Sieg gegen den BVB Favoritenschreck Fortuna

Jean Zimmer! Dodi Lukebakio! Namen, die man jetzt auch in Dortmund kennt. Düsseldorf wird zum Favoritenschreck, der BVB verliert erstmals und stößt an seine Grenzen - gegen einen Aufsteiger.

Fortuna Düsseldorfs Jean Zimmer (l.) freut sich mit Matthias Zimmermann, Dortmunds Marco Reus (v.) kann es nicht fassen
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Fortuna Düsseldorfs Jean Zimmer (l.) freut sich mit Matthias Zimmermann, Dortmunds Marco Reus (v.) kann es nicht fassen


Die Szene des Spiels: Womöglich wird man sich irgendwann an die 56. Minute dieses Spiels als den Moment erinnern, in dem Fußballdeutschland auf Jean Zimmer aufmerksam wurde. Zimmer, eigentlich Rechtsverteidiger, gegen Dortmund aber auf der offensiven Außenbahn eingesetzt, wurde von Takashi Usami freigespielt und zog einfach mal ab. Und wie: Zimmer zeigte, wie eine perfekte Schusshaltung aussieht, und traf genau in den Winkel. Dortmunds Torhüter Roman Bürki schaute fassungslos hinterher. Für Zimmer war es der erste Treffer in der Bundesliga, für die Fortuna ein großer Schritt zum Sieg gegen den BVB.

Das Ergebnis: Borussia Dortmund hat 1:2 (0:1) bei Fortuna Düsseldorf verloren. Für den BVB war es am 16. Spieltag die erste Niederlage. Und die Fortuna? Spielt am liebsten gegen die großen Teams. Erst ein Punkt in Leipzig, dann ein 3:3 gegen die Bayern und jetzt ein Sieg gegen den BVB. Ein Aufsteiger als Favoritenschreck. Hier geht es zum Spielbericht.

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Erste Saisonpleite des BVB: Zurück auf der Erde

Die erste Hälfte: Es lief die 18. Minute, als im Dortmunder Block Jubel ausbrach - und Sekunden später wieder verstummte. Marco Reus hatte aus 16 Metern abgeschlossen, der Ball zappelte im Netz, doch Christian Pulisic hatte zuvor in Abseitsposition Michael Rensing irritiert. Der Treffer zählte nicht, es war die richtige Entscheidung.

Keine 240 Sekunden später zeigten die Düsseldorfer, wie einfach Fußball sein kann: Ballgewinn in der eigenen Hälfte, und dann spielte Kevin Stöger einen Pass von einer Schönheit, wie man sie bei einem Spiel der Fortuna nur selten sieht. Dodi Lukebakio tauchte frei vor Roman Bürki auf - 1:0 (22.). Die Führung war nicht unverdient: Zur Pause hatte der BVB zwar 75 Prozent Ballbesitz, er gewann aber auch nur 38 Prozent seiner Zweikämpfe. Und Dortmund hatte Glück, dass Takashi Usami frei stehend das 2:0 verpasste (39.).

Der Glücksgriff: Als Fortuna Düsseldorf im Sommer verkündete, Dodi Lukebakio auf Leihbasis vom FC Watford verpflichtet zu haben, hielt sich die Euphorie im Rheinland doch sehr in Grenzen. Ein halbes Jahr ist das her - und mittlerweile dürfte es niemanden mehr geben, der Lukebakio noch unterschätzt. Gegen den BVB erzielte er sein siebtes Saisontor, fünf davon hat er gegen deutsche Champions-League-Teilnehmer erzielt. So macht man sich einen Namen.

Der Lieblingsgegner: Immer wieder Borussia Dortmund! Gegen keinen anderen aktuellen Bundesligisten gewinnt Fortuna Düsseldorf öfter. Im 57. Duell feierte Düsseldorf Sieg Nummer 23, die Siegquote liegt nun bei 42,1 Prozent.

Die zweite Hälfte: Konnte Lucien Favre ebenfalls nicht gefallen haben. Düsseldorf zog sich weit zurück und verteidigte konzentriert, der BVB kam nur selten dazu, seine Schnelligkeitsvorteile auszuspielen. Auch die Einwechslung von Paco Alcácer änderte daran zunächst wenig. Dann kam die 81. Minute und mit ihr das, was die Fortuna unbedingt hatte vermeiden wollen: Flanke Lukasz Piszczek, Abschluss Alcácer, nur noch 1:2. Es war sein zehntes Jokertor in dieser Spielzeit, das hat vor ihm noch kein Spieler geschafft. Dortmund rannte nun an, doch Düsseldorf verteidigte die drei Punkte mit viel Willen und noch mehr Glück.

Das Ende einer Serie: Von Rückständen hatte man sich beim BVB lange schon nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen. Die vergangenen drei Bundesligaspiele nach Pausenrückstand gewann Dortmund alle - und schoss dabei immer mindestens drei Tore in Hälfte zwei. Gegen Düsseldorf musste der BVB erkennen, dass auch die schönste Serie irgendwann endet.

Fortuna Düsseldorf - Borussia Dortmund 2:1 (1:0)
1:0 Lukebakio (22.)
2:0 Zimmer (56.)
2:1 Alcácer (81.)
Düsseldorf: Rensing - Matthias Zimmermann, Ayhan, Kaminski, Gießelmann - Sobottka (70. Bodzek) - Zimmer, Stöger, Fink, Usami (87. Raman) - Lukebakio (88. Hennings)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Akanji (46. Toprak), Diallo, Schmelzer - Witsel, Delaney (60. Paco Alcácer) - Pulisic, Reus, Bruun Larsen (60. Sancho) - Mario Götze
Schiedsrichter: Tobias Welz
Zuschauer: 52.000
Gelbe Karten: Stöger / Pulisic, Piszczek



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
gibmichdiekirsche 19.12.2018
1. Selber schuld
Der BVB "stößt an seine Grenzen", wie es im Artikel heißt? Wäre es doch nur so gewesen! Tatsächlich war die Mannschaft in Düsseldorf meilenweit von ihrem Limit entfernt. "Wenn man so wenig investiert, verliert man verdient", resümierte MR11 sinngemäss nach dem Spiel - und er hat recht. Wer das Gaspedal nur zu 70-75% durchdrückt und nie auf die Überholspur wechselt, darf sich nicht wundern, wenn er überholt wird. Selbst von Fortunen mit biederen wenngleich clever eingesetzten Möglichkeiten, die da lauten: "Bus vor dem Tor parken und hoffen, dass vorne der Fußballgott zwei/drei Chancen einräumt". Selber schuld, BVB. MR11 sagte freilich auch, dass das Spiel am Freitag gegen Gladbach ein völlig anderer werden werde. Die "Fohlen" wollen selber spielen und angreifen - und dann wird man sehen. Favres Rotation habe ich heute auch nicht ganz verstanden: Warum Hakimi u n d der formstarke Guerreiro auf der Bank, die jeder für sich weit mehr Druck nach vorne machen als Schmelle. Und warum Bruun Larsen nach seiner Auszeit von Anfang an statt Sancho? Und warum Paco Alcaçer nicht wieder von Anfang an? Solche Spielertypen, die in engen Räumen Unruhe stiften können, braucht man gegen solche "Busparker" eher als BL, der eher ein schneller Umschaltspieler ist. OK. Irgendwann musste die 1. Niederlage kommen und lieber jetzt bei zuvor 9 Punkten Vorsprung als später. Habe mich aber trotzdem aufgeregt, weil es vermeidbar war.
jknaebel 19.12.2018
2.
Eindeutig : Der BVB ist hoffnungslos überaltert, die Spieler sind satt, die Vereinsführung korrupt. Da muss dringend ein Umbruch her.... Blablabla.. Heja Düsseldorf. Auf gehts Bayern.
tucson58 19.12.2018
3. Die Bundesliga ist spannend
Da hat nun der BVB , wie der FC Bayern gegen Düsseldorf 3 Punkte liegen lassen und sofern der FC B heute gewinnt sind aus den 9 Punkten nur noch 6 Punkte Vorsprung . Mal sehen wie der BVB als gejagter die Rückrunde und die CL gestaltet .
hundini 19.12.2018
4. ^^
Wenn man beim BvB wieder auf das Niveau der letzten Saison setzen möchte, kann man weiter auf Schmelzer setzen. Zwei dicke Klöpse von Schmelzer waren für die 2 Gegentore verantwortlich... Kommt jetzt der Einbruch?...
stoffi 19.12.2018
5.
Zitat von gibmichdiekirscheDer BVB "stößt an seine Grenzen", wie es im Artikel heißt? Wäre es doch nur so gewesen! Tatsächlich war die Mannschaft in Düsseldorf meilenweit von ihrem Limit entfernt. "Wenn man so wenig investiert, verliert man verdient", resümierte MR11 sinngemäss nach dem Spiel - und er hat recht. Wer das Gaspedal nur zu 70-75% durchdrückt und nie auf die Überholspur wechselt, darf sich nicht wundern, wenn er überholt wird. Selbst von Fortunen mit biederen wenngleich clever eingesetzten Möglichkeiten, die da lauten: "Bus vor dem Tor parken und hoffen, dass vorne der Fußballgott zwei/drei Chancen einräumt". Selber schuld, BVB. MR11 sagte freilich auch, dass das Spiel am Freitag gegen Gladbach ein völlig anderer werden werde. Die "Fohlen" wollen selber spielen und angreifen - und dann wird man sehen. Favres Rotation habe ich heute auch nicht ganz verstanden: Warum Hakimi u n d der formstarke Guerreiro auf der Bank, die jeder für sich weit mehr Druck nach vorne machen als Schmelle. Und warum Bruun Larsen nach seiner Auszeit von Anfang an statt Sancho? Und warum Paco Alcaçer nicht wieder von Anfang an? Solche Spielertypen, die in engen Räumen Unruhe stiften können, braucht man gegen solche "Busparker" eher als BL, der eher ein schneller Umschaltspieler ist. OK. Irgendwann musste die 1. Niederlage kommen und lieber jetzt bei zuvor 9 Punkten Vorsprung als später. Habe mich aber trotzdem aufgeregt, weil es vermeidbar war.
Warum sollte es dem BVB anders ergehen, als dem FCB ? Das starke Teams auch gegen schwächere Mannschaften verlieren können, ist bekannt, solange Fussball gespielt wird. Sonst wäre es ja auch langweilig
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