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01. Februar 2011, 17:09 Uhr

Fragwürdige Personalpolitik

Schalkes Fans attackieren Magath

"Dieser Trainer läuft Amok": In Internetforen laufen Schalkes Anhänger Sturm gegen die jüngsten Verpflichtungen von Felix Magath. Ein Fanvertreter bestätigt, dass viele den Coach nicht mehr verstehen und die aktuelle Saison längst abgehakt haben.

Hamburg - Schalke-Trainer Felix Magath ist wegen seiner Einkaufspolitik bei den eigenen Anhängern in die Kritik geraten. "Es herrscht Aufruhr", sagte ein hochrangiges Mitglied des Schalker Supporters Clubs SPIEGEL ONLINE. Und das ausgerechnet drei Tage vor dem Derby gegen Dortmund.

Spätestens seit den Last-Minute-Transfers der arbeitslosen Angelos Charisteas (30) und Ali Karimi (32) gehen selbst eingefleischte Schalke-Fans auf die Barrikaden. "Gerade nach der Verpflichtung von Herrn Karimi fragt sich der geneigte Fußballexperte in der Kurve, was das soll", so der Schalke-Supporter.

In mehreren Internetforen kritisieren die Anhänger der "Königsblauen" die Entscheidungen des eigenen Trainers. Auf der Homepage des Supporters Clubs heißt es unter anderem: "Magaths Konzept ist die Konzeptlosigkeit". Und ein weiterer User formuliert drastisch: "Dieser Trainer läuft Amok."

Magath, der seit seinem Amtsantritt auf Schalke im Juli 2009 rund 40 Spieler verpflichtet und weit über 30 vor die Tür gesetzt hat, begründete die Verpflichtung von Charisteas so: "Gerade die 0:1-Niederlage gegen Hoffenheim hat wieder gezeigt, wie gut wir noch einen kopfballstarken Stürmer gebrauchen können."

Bei vielen Anhängern lösen seine Transfers Unverständnis hervor. "Es macht einfach keinen Sinn, einen Rakitic zu verkaufen und einen Annan zu holen", so das Mitglied der Schalke-Supporter. Das Verhältnis zwischen Coach und Fans, das bereits im Sommer durch den erzwungenen Abtritt des Fan-Beauftragten Rolf Rojek gelitten hatte, droht sich weiter zu verschlechtern.

Schon jetzt scheint ein Großteil der Schalker Fans nicht mehr an die sportliche Wende einer bislang verkorksten Saison zu glauben. "Die Ziele sind gefährdet", fürchtet der Supporter. Nach den Leistungen in den Rückrundenpartien (ein Sieg, zwei Niederlagen) schwinde die Hoffnung, im nächsten Jahr international zu spielen. Vizemeister Schalke, als Gesamtkonzern mit etwa 250 Millionen Euro Schulden belastet, ist momentan nur Tabellenelfter. Den Einzug in die Europa League könnte die Magath-Elf noch über den DFB-Pokal erreichen. Dort steht im Halbfinale das Duell mit Meister Bayern München an.

Mitleid aus Dortmund

"Das Schlimmste, was einem Schalker passieren kann, ist, wenn der Nachbar Mitleid mit uns hat", sagt der Schalke-Supporter SPIEGEL ONLINE. Er meint die Fans des Revierclubs Borussia Dortmund, seit Jahrzehnten Schalkes großer Rivale. "Doch genau das hört man mittlerweile in vielen Gesprächen heraus."

Für das Derby am kommenden Freitagabend in Dortmund (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist ihm "mehr als angst und bange". Sein Tipp: "3:1 für Dortmund."

chp/dpa/sid

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