TV-Kommentator Frank Buschmann "Es ist mir auch egal, wie das rüberkommt"

Die einen lieben seine emotionale Art, die anderen schalten genervt den Ton aus. Frank "Buschi" Buschmann über den schmalen Grat zwischen Unterhaltung und Journalismus - und seinen Umgang mit Kritik.

DPA

Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Herr Buschmann, an einem Tag kommentieren Sie ein Fußballspiel, am nächsten Tag moderieren Sie eine Gameshow. Sind das unterschiedliche Jobs für Sie?

Frank Buschmann: Ein Bundesligaspiel ist natürlich etwas anderes, als wenn Stefan Raab im Kirschkernweitspucken gegen einen Kandidaten antritt - das weiß ich schon. Beides kann aber unterhaltsam, spannend, dramatisch sein. Die Form, in der ich das transportiere, muss immer dem Ereignis angemessen sein.

  • imago
    Frank Buschmann, Jahrgang 1964, seit mehr als zwei Jahrzehnten als Sportjournalist tätig. Ein breiteres Publikum erreichte Buschmann, als er 2007 erstmals die Spiele und sportlichen Wettbewerbe bei "Schlag den Raab" kommentierte. Mittlerweile moderiert Buschmann mehrere RTL-Showformate ("Ninja Warrior Germany", "The Wall") - und kommentiert seit dieser Saison für den Pay-TV-Sender Sky wieder Spiele der Fußball-Bundesliga und der Champions League.

SPIEGEL ONLINE: Bei beiden Ereignissen gehen Sie gleichermaßen aus dem Sattel.

Buschmann: Wenn ich das 4:4 zwischen Dortmund und Schalke kommentiere, dann kann ich das doch nicht nüchtern und tiefenanalytisch begleiten, dann werde ich meiner Aufgabe als Live-Reporter auch nicht gerecht. Ich kann beides unterhaltsam machen, aber der Tiefgang muss bei einem Fußballspiel ein größerer sein als bei einer Unterhaltungsshow. Beim Fußball darf ich auch die Rahmenbedingungen nicht völlig hintenanstellen, da bin ich Journalist. Ich bin aber natürlich auch Unterhalter.

SPIEGEL ONLINE: Nervt es Sie, dass Sie sich immer wieder anhören müssen, beides zusammen geht nicht?

Buschmann: Ich springe auf dieses Thema deshalb so an, weil ich es nicht mehr ertragen kann. Sobald man locker mit dem Thema Sport umgeht, heißt es: Das ist ja kein Journalist. Das kommt natürlich, weil ich - sorry - relativ erfolgreich in der Unterhaltung unterwegs bin. Wer mir nachweisen kann, dass ich totalen Schwachsinn erzähle, dass ich meine Gags auf Kosten von Spielern, Trainern oder Verantwortlichen mache, der soll mir das vorlegen. Das wird es nicht geben. Auch als Live-Kommentator beachte ich immer den journalistischen Grundsatz der Fairness.

SPIEGEL ONLINE: Beim Champions-League-Spiel in Monaco sah man Sie vor Spielbeginn die Welle mit Leipziger Fans machen. Gehört eine gewisse Distanz nicht auch zu den journalistischen Grundsätzen?

Buschmann: Wenn ich aus einer Laune heraus mit Fans im Stadion La Ola mache, dann bedeutet das doch nicht, dass ich kein Journalist bin. In dem Moment bin ich einfach nur ein Mensch.

SPIEGEL ONLINE: Noch mal: Sind Sie nicht oft zu nah dran?

Buschmann: Wenn andere Kommentatoren bei internationalen Fußballübertragungen von "wir" sprechen , fällt das niemandem auf. Ich betrachte mich mehr als jemanden, der auf dem gleichen Meer fährt - aber niemals im gleichen Boot. Wenn ich mir diesen Vorwurf gefallen lasse, dann für die Vergangenheit, als ich für eine Basketball-Nationalmannschaft mitgefiebert habe und mich vielleicht sogar als dazugehörig empfunden habe.

SPIEGEL ONLINE: Das würden Sie heute anders machen?

Buschmann: Ich habe mir das damals schöngeredet. Das sei schließlich die Nationalmannschaft, da darf ich doch mitfiebern. Das sehe ich heute anders. Ich fiebere mit keinem Team mit. Ob nun Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04 oder RB Leipzig, ich bin da emotional viel zu weit weg von diesen Klubs.

SPIEGEL ONLINE: Wieso reiben sich so viele Menschen an Ihrem Kommentarstil?

Buschmann: Jetzt bin ich mal ganz arrogant, und es ist mir auch egal, wie das rüberkommt: Ich glaube, es gibt deutlich mehr Menschen, die etwas mit mir anfangen können, als Menschen, die nichts mit mir anfangen können. Nur die, die am lautesten schreien, sind ja nicht automatisch in der Mehrzahl, das gilt vor allem für Social Media.

SPIEGEL ONLINE: Aber Ihnen ist nicht verborgen geblieben, dass es auch Kritiker gibt.

Buschmann: Wenn man Haltung zeigt, polarisiert man. Ich gebe meine Haltung ja nicht an der Senderpforte ab, manchmal gibt es dann eben auch Gegenwind. Und wenn es jemandem nicht gefällt, dass ich so emotional bin, dann komme ich damit schon klar. Die Leute können ruhig sagen: "Der geht mir auf den Sack, der ist mir zu laut." Aber kaum jemand macht sich die Mühe, genau hinzuhören. Weil man eben schön einen total witzigen Twitter-Beitrag schreiben kann. Um damit nichts anderes zu erreichen als das, was man mir immer vorwirft: Aufmerksamkeit bekommen.

Fotostrecke

10  Bilder
Kommentator Frank Buschmann: Basketball, Raab und RTL

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst sind sehr aktiv in den sozialen Medien, mehr als die meisten ihrer Kollegen - und teilen auch dort regelmäßig aus.

Buschmann: Ich habe vor etwa fünf Jahren beschlossen, den Austausch mit Sportfans zu suchen. Das waren zunächst auch wirklich wundervolle Sportdiskussionen. Vielleicht habe ich da die Tür zur Person Frank Buschmann zu weit aufgemacht.

SPIEGEL ONLINE: Sie streiten sich regelmäßig mit Nutzern.

Buschmann: Zur Einordnung: Zu 80 oder 85 Prozent ist das ein gescheiter Austausch. Das sind inzwischen fast 500.000 Menschen auf Facebook, 225.000 auf Twitter. Natürlich nimmt da auch die Zahl der Arschlöcher zu. Aber nur, weil ich in der Öffentlichkeit stehe, weil ich mittlerweile relativ bekannt bin, muss ich mir doch nicht alles gefallen lassen. Ich will ja auch gar nicht von jedem geliebt werden.

SPIEGEL ONLINE: Das Muster wiederholt sich: Mediendienste greifen das auf und zwei Tage später veröffentlichen Sie ein kurzes Video, in dem Sie erklären, Sie müssten ruhiger werden.

Buschmann: Natürlich müsste ich das irgendwann mal lassen. Das Problem ist: Ich bin ein emotionaler Mensch. Und dann liege ich da, und hab vielleicht Langeweile, weil ich gerade Produktionspause habe - und dann kommt da ein Post, der mir so richtig auf den Sack geht, dann reg ich mich halt auf. Ich gelobe aber Besserung.

SPIEGEL ONLINE: Bis der nächste Post kommt.

Buschmann: Ich mag es einfach nicht, total zerrissen zu werden von einem User, der das einfach nur so hinrotzt. Ein gutes Beispiel ist für mich Fritz von Thurn und Taxis. Der ist in den sozialen Medien, selbst im Feuilleton, regelrecht hingerichtet worden. Dann hörte er auf - und Fußball-Deutschland lag ihm auf einmal zu Füßen! Eine ähnliche Erfahrung mache ich übrigens, seit ich beim American Football aufgehört habe.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Buschmann: Selbst die, die mich damals gehasst haben, schreiben jetzt immer mal wieder, ich möge zurück zu "ranNFL" gehen. Ich würde fehlen. Damit das nicht falsch rüberkommt: Das erzähle ich nicht, weil ich mich für den Größten halte. Das ist nichts Buschmannspezifisches. Aber es ist das gleiche seltsame Phänomen.



insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
roulaison 11.12.2017
1. Der Typ
ist einfach authentisch. Geschmacksache. Gibt deutlich schlechtere. Find ihn gut
mactruth81 11.12.2017
2. Buschmann bleib wie du bist
und lass dich nicht verbiegen, du bist nämlich eines der wenigen hellen Lichter, in einem dunklen Meer von langweiligen und/oder parteiischen und dabei weniger kompetenten und weniger menschlichen Kommentatoren in Deutschland. Weiter so!!
Americanet 11.12.2017
3.
Im Gegensatz zu Fritz v. T. u. T. versteht Buschmann wenigstens was von dem, was er da erzählt und vor allem wiederholt er nicht wieder und wieder dieselben Vokabeln. Ich finde Buschmann manchmal unerträglich und freue mich trotzdem beim nächsten Mal, ihn wieder zu hören.
Micirio 11.12.2017
4. Busch fehlt und fehlt auch wieder nicht
bei ran nfl. Ich möchte ihn und zusammen mit Coach Esume waren das immer emotionale und trotzdem sportlich interessante Football-Übertragungen. Immer authentisch. Aber es gibt gute Nachfolger für Buschi. Insbesondere Carsten Spengemann sei da erwähnt:emotional, authentisch und ein hohes Fachwissen, welches er gut rüberbringt. Also Buschi: Danke für deine Zeit bei ranNfl. Ohne dich wäre die Sendung nicht so gut geworden wie sie ist. Aber mach dein Ding und bleib wie du bist. "Und am Ende ka... die Ente"
var 11.12.2017
5. "Journalistischen Grundsatz der Fairness"?
Als FB noch Basketball moderierte, war von Fairness nichts zu spüren. Er hatte seinen Lieblingsverein, der war super und machte alles richtig, und wenn mal ein anderer gewonnen hatte, wusste er es nie zu würdigen. Strittige Spielszenen waren immer dann richtig entschieden worden, wenn sie für seinen Verein positiv gepfiffen wurden. Schreckliche entnervende Kommentare, die ganze Zeit. Ja, er hat große Ahnung, aber anhören mochte ich ihn trotzdem nie. Wie schön, dass er jetzt hauptsächlich Fußball macht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.