Steinmeier über Erdogan-Foto von Özil und Gündogan "Bisschen ratlos gemacht"

Bundespräsident Steinmeier sieht die Fotos der DFB-Spieler Gündogan und Özil mit dem türkischen Präsidenten Erdogan kritisch. Das sagte Steinmeier der "Zeit" und bestätigte, Gündogan habe ein Treffen mit ihm gewünscht.

Bundespräsident Steinmeier (r.) mit den beiden deutschen Nationalspielern Gündogan (l.) und Özil
DPA

Bundespräsident Steinmeier (r.) mit den beiden deutschen Nationalspielern Gündogan (l.) und Özil


Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich befremdet über das gemeinsame Foto der Fußballnationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gezeigt.

In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Steinmeier, er habe sich zunächst gefragt, ob beide überrumpelt worden seien. "Es hat mich dann, ehrlich gesagt, auch ein bisschen ratlos gemacht." Angesichts der Tatsache, dass beide Spieler in Deutschland groß geworden seien, hätte es sie "nicht überraschen dürfen, dass ihr Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Kritik auslöst".

Die Initiative für ein Gespräch mit dem Bundespräsidenten wenige Tage nach dem Erdogan-Treffen sei von Gündogan ausgegangen. "Wenn jemand nach einem Rückweg sucht, soll man helfen. Eine Brücke zu bauen, so verstehe ich meine Rolle als Bundespräsident. Darum habe ich gesagt, ja, sie sollen kommen."

Der Profi von Manchester City hatte sich am Dienstag auf einem Pressetermin im WM-Trainingslager des DFB in Südtirol mit Verständnis und Enttäuschung zur Kritik an seinem Foto mit dem türkischen Präsidenten geäußert. Gündogan sei "offen für Kritik. Jeder Mensch hat seine eigene Meinung. Deshalb haben wir die Meinungsfreiheit. Dafür stehe ich auch. ... Aber beleidigen lassen will ich mich auch nicht", sagte der 27-Jährige. Özil hatte auf einen Auftritt beim DFB-Medientag verzichtet, an dem alle anderen für das WM-Turnier in Russland nominierten Nationalspieler teilgenommen hatten.

Ilkay Gündogan (l.) mit Recep Tayyip Erdogan
DPA

Ilkay Gündogan (l.) mit Recep Tayyip Erdogan

Ob sich Gündogan und Özil entschuldigt hätten, sei laut Steinmeier "eine Interpretationsfrage". Und weiter: "Wenn ich die beiden Aussagen ernst nehme - und ich habe keinen Anlass, das nicht zu tun -, dann haben die beiden jedenfalls erkannt, dass es für sie gut ist, sich zu diesem deutschen Staat und ihrem loyalen Verhältnis zu ihm zu bekennen und das entstandene Bild zu korrigieren", sagte der Bundespräsident der "Zeit".

Zuvor hatte sich bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisch über die gemeinsamen Fotos mit Erdogan geäußert. Laut Gündogan habe er gemeinsam mit Özil den türkischen Präsidenten bei einer Veranstaltung getroffen, bei der Stipendien aus der Türkei verteilt worden seien. Bei diesem Termin hatte Gündogan dem türkischen Präsidenten ein Trikot überreicht, es hatte die Aufschrift: "Mit Respekt für meinen Präsidenten." Das hatte teilweise für starke Kritik gesorgt.

jan

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