittag. Gönnt doch unseren geliebten Stars die paar Kröten, egal ob die in einem Biotop auf irgendwelche Eilands leben beziehungsweise sich vermehren, unsere Spieler kämpfen ja so unermüdlich für unsere uneigennützigen Vereine, für uns Fans, für Deutschland. Na gut, nicht für den deutschen Fiskus, aber wer kämpft für den schon?
schwaebischehausfrau 09.12.2016
4. Was ist der Vorwurf?
Gegen die 30 (in Worten: DREISSIG!!!) Millionen Euro, die der Berater von Pogba alleine für dessen Transfer von Juve zu ManU abkassiert hat, sind das doch Peanuts. Kann man's dem Vater verdenken? Er kassiert, was er kriegen kann. Und für Bayer war's wahrscheinlich so noch billiger als wenn Brandt einen "professionellen" Berater engagiert hätte, der noch mehr abkassiert hätte. Und die Spieler , die sich wie Brandt, Robben oder Alaba von einem "Familien-Mitglied" beraten lassen anstatt irgendeinen windigen Spielerberater sich eine goldene Nase für wenig Arbeit verdienen zu lassen, sind mir sympathischer als diejenigen, die nach 15 Jahren Profifussball mit Millionen-Gehalt am Ende pleite sind, weil sie sich von windigen "Beratern" ausnehmen lassen wie eine Weihnachtsgans. Schuld an diesem Wahnsinn sind doch die Vereine, die auf die Forderungen der Spieler und ihrer Berater eingehen. Und die Fans, die das am Ende bezahlen über ihre GEZ-Gebühren, Sky-Abo und Fussball-Stiefel von Adidas & Co. für schnell mal 250 Euro. Die Summen, die mittlerweile für Fussball-Profis gezahlt werden, sind völlig surreal und irgendwann wird auch diese Blase platzen.
stopcomplaining 09.12.2016
5. Der Vater als Pimp
Super, der Papa verkauft seinen Sohn an den hoechstbietenden fuer die Bezahlung in die eigene Tasche. Herrlich, was kommt danach: Papa verkauft seine Tochter an den meistbietenden?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.