Neuer Köln-Coach Schaefer: Mit Gottes Beistand

Von Tim Röhn, Köln

Frank Schaefer hat Stale Solbakken als Trainer des 1. FC Köln abgelöst. Es ist der verzweifelte Versuch der Club-Bosse, vier Spieltage vor Schluss den Abstieg doch noch zu verhindern. Aber es gibt massive Zweifel, ob der bekennende Christ die Wende schaffen kann.

Köln-Trainer Schaefer: Die letzte Hoffnung des FC Fotos
Getty Images

Es hatte ausnahmsweise etwas von Professionalität. Anstatt ein großes Tamtam um die Beförderung von Frank Schaefer zu machen, blieben die Tore des Kölner Stadions beim Training am Freitag geschlossen, Werbebanner dienten als Sichtschutz. Einige ältere Herren hatten sich dennoch vor der Westtribüne getroffen und sinnierten in kölschem Idiom über ihren Verein. "Wat is dat ruhig hier heut! Dat kenn isch gar nit", sagte einer.

In der Tat ist der 1. FC Köln nicht dafür bekannt, im Verschwiegenen zu arbeiten. In den vergangenen zwölf Monaten hat er wacker an seinem Image des Chaos-Clubs gearbeitet. Gut möglich, dass mit dem Geheimtraining vor dem Derby bei Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) demonstriert werden sollte: Jetzt ist Schluss mit dem Theater.

Frank Schaefer ist der Mann, der Köln zum Klassenerhalt führen soll. Der 48-Jährige löst damit Stale Solbakken ab, der am Donnerstag beurlaubt worden war. Dem Norweger wurde das sture Festhalten an seinem System zum Verhängnis. Dazu kam: Solbakken gelang es nicht, seinen Spielern einzubläuen, dass sie angesichts der bedrohlichen Lage gefälligst zu kämpfen haben.

Aber kann das überhaupt jemand schaffen?

Schaefer wird es versuchen. Für ihn ist es die zweite Amtszeit als Kölner Cheftrainer, zumindest bis zum Saisonende stellt er seine Arbeit als Nachwuchskoordinator ein. "Frank Schaefer hat bereits in der letzten Saison gezeigt, dass er die Mannschaft zu Höchstleistungen motivieren kann", begründete Geschäftsführer Claus Horstmann die Entscheidung, die von den meisten FC-Fans begrüßt wird.

Der neue Coach ist einer, mit dem sich die Anhänger identifizieren können. Gebürtiger Kölner, seit 1973 im Verein. Innerhalb der Mannschaft gibt es von diesem Kaliber bis auf Lukas Podolski niemanden, und ausgerechnet der wird im Sommer gehen. Dass Schaefer als Retter ausgewählt wurde, könnte von daher eine gute Nachricht in diesen tristen Tagen rund um den Dom sein.

"Teile dieses Geschäfts widern mich an"

Und dennoch sind Zweifel an seiner Wirkungskraft angebracht. Als Schaefer im Oktober 2010 Zvonimir Soldo als Trainer ablöste, stand der FC auf Platz 17. Bei seinem Rücktritt drei Spieltage vor dem Saisonende war Köln 14. Natürlich ist das eine Verbesserung, auch sieben zwischenzeitliche Heimsiege in Folge waren ein Erfolg. Aber dennoch gab es auch mit Schaefer keine kontinuierliche Entwicklung. Vor seinem Rücktritt verlor das Team dreimal in Folge und musste wieder um den Klassenerhalt bangen. Schaefer selbst schien überrascht zu sein vom Trubel im Profigeschäft, hatte er doch zuvor nur die zweite Mannschaft betreut.

"Teile dieses Geschäfts widern mich an", sagte Schaefer im Frühjahr 2011, nachdem sich mit Volker Finke ein interner Gegenspieler herauskristallisiert hatte. Der damalige Sportdirektor griff in Schaefers Trainingsarbeit ein. Und er schreckte nicht einmal davor zurück, öffentlich über den christlichen Glauben des Trainers zu philosophieren. "Dorther kommt ja offensichtlich sein Problem, den Job als Profifußballtrainer mit seiner privaten Lebenssituation verbinden zu können", sagte Finke. Schaefer konterte, gerade sein Glaube sei es, der ihm Kraft für seine Arbeit gebe. Wenig später trat er entnervt zurück.

Nun agiert Schaefer ohne Störenfried Finke, der im März entlassen wurde. Seine Aufgabe ist es, aus einem als charakterlos verschrienen Haufen eine eingeschworene Truppe zu formen, die mangelnde Qualität durch Kampf wettmacht. Wer die letzten Spiele der Kölner gesehen hat, ahnt: Das könnte ein Himmelfahrtskommando sein. 63 Gegentore und 17 Niederlagen (beides Liga-Höchstwert) lassen sich unmöglich nur mit Solbakkens System erklären, das angeblich so schwer zu verstehen war. Nach dem Gladbach-Spiel heißen die Gegner Stuttgart, Freiburg und Bayern. Es gibt leichtere Aufgaben.

Den Ernst der Lage scheinen einige Spieler noch immer nicht begriffen zu haben. Als Ammar Jemal am vorletzten Spieltag das 1:1 gegen Bremen köpfte, führte er im Anschluss an der Seitenlinie ein spektakuläres Freudentänzchen auf. Wer die Tabelle nicht kannte, musste denken: Beim FC, da läuft's. Dabei droht in Gladbach der Sturz auf einen direkten Abstiegsplatz. Sein erstes Spiel gegen Gladbach als Kölner Cheftrainer hatte Frank Schaefer in der Vorsaison zu Hause 0:4 verloren. Im Rückspiel gab es auswärts ein 1:5.

Ein wenig Beistand von oben wird Schaefer bei seiner Mission brauchen.

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1. Mit Gottes Beistand
Roßtäuscher 13.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesFrank Schaefer hat Stale Solbakken als Trainer des 1. FC Köln abgelöst. Es ist der verzweifelte Versuch der Club-Bosse, vier Spieltage vor Schluss den Abstieg doch noch zu verhindern. Aber es gibt massive Zweifel, ob der der bekennende Christ die Wende schaffen kann. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,827376,00.html
Wird der Erhalt der Bundesliga allein nicht zu schaffen sein. Oder hat man bei seiner Heiligkeit schon angefragt, wie er das managen will? Mit einer kräftigen Geldspritze?
2. unverschämt
blubb444 13.04.2012
Zitat von sysopGetty ImagesFrank Schaefer hat Stale Solbakken als Trainer des 1. FC Köln abgelöst. Es ist der verzweifelte Versuch der Club-Bosse, vier Spieltage vor Schluss den Abstieg doch noch zu verhindern. Aber es gibt massive Zweifel, ob der der bekennende Christ die Wende schaffen kann. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,827376,00.html
Warum wird in dem Artikel so oft angesprochen, dass Herr Schaefer gläubig ist? Hat er deswegen weniger Ahnung vom Fußball? Kann man nicht Sachlich bleiben? Fußball ist Fußball und Religion ist Religion! (das sage ich als überzeugter Atheist). Ich denke Herrn Schäfer einspringenzulassen war die eleganteste Lösung, um mit Würde in die 2. Liga abzusteigen. Dort sollte Köln unbedingt einen neuaufbau starten und den Kader ordentlich umschichten, um dann vielleicht mit einem langfristigen Konzept in die 1. Liga aufzusteigen und sich längerfristig dort etablieren zu können. Bei dem potenziell tollen Umfeld kann man es dem Verein nur wünschen.
3. Zweite Liga
Stelzi 13.04.2012
Und Kölle ist dabei! Wenns der Herrgott schon richten muss, dann ist der (Karnevals)Zug bereits abgefahren.
4. FC bleibt erstklassig - gerade mit Schäfer !
Buchfink 13.04.2012
Der FC wird ja geradezu als Absteiger gehandelt , dabei steht Köln doch gar nicht auf einem Abstiegsplatz , sondern Relegationsplatz ! Fast ohne Chancen und abgeschlagen ist Kaiserslautern und bei Hertha (17.) scheint das Chaos ja doch noch größer zu sein. Und selbst wenn wir es nicht schaffen in der Tabelle höher zu kommen , mit Schäfer gehen auf keinen Fall Relegationsspiele gegen den dritten der 2.Liga verloren. Dafür sorgt - gerade unter Schäfer - doch schon Poldi. Als Abschiedsgeschenk an uns und seine Stadt ! ALSO: Wir bleiben erstklassig ! ... und warum morgen kein Untentschieden in Gladbach ? :)
5. Fußballverstand
albert schulz 13.04.2012
Zitat von BuchfinkDer FC wird ja geradezu als Absteiger gehandelt , dabei steht Köln doch gar nicht auf einem Abstiegsplatz , sondern Relegationsplatz ! Fast ohne Chancen und abgeschlagen ist Kaiserslautern und bei Hertha (17.) scheint das Chaos ja doch noch größer zu sein. Und selbst wenn wir es nicht schaffen in der Tabelle höher zu kommen , mit Schäfer gehen auf keinen Fall Relegationsspiele gegen den dritten der 2.Liga verloren. Dafür sorgt - gerade unter Schäfer - doch schon Poldi. Als Abschiedsgeschenk an uns und seine Stadt ! ALSO: Wir bleiben erstklassig ! ... und warum morgen kein Untentschieden in Gladbach ? :)
"Wer nur den lieben Gott läßt walten und hat nichts, und hoffet auf ihn allezeit und macht nichts, den muß er wunderbar erhalten sonst wirds nichts." Köln muß über jedes Gegentor froh sein, daß nicht über dem zwölften liegt.
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