"Football Leaks" Wie Pogbas Berater bei Manchester United abkassierte

Mino Raiola, Berater von Ibrahimovic und Pogba, kassierte beim Transfer seiner Stars nach Manchester im großen Stil ab, wie aus einem Kapitel des SPIEGEL-Buchs "Football Leaks - Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball" hervorgeht.

Raiola-Klienten Ibrahimovic und Pogba
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Raiola-Klienten Ibrahimovic und Pogba

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Am Wechsel des französischen Nationalspielers Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United im vorigen Sommer verdient sein Berater Mino Raiola insgesamt 49 Millionen Euro. Das geht aus einem Kapitel des SPIEGEL-Buchs "Football Leaks - Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball" hervor, das am Donnerstag dieser Woche erscheint.

Manchester United verpflichtete Pogba am 8. August 2016 für die Rekordablöse von 105 Millionen Euro. 27 Millionen Euro davon flossen an den Agenten und seine Firma Topscore Sports Limited in London. Eine entsprechende Vereinbarung hatten Juve-Generaldirektor Giuseppe Marotta und Raiola knapp drei Wochen vor dem Verkauf Pogbas unterzeichnet.

Mit Manchester United wiederum vereinbarte Raiola am 8. August 2016 für seine Vermittlungsdienste Honorarzahlungen von insgesamt 19,4 Millionen Euro, die der Premier-League-Klub bis Ende September 2020 in fünf Raten überweisen muss. Auch Pogba muss seinen Berater entlohnen - von dem Mittelfeldstar gibt es 2,6 Millionen Euro für Raiolas Agentur Uuniqq S.A.R.L. mit Sitz im Steuerparadies Monaco, gezahlt von Pogbas neuem Klub Manchester United.

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Raiola leitete Nachfragen zu diesen Honoraren an seinen Anwalt in Manchester weiter. Der Jurist antwortete, Raiola sei "grimmig entschlossen, seinen Ruf zu schützen". Der Anwalt drohte mit "juristischen Schritten", sollten "ehrenrührige" oder seinen Mandanten "in anderer Form schädigende Mutmaßungen" gedruckt werden.

Laut seines 41 Seiten umfassenden Arbeitsvertrages, den Pogba mit Manchester United schloss, kassiert der Mittelfeldstar in der ersten Saison ein Brutto-Grundgehalt von 8.610.616 Pfund (rund 10,2 Millionen Euro). Hinzu kommen in der Spielzeit 2016/2017 weitere 2.870.205 Pfund, die Manchester United für Pogbas Werberechte überweist.

Spielerberater Mino Raiola
AFP

Spielerberater Mino Raiola

Mit dieser Gage liegt Pogba, der teuerste Transfer der Welt, weit unter dem Einkommen, das Spielerberater Raiola für Zlatan Ibrahimovic bei Manchester United ausgehandelt hat - auch den schwedischen Stürmerstar hatte der Agent im vorigen Sommer zum englischen Rekordmeister vermittelt.

Am 1. Juli 2016 vereinbarten Manchester United und Ibrahimovic einen "Premier League Contract", der bis zum 30. Juni 2017 gültig ist. Laut den Unterlagen, die Football Leaks dem SPIEGEL zugespielt hat, verdient der Schwede in diesen zwölf Monaten ein Brutto-Grundgehalt von 22,62 Millionen Euro. In der geläufigen Einheit, in der die Briten rechnen, macht das 435.000 Euro pro Woche.

Jede Menge Extrageld für Tore von Ibrahimovic

Der Vertrag zwischen ManUnited und Ibrahimovic hat 36 Seiten. Interessant wird er im hinteren Teil ab Seite 19, in dem es um die Zusatzvereinbarungen ("Additional Clauses") geht, etwa die "Goal And Assist Bonuses". Diese Klausel regelt, dass der Torjäger Ibrahimovic für seine Kernaufgabe, das Toreschießen, zusätzlich entlohnt wird. Und zwar fürstlich. Für die ersten fünf erzielten Tore oder Torvorlagen bei offiziellen Spielen bekommt Ibrahimovic 280.000 Euro. Für die Tore sechs bis zehn weitere 470.000. Für die Tore elf bis 15 weitere 660.000. Für die Tore 16 bis 20 weitere 850.000. Für die Tore 21 bis 35 weitere 1,13 Millionen. Und für die Tore 36 bis 40 weitere 2,27 Millionen.

Ibrahimovic zog sich am 20. April im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen den RSC Anderlecht einen Kreuzbandriss zu und fällt mehrere Monate lang aus. Bis zu seiner Verletzung hatte er in Pflichtspielen für Manchester United 28 Treffer erzielt und zehn Torvorlagen gegeben, ihm stehen zu seinem Grundgehalt also weitere 3,39 Millionen Euro für seine Torgefährlichkeit zu.

Ibrahimovics Anspruch auf automatische Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr zu gleichen Konditionen hingegen hat sich durch seine Verletzung verwirkt. Zwei Bedingungen müssten erfüllt sein. Einerseits müsste Manchester United die Saison 2016/2017 mindestens auf Platz drei abschließen. Derzeit liegt der Klub mit fünf Punkten Rückstand auf Platz fünf.

Andererseits müsste Ibrahimovic bei 31 von 38 Spielen der Premier League in der Startelf stehen. Das ist ihm nun verwehrt. Bis zu seiner Verletzung war Ibrahimovic in 33 Premier-League-Spielen 27-mal von Beginn an für Manchester United aufgelaufen.



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
af17555 09.05.2017
1.
Was soll denn an Geschäften dieser Art unrechtmäßig oder schmutzig sein? Da wurden privatrechtliche Verträge geschlossen, von beiden Seiten, nicht vom Spielerberater diktiert wohlgemerkt. Manchester hätte ja nicht zustimmen müssen, es wurde niemand gezwungen. Oder meint der SPIEGEL die tatsächlich unmoralische Summe an sich? OK, aber auch hier, niemand wurde gezwungen.
aurichter 09.05.2017
2. Jetzt
ist die kämpferische Ansage von Ibrahimovic bzgl schnellster Rückkehr auch wesentlich besser zu verstehen. Goldesel ist da wohl noch untertrieben, sowohl als Spieler wie auch beim Riola, da sollte mancher zahlende Fan mit den exorbitanten Stadionpreisen Mal Fragen stellen an den Verein. Was zahlen die jährlich für den ganzen Kader wohl? Da wird das Vergraulen von Schweinsteiger wieder anders gesehen, da jeder Penny nötig für andere Balltreter gebraucht wird. Dumm nur, wenn CL dieses Jahr auch wieder ausfällt, einzig die EL bietet noch ein Hintertürchen. Schade eigentlich, aber vllt macht ja Ajax hoffentlich das Rennen, würde mich freuen, sehr sogar.
L_ESER 09.05.2017
3. nicht die eintrittsgelder machen den braten fett ...
zitat aurichter: ..da sollte mancher zahlende Fan mit den exorbitanten Stadionpreisen Mal Fragen stellen an den Verein. ..... es sind sicherlich nicht im wesentilichen die eintrittsgelder die den braten im fussball fett machen. es sind die einnahmen aus übertragungsrechten. man braucht sich nur ansehen, was schon die öffentlich rechtlichen für unsummen in richtung bundesliga fließen lassen um zu später stunde ein paar sekunden zusammenfassung bringen zu können. da wird richtig kohle gemacht.
dosmundos 09.05.2017
4.
Schließe mich dem Vorredner an - wo ist hier der "schmutzige" Skandal? Keine Ahnung, was der Berater von diesen (wohl nahezu einmaligen) Prämien alles bezahlen muss, und wie viele andere Fußballer er aufwändig betreut, ohne dass es einmal zu einem großen Scheck kommt. Wie sinnvoll es sein mag, einem Arbeitnehmer auch noch dafür Prämien zu zahlen, dass er seine Arbeit macht, lässt sich diskutieren, aber auch hier kennen wir ja wohl kaum die wirtschaftlichen Überlegungen, die hinter solchen Vertragsklauseln stecken. Und niemand wurde gezwungen oder getäuscht, um diese Verträge abzuschließen. Wie gut das insgesamt für den Fußball (oder auch nur das "Produkt" Fußball) ist, sei einmal dahin gestellt. Aber auch das lässt sich nicht wirklich dem Berater anrechnen, oder?
dr.könig 09.05.2017
5. Geld regiert den Fussball
Ibrahimovic kostete keine Ablöse, daher das hohe Gehalt. Pogba verdient eigentlich recht wenig. Unser Thomas Müller hat ein Salär von ca. 15 Mio im Jahr ? Toni Kroos wurde damals eine Erhöhung von 6 auf 9 Mio nicht genehmigt, der GAU der jüngeren Vereinsgeschichte !
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