Hitzlspergers Coming-out Na und?

Die Resonanz auf das Coming-out des früheren Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger ist groß. Zweifelsohne: Der Schritt ist mutig und ein wichtiger Tabubruch. Er und die Reaktionen darauf werfen viele Fragen auf. Eine Auswahl.


Warum hat das Sexualleben von Menschen - egal ob prominent oder nicht - überhaupt einen Nachrichtenwert?

Wann wird das Coming-out eines Fußballers keine Nachricht mehr sein?

Warum outet sich Hitzlsperger erst nach seiner aktiven Karriere?

Kann es einen richtigen Zeitpunkt geben, seine Homosexualität öffentlich zu machen? Und einen falschen?

Warum bricht der Server von "Zeit.de" kurzfristig zusammen, nur weil sich ein Fußballer outet?

Wie geht das: Jahre nicht man selbst zu sein?

Warum ist es als Fußballer so schwer, sich als homosexuell zu outen?

Wann outet sich der erste aktive Profi-Fußballer?

Sich bekennen, eingestehen, etwas öffentlich machen? Coming-out, Outing? Warum scheint die korrekte Wortwahl beim Thema Homosexualität so viel wichtiger zu sein als in anderen Bereichen?

Warum zieren wir uns, "schwul" zu schreiben?

Ist es zulässig, die Form von Hitzlspergers Coming-out zu kritisieren, wenn die Aufmerksamkeit doch der Tatsache gelten sollte, dass es dieses Coming-out überhaupt gibt?

Wie normal kann Homosexualität in unserer Gesellschaft sein, wenn sogar die Bundesregierung sich genötigt sieht, schnellstmöglich ein Statement zu veröffentlichen?

Wird Hitzlsperger jetzt zu einer Ikone der Homosexuellen-Szene?

Warum war die Resonanz von Politik und Öffentlichkeit auf die Solidarisierungskampagne mit homosexuellen Olympioniken nicht annähernd so groß?

Muss Angela Merkel jetzt das Gleichstellungsgesetz durchwinken?

Ist das alles nicht ganz normal?

Ist der Fußball homophob, oder wird er nur für homophob gehalten?

Warum glaubte Thomas Hitzlsperger vor dem Interview mit der "Zeit", Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff informieren zu müssen?

Warum muss der DFB Hitzlsperger die "Unterstützung des gesamten Fußballs" versprechen?

Wieso spricht DFL-Präsident Reinhard Rauball von "Betroffenen", wie von den Opfern einer Flutkatastrophe?

Wie reden Spieler im Training, in der Kabine, bei Auswärtsfahrten über Sexualität?

Ist der Fußball am Ende doch der beste Spiegel der Gesellschaft? Warum können aktive Politiker zu ihrer Homosexualität stehen, aktive Fußballer aber offenbar nicht?

Wie gehen wir selbst als aktive Sportler im Verein oder in einer Mannschaft mit Homosexualität um? Setzen wir Zeichen? Schaffen wir eine Atmosphäre, in der sich jeder wohlfühlt?

Was sollen aktive schwule Spieler über dieses Medienecho denken?

Warum unterstellen uns Leser, wir würden eine voreingenommene Haltung zu Homosexuellen haben, weil wir kein fröhliches Bild von Hitzlsperger ausgewählt haben?

Hätte ein Interview allein nicht ausgereicht? Muss es noch ein Videostream dazu sein?

Warum sind weder Thomas Hitzlsperger noch sein Management in den Stunden nach der offiziellen Veröffentlichung des kompletten Interviews erreichbar? Warum bitten sie darum, von weiteren Anfragen abzusehen?

Sind wir Teil einer großen PR-Inszenierung?

Wieso ist Normalität ein so großes Thema?

Na und?

Die Sportredaktion von SPIEGEL ONLINE



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insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
firenafirena 08.01.2014
1. Noch eine Frage
Warum gibt es immer noch Menschen, die der Meinung sind, Homosexualität wäre KEIN natürlich auftretendes Phänomen und somit in jeder Hinsicht "natürlich"? Sexuelle Vorlieben sind ebenso egal wie die Wahl der Lieblingssocken.
bjbehr 08.01.2014
2. Gehirnwäsche
Solange, wie das TV VOLLGESTOPFT ist mit sexuellem Quatsch - Videotext ist zugemüllt mit diesem Blödsinn, statt Werbepausen wird unglaublich dämlich Sexuelles gesendet -, solange wird uns Menschen eingetrichtert (wie es ein Forist auch auf den Punkt gebracht hat: In unserem Hirn dreht es sich um nichts anderes als um Sex), dass Sexualität oder das Denken daran (oder oder oder) das Nonplusultra in dieser Gesellschaft sei. Und solange muss man annehmen: Die Menschheit ist im Grunde dumm.
Newspeak 08.01.2014
3. ...
Wie geht das: Jahre nicht man selbst zu sein? Gegenfrage: Was macht 80% der Menschen so verdammt selbstgewiss, daß sie nichts in Frage stellen? Nicht die Welt, nicht das System, nicht sich selbst? Das gilt quasi auf jedem Gebiet.
OskarVernon 08.01.2014
4.
Zitat von sysopGetty ImagesDie Resonanz auf das Coming-out des früheren Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger ist groß. Zweifelsohne: Der Schritt ist mutig und ein wichtiger Tabubruch. Er und die Reaktionen darauf werfen viele Fragen auf. Eine Auswahl. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fragen-zum-coming-out-von-thomas-hitzlsperger-a-942519.html
Hat es nicht - die Frage müsste eigentlich lauten: "Warum misst jemand seinem eigenen Sexualleben Nachrichtenwert bei und tritt es öffentlich breit?" Wir wissen, dass die sexuelle Orientierung unveränderlich angeboren ist, also selbstverständlich niemandem vorzuwerfen - aber eben auch nicht sein Verdienst, der irgendwie besonders hervorzuheben wäre. Insofern finde ich auch im privaten Rahmen immer wieder mal befremdlich, von irgendwem darüber aufklärt zu werden, er sei schwul bzw. sie sei lesbisch: Das geht mich eigentlich gar nix an und interessiert mich auch nicht wirklich - was also soll das?
SelberDenker 08.01.2014
5. Genau!
Die Eingangs. und Schlussfrage trifft es auf den Punkt. In einer durchgehend toleranten (oder zur Toleranz gleichgeschalteten) Gesellschaft wäre diese Nachricht überhaupt gar keine Nachricht. Angesichts der gegenwärtigen Bedingungen ist das Outing allerdings eine Tat von anerkennenswertem, wenn auch begrenztem, Mut. Es ändert nix am Klischee des Fußballers als hartem Kerl, es ändert nix am Klischee des Schwulen als Weichei, es hilft dem Schwulen nix in der Kabine und noch weniger beim Duschen. Wie auch immer die "gesamtgesellschaftliche" Akzeptanz inklusive vollumfänglicher Unterstützung des DFB ausssieht, jeder schwule Fußballer sollte sich im Kontext seines persönlichen Umfeldes genau überlegen, ob er sich bekennt.
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