Football Leaks Finanzpolitiker kritisieren Fußballmillionäre

Norbert Walter-Borjans, Finanzminister in Nordrhein-Westfalen, verlangt von Fußball-Profis, dass sie ihre Steuern zahlen - so wie es ihre Fans auch tun. Auch Bundesfinanzminister Schäuble äußert sich kritisch.

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD)
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NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD)


Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans kritisiert in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL die Steuersparmodelle der Fußballer und ihrer Spielerberater.

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Heft 50/2016
Football Leaks: Die geheimen Verträge der Profis

In Reaktion auf die Enthüllungen über Cristiano Ronaldo und andere Stars sagt Walter-Borjans: "Auch Fußballmillionären muss klar sein, dass ihre Traumgehälter nicht vom Himmel fallen, sondern von Fans per Ticket, Bezahlfernsehen und Werbung getragen und außerdem in vom Steuerzahler finanzierten Stadien ,erwirtschaftet' werden - Stadien, die über öffentliche Straßen möglichst gut erreichbar und von der Polizei geschützt werden sollen." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Wegen ihrer besonderen Stellung in der Gesellschaft dürfe der Staat auf die Profis keine Rücksicht nehmen. "Eine Vorbildrolle zu erwarten scheint in manchen Fällen offenbar eine Zumutung. Vielleicht kann man das in einer Unterhaltungsindustrie mit derartigen Umsätzen auch kaum noch erwarten", sagt der NRW-Finanzminister. Kritik übte Walter-Borjans, der seit Jahren von Whistleblowern Steuer-CDs für seine Ermittlungsbehörden ankauft, auch an den Helfern bei den Steuertricksereien: "Die ,Dienstleistungsszene' dahinter ist mindestens genauso schlimm. Ihr das Handwerk zu legen ist eine dringende Aufgabe."

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stellte die Gemeinsamkeiten zwischen manchen Fußballspielern und vielen Großkonzernen heraus: "Das Basismodell ist immer dasselbe: Du machst irgendwo eine Regelung, bei der Einkünfte gering besteuert sind. Und dann bringst du das Geld irgendwo hin, wo es gar nicht versteuert wird." Die Finanzminister der EU konnten sich in der vergangenen Woche in Brüssel erneut nicht darauf einigen, eines der größten Scheunentore in Europa für Steuersparer zu stopfen: die sogenannte doppelte Nichtbesteuerung mit Steuergestaltungen über Länder wie die Niederlande oder Irland.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Donnerstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
oil-peak-fan 10.12.2016
1. Nicht jammern, ...
...sondern was dagegen unternehmen. Borjans ist in NRW zuständig für Steuerprüfungen. Also ran an den Speck. Nicht immer nur den Handwerker oder Freiberufler prüfen.
Freidenker10 10.12.2016
2.
Warum soll es so schwer sein hier lebende voll zu versteuern? Es muss doch völlig wurscht sein welche Verschachtelungen die Spieler für ihre Einkünfte wählen. Ob der eine seine Werbeeinnahmen nun auf irgendwelche Steueroasen überwiesen bekommt, oder der andere sein Handgeld auf einem Konto in der Mongolei bunkert, wer hier seine Lebensmittelpunkt hat sollte auch hier VOLL besteuert werden! Manchmal denke ich die Politik unterstützt die Steuerflucht, sonst würde sie es ihnen doch nicht so einfach machen! Wenn mein Arbeitgeber mein Gehalt nun in die Karibik überweist, wäre das für das Finanzamt wirklich so schwer an mein Geld zu kommen? Denke nicht, nur bei Millionären scheint es immer unmöglich zu sein....
Mister Stone 10.12.2016
3. Das ist blanker Populismus
Ausgerechnet die CDU - und ganz besonders unser Koffervergesser Schäuble - "fordern" etwas, was sie seit vielen Jahren blockieren und verhindern: Wirkungsvolles Bekämpfen von Steuertricksereien und Steueroasen. Man bräuchte nur die Gesetze zu ändern, damit diese asoziale Steuervermeidung illegal wird - aber genau das verhindert unsere Regierung mit dem schalen Hinweis, man brauche eine "europäische Lösung". Diese Scheinempörung ist *Populismus in Reinkultur*.
hagen winglmeyr 10.12.2016
4. Die Politiker sind die wahren Täter,
sie sind es ,die die Steuerschlupflöcher mitgetaltet, toleriert oder auf Lobbyisten Veranlassung erst geschaffen haben. Der Gesetzgeber ist schuld.
jaroslav.bocek 10.12.2016
5. Ohne klare Steuerverhältnisse ..
sollte keine Berufung in eine Nationalmannschaft möglich sein. Jeder Spieler müsste für die letzten 5 Jahre seine kompletten Finanzen offen legen. Wenn man Manager aus allen möglichen Branchen angreift, dann soll man sich auch die Fußballer vornehmen.
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