Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel Immer Glück ist Können

Vier Siege in Folge: Fortuna Düsseldorf punktet im Abstiegskampf. Sie profitiert von Last-minute-Toren, einer Menge Glück - und doch beweisen die Ergebnisse, warum die Verlängerung mit Friedhelm Funkel richtig war.

Friedhelm Funkel
imago/ Laci Perenyi

Friedhelm Funkel

Von Tobias Escher


Friedhelm Funkel verweigerte sich den Fans. Nach dem 2:1-Erfolg beim FC Augsburg skandierten die mitgereisten Fortuna-Anhänger lautstark seinen Namen. Sie wollten ihren Trainer feiern. Funkel verharrte jedoch an der Mittellinie und schickte seine Spieler in die Fankurve. "Sie sollten im Vordergrund stehen", sagte er nach dem Spiel.

Der 65-Jährige kennt alle Mechanismen der Branche und weiß, dass nach der Vertrags-Posse im Winter alle Blicke auf ihn gerichtet sind. Zur Erinnerung: Der Vorstand wollte im Wintertrainingslager mit dem Trainer nicht über eine Vertragsverlängerung sprechen, Funkel indes schon. Kurzerhand gab der Klub die Trennung zum Sommer bekannt - und knickte wenige Tage später wieder ein. Funkel bekam seine Vertragsverlängerung.

Nicht nur deshalb ist Funkel der Gewinner dieser Wochen. Der Erfolg in Augsburg war der vierte Sieg der Fortuna in Folge. Sieben Punkte Vorsprung hat Düsseldorf auf den Relegationsrang, sieben Punkte Rückstand auf einen Europa-League-Rang. Da vergisst man schnell, dass der Klub durchaus Argumente hatte, den Vertrag mit Funkel nicht vorzeitig zu verlängern. Der knappe Sieg gegen Augsburg zeigt beispielhaft, was für und was gegen Funkel spricht.

Funkel wechselt den Sieg ein

Ein Spiel dauert 90 Minuten. Keine Mannschaft beherzigt die alte Herberger-Weisheit derart penibel wie die Fortuna. Sechs ihrer 21 Saisontore erzielten sie nach der 85. Minute. Am 17. Spieltag schockierten sie Hannover 96 mit dem Siegtreffer in der 92. Minute, gegen Augsburg erzielte der eingewechselte Benito Raman in der 89. Minute den Siegtreffer. Auch beim 2:1-Sensationssieg gegen Borussia Dortmund musste die Fortuna bis zur letzten Sekunde zittern.

Angesichts dieser Bilanz ist es fast logisch, dass sich die Fortuna-Führung die Frage stellte: Ist das der Lohn des Tüchtigen? Oder einfach nur Glück? Sie wollten bis März abwarten, ehe sie mit Funkel über eine Vertragsverlängerung sprechen.

"Immer Glück ist Können", sagte einst FC-Bayern-Nachwuchscoach Hermann Gerland. In Fortunas Fall sind die späten Treffer Teil eines größeren Plans. Funkels Team beginnt sämtliche Bundesligaspiele defensiv. Egal, ob sie in einem 5-3-2 oder wie gegen Augsburg in einem 4-4-2 verteidigen: Zunächst einmal muss die Null stehen. Gerade einmal 14 Treffer fielen bei Spielen mit Fortuna-Beteiligung in der ersten Hälfte(Torverhältnis: 6:8). In neun ihrer 18 Saisonspielen stand es zur Pause 0:0.

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Erst in der zweiten Halbzeit traut sich Funkel, seine Mannschaft offensiver einzustellen. Nur selten wechselt er dabei die taktische Formation, meist begnügt Funkel sich damit, schnellere und offensivere Spielertypen einzuwechseln. Sie lauern mit den Außenstürmern auf schnelle Gegenstöße. Der Erfolg gibt ihm recht: Sechs der 21 Saisontore erzielten Joker. Funkel wechselt den Sieg ein.

Düsseldorfs aktueller Höhenflug hängt auch damit zusammen, dass manch ein Stammspieler seine Form wiedergefunden hat. Innenverteidiger-Talent Kaan Ayhan ist das beste Beispiel: Mitte der Hinrunde zeigte er teils katastrophale Leistungen, beim 0:3 gegen Gladbach verschuldete er sämtliche Gegentore. Funkel nahm Ayhan aus der ersten Mannschaft und gönnte ihm eine Pause. Er kehrte stärker zurück denn je. Nun gehört er mit seinen präzisen Pässen und seiner Präsenz bei Standards zu den Schlüsselspielern der Fortuna.

Auch die Außenverteidiger Niko Gießelmann und Matthias Zimmermann sind nach einigen Anlaufschwierigkeiten in der Bundesliga angekommen. Sie verteidigen routiniert die Flügel und setzen gleichzeitig offensive Akzente.

Der SPIX belegt, wie sehr sich das Verteidiger-Trio weiterentwickelt hat: Waren ihre statistischen Werte in der Mitte der Hinrunde teils unterirdisch, gehören sie aktuell zu den stärksten Fortuna-Spielern.

Den höchsten SPIX erzielte am Wochenende jedoch kein Feldspieler, sondern ein Torhüter: Michael Rensing hält aktuell fast alles, was auf seinen Kasten kommt. Sowohl Dortmund als auch Hannover und Augsburg erarbeiteten sich im Spielverlauf mehr Torschüsse als die Düsseldorfer. Doch Rensing konnte die meisten dieser Versuche vereiteln.

Späte Tore, tolle Leistungen des Torhüters: Etwas Glück war also schon nötig für Düsseldorfs Siegesserie. Den Fans wird das egal sein. Sie feiern ihren Trainer Funkel - wahrscheinlich auch in der kommenden Saison. Funkels Vertrag verlängert sich im Falle eines Klassenverbleibs. Dieser ist angesichts von zehn Punkten Vorsprung auf einen direkten Abstiegsrang wahrscheinlicher denn je.



insgesamt 8 Beiträge
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telarien 22.01.2019
1. Danke Friedhelm, Vorstand raus!
Man muss ja auch berücksichtigen, dass Friedhelm Funkel mit einem Kader spielt, der nicht Ligaspitze ist. Bei Bayern könnte ein Volldepp auf der Bank sitzen, zur Championsleague würde es reichen. Das wertet die Leistung von Funkel deutlich auf.
oskarlafrontal 22.01.2019
2. Danke, FF, Pfannenstiel raus!
Vorstand Schäfer hat sich zumindest reumütig gezeigt. Der wahre Hintermann dieser Intrige scheint für mich jedoch Herr Pfannenstiel gewesen zu sein und der hat sich nicht wirklich geäußert........ Es steht zu befürchten , daß er weiteres Unheil anrichten wird.
abudhabicfo 22.01.2019
3. Vorstand hat Glück
Gut geschrieben: Immer Glück ist Können. Wer seine Mannschaft so motivieren kann, ist ein ein guter Trainer. Zum Vorstand muss man nicht noch mehr schreiben. Nach dem Klassenerhalt dürfen die Vorstände beruhigt zurücktreten.
menton 22.01.2019
4. Intrige?
Zitat von oskarlafrontalVorstand Schäfer hat sich zumindest reumütig gezeigt. Der wahre Hintermann dieser Intrige scheint für mich jedoch Herr Pfannenstiel gewesen zu sein und der hat sich nicht wirklich geäußert........ Es steht zu befürchten , daß er weiteres Unheil anrichten wird.
Habe ich was verpasst? FF hat dem Verein ohne jede Not die Pistole auf die Brust gesetzt (weil er aufgrund einer guten Woche zum Abschluss der Hinrunde meinte, gute Karten zu haben). Das hat er so ultimativ formuliert, dass der Vorstand davon ausgehen musste, dass er nicht weiter verhandelt, wenn nicht sofort gespurt wird. Weil der Verein sich aber nicht erpressen lassen wollte, verkündete Herr Schäfer die logische Konsequenz: Der Vertrag endet mit Abschluss der Saison. Wäre m.E. auch alles ok gewesen, wenn FF nicht danach vor die Presse getreten und eine emotionale Show abgeliefert hätte ("buhuhu... die vertrauen mir nicht....."). Hierauf sind dann die Fans und die Presse eingeschwenkt und haben den Vorstand gezwungen, klein beizugeben. Von einer "Intrige" gegen Herrn Funkel kann überhaupt keine Rede sein! Eher schon andersrum.
jupptrawupp 22.01.2019
5. SPIX ist blödsinnig
Die Aussage, dass Rensing eine gute Leistung erbracht hat zeigt, dass ihre Analysen Blödsinn sind. Wer das Spiel geschaut hat, kann bestätigen, dass Rensing das ganze Spiel über ein Unsicherheitsfaktor war. Zig Flanken unterlaufen, beim Freistoßtor falsches Stellungsspiel znd wie bei jedem Spiel bringt er die Verteidiger in Probleme, da er bei steilen Pässen auf der Linie klebt.
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