Frankfurts Coach in Not Vom Daum zum Däumling

Der Absturz von Eintracht Frankfurt ist auch die Entzauberung des Motivationskünstlers Christoph Daum. Der Trainer wirkt im Abstiegskampf überfordert, seine Methoden gelten als Hokuspokus, seine Sprüche werden hämisch belächelt. Und jetzt wartet ausgerechnet sein Ex-Club Köln auf die Eintracht.

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Als Christoph Daum am 23. März seinen Dienst als Trainer bei Eintracht Frankfurt antrat, sprach er von der "Vision der internationalen Perspektive" des Vereins. Das Wort Abstieg hatte er seinen neuen Spielern per Strafandrohung untersagt, sich selbst als Konzepttrainer bezeichnet. 2000 Zuschauer pilgerten zum ersten Training, der Hessische Rundfunk übertrug live.

Fünf Wochen später muss die Eintracht ihr Sonntagstraining auf eine Empfehlung der Polizei hin absagen, weil die Sicherheit der Spieler vor den wütenden Fans nicht gewährleistet werden könne. Und für den Konzepttrainer Daum bleibt nur der Spott der Öffentlichkeit.

Der Eintracht droht zwei Spieltage vor Saisonschluss der direkte Abstieg. Ein Abstieg, den der Trainer persönlich schon hinter sich hat.

Erst einmal die unbestechlichen Zahlen: Drei Punkte in fünf Partien hat Frankfurt unter Daum geholt und dabei auch nur drei Tore geschossen. Der Club ist in dieser Zeit von Platz 14 auf Platz 16 abgerutscht. Zum Vergleich ein Blick auf die anderen Teams im Tabellenkeller: Der VfL Wolfsburg, ähnlich prekär platziert, erzielte in diesen fünf Partien acht, der Vorletzte Borussia Mönchengladbach neun Punkte. Der VfB Stuttgart, ein ehemaliger Daum-Club, hat während dieser Zeit gar zehn Punkte gesammelt. Allein Frankfurt scheint mit der Situation des Abstiegskampfs immer noch heillos überfordert zu sein.

Abwärtstrend schon unter Skibbe

Dies alles an der Person Daum festzumachen, wäre sicher ungerecht. Die Eintracht befand sich schon Wochen zuvor unter dem nonchalanten Trainervorgänger Michael Skibbe im steten Abwärtstrend, hat in der Rückrunde ohnehin erst einen läppischen Saisonsieg erreicht - skurrilerweise wurde Skibbe ausgerechnet im Anschluss an diesen 2:1-Erfolg gegen den FC St. Pauli gefeuert. Das Team hat sich in dieser Spielzeit zudem mit der einzigen Sturmspitze Theofanis Gekas in eine Art babylonische Gefangenschaft von der Tagesform des Griechen begeben. Das Spielsystem funktionierte lediglich unter der Prämisse, dass Gekas trifft. In der Hinrunde klappte das mit 14 Gekas-Toren vorzüglich, in der Rückrunde gar nicht mehr.

Daum hat in der Vorwoche, nachdem Gekas eine tausendprozentige Torchance gegen den FC Bayern München vergeben hatte, vom "Denkgefängnis" gesprochen, in dem der Stürmer feststecke. Er wolle versuchen, Gekas daraus mit Hilfe "neurolinguistischen Programmierens" zu befreien. Solche Aussagen des Trainers sind es, die den 57-Jährigen zum Objekt der Häme machen.

Als Daum die Fußballbühne betrat, Ende der achtziger Jahre als junger Wilder des 1. FC Köln, da waren solche Töne ungewohnt. Es herrschten damals noch die Kasernenhoftrainer, für die Psychologie ein Schimpfwort war. Heute jedoch, in der Zeit, in der Trainertypen wie Jürgen Klopp, Thomas Tuchel oder Mirko Slomka die Szene dominieren, gehören Motivation und Mentalcoaching zum Basisprogramm. Daums Sprüche wirken im Kreise dieser gut ausgebildeten Sportlehrer wie aus einem Lehrbuch "Freud für Anfänger". Seine Methoden, durch gemeinsames Händeklatschen oder Fingerschnipsen im Training Gemeinsamkeit herzustellen, sind in Zeiten des "Teambuildings" nur noch Hokuspokus von gestern, werden von Journalisten und Spielern müde belächelt. Daum läuft Gefahr, als Trainer nicht mehr ernst genommen zu werden.

Von Nachhaltigkeit keine Spur

Für Christoph Daum hat Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen seine persönliche Club-Philosophie, die auf Ruhe, Besonnenheit und Nachhaltigkeit setzt, geopfert. Im Nachhinein muss man sagen: Es war ein Verzweiflungsakt. Daum ist nicht mehr der Heilsbringer, als der er bei seiner Verpflichtung in Teilen der Presse gefeiert wurde. Er ist nur einer, der retten sollte, was zu retten ist. Und sich dazu offenbar nicht in der Lage sieht.

Der Trainer hat gesagt, dass er den Verein im Abstiegsfall verlassen werde. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Daum pflegt offenbar immer noch das Selbstbild eines Meistercoaches. Mit dieser Einstellung wird er es allerdings künftig schwer haben, überhaupt noch einen Job in der Bundesliga zu bekommen. Daum hat immer von seiner Aura der Motivationskunst gelebt. Wenn es der berühmteste Motivator der Branche in Frankfurt nicht schafft, eine Mannschaft auch nur kurzfristig wachzurütteln - welcher Clubchef, der nur einigermaßen seriös arbeitet, will solch einen Trainer künftig noch verpflichten?

Die Mannschaft hat jetzt nur noch zwei Chancen. Am letzten Spieltag geht es zum Meister Borussia Dortmund - und die Eintracht muss schon darauf hoffen, dass die siegestrunkenen BVB-Spieler sich immer noch im Stadium der Ausnüchterung befinden, um in Dortmund zu punkten. Und eine Woche zuvor hat der Spielplaner der Liga sein Meisterstück abgeliefert. Er führt am kommenden Samstag Eintracht Frankfurt und den 1. FC Köln zum Abstiegsendspiel (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zusammen. Daum ist in Köln groß geworden, er ist hier zur Trainerpersönlichkeit aufgestiegen. Beim FC genießt er noch heute den Status eines Halbgotts.

Es könnte der Club sein, der das Trainerschicksal des Christoph Daum besiegelt.

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
mimas1789 02.05.2011
1. Zeit vorbei
Daums Zeit ist vorbei. Neue Leute mit neuen Ideen bringen die jungen Spieler von heute nach vorne.
ThomasTM 02.05.2011
2. tja....
...ich hatte es schon befürchtet, dass es nichts mehr wird. Für Frankfurt täte es mit leid, aber Hr.Daum gönne ich es. Er ist meiner Meinung nach ein überschätzter Trainer der in den Jahren nichts dazugelernt hat. Vor 15 jahren hat es noch funktioniert mit seinen Methoden, aber heutzutage braucht es mehr! Mein Tipp....Frankfurt geht als 17. direkt in die zweite Liga.
Driftwood, 02.05.2011
3. Der Scharlatan des deutschen Fussballs!!!
Zitat von sysopDer Absturz von Eintracht Frankfurt ist auch die Entzauberung des Motivationskünstlers Christoph Daum. Der Trainer wirkt*im Abstiegskampf überfordert, seine Methoden gelten als Hokuspokus, seine Sprüche werden hämisch belächelt. Und jetzt wartet ausgerechnet sein Ex-Club Köln auf die Eintracht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,760058,00.html
Christoph Daum war schon immer ein Fussballscharlatan, der anfangs die Mannschaft mit gewagten "Phychotricks" motivieren konnte aber es bis heute nicht geschafft hat eine Mannschaft langfristig auf Erfolg zu trimmen. Beim VfB Stuttgart, mit dem er 1992 Meister wurde, hatte er das Glück, daß er eine Jahrhundertmannschaft trainieren durfte mit dem Magischen Dreieck, das aus den Spielern Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic bestanden.
morpholyte 02.05.2011
4. bei dem ...
... merkt man wirklich, dass er zuviel gekokst hat. Typisch für Kokainabhängigkeit ist eben Größenwahn, Realitätsverlust und Psychosen. So reden kann nur jemand, der noch voll drauf ist. So wie der sich gibt zieht der sich doch immernoch eine fette Line nach der anderen rein. Wann wurde der eigentlich das letzte mal getestet ???
senf-mit-sauce 02.05.2011
5.
Schade, dass Daum damals nicht Nationaltrainer geworden ist.
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