Zur Kritik an Mesut Özil Lasst ihn spielen!

Die hängenden Schultern, der traurige Blick: Mesut Özil wirkt manchmal lustlos und verloren auf dem Feld. Dabei ist die Deutung seiner Körpersprache genauso fehl am Platz wie die gnadenlose Kritik an seiner Leistung. Plädoyer für einen Unverstandenen.

DFB-Zauberer Özil: Oft unverstanden
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DFB-Zauberer Özil: Oft unverstanden

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Kein deutscher Stammspieler wurde bei dieser WM so kritisiert wie Mesut Özil. Die Erwartungen an ihn sind hoch, zu Recht. Aber es sind oft die falschen Erwartungen. Özil soll Tore schießen, Tore vorbereiten, er soll glänzen, brillieren. Er muss.

Bastian Schweinsteiger wurde bei dieser WM für seine "Präsenz" und seine Bodychecks gefeiert, Sami Khedira für seine Laufleistung, Thomas Müller für seine Tore und seine Thomasmüllerhaftigkeit. Özil ist für solche Vergleiche ungeeignet, seinen Körper braucht er nicht als Rammbock, ihm reichen der Kopf für die Ideen und der Fuß für die Umsetzung. Fehlt ihm der Ball am Fuß, fehlt ihm das Charisma. Na und?

Özil spielt lieber Steilpässe, als dass er verbale Steilpässe im TV-Interview verwandelt. Die Sprache ist nicht seine Stärke, auch nicht die Körpersprache. Er wolle das ändern, verspricht Özil. Dabei müsste er es gar nicht. Denn auch wenn seine Schultern in Zukunft nicht mehr hängen sollten - die meisten deutschen Fans könnten mit Özils Art auch dann wenig anfangen. Mesut Özil teilt das Schicksal vieler Genies. Er wird oft nicht verstanden.

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Bei der EM 2012 und der WM 2010 sei Özil der überragende Spieler des Turniers gewesen, hat Joachim Löw gerade in Brasilien den Kritikern entgegengehalten. Der Zauber des neuen deutschen Fußballspektakels, er entsprang vor allem diesem schlaksigen schüchternen Jungen. Und er setzte die Maßstäbe, mit denen man den Mittelfeldspieler fortan maß. Bis heute.

Özil muss mehr laufen als vorher

Dabei haben sich die äußeren Bedingungen dramatisch geändert. Löws Abkehr vom damaligen Risikofußball bedeutet auch eine neue Rolle für Özil. Löw lässt ihn nicht mehr in der Mitte spielen, sondern auf dem Flügel. Özil muss mehr laufen als früher, will er in seine Lieblingsräume auf dem Feld kommen, zurück in die Zentrale.

Nach Müller (204) hat Özil die zweitmeisten Sprints im deutschen Team absolviert (184). Flanken, vor allem gegen Ghana und Algerien wichtiger Bestandteil des deutschen Spiels, schlagen andere. Özil soll stattdessen mit seinen Doppelpässen und Finten die Befreiung aus der zugestellten Zone vor dem Strafraum schaffen. Und das schafft er. Gegen Algerien war Özil der einzige Deutsche, der auch unter dem großen Druck des Gegners seine Ballsicherheit behielt und die Lücken in der Abwehr fand.

"Er kann immer den Unterschied machen", sagt Özils Vereinstrainer vom FC Arsenal, Arsène Wenger, in der Diskussion um seinen Spielmacher. Nicht immer fallen diese besonderen Momente auf, wie etwa im Spiel gegen Portugal. Der Schlüssel zum 4:0-Sieg war die frühe Führung, sie fiel per Elfmeter nach einem Foul an Mario Götze. Entscheidend aber war Özils Ablage per Hacke, die Portugals Abwehr ins Chaos stürzte.

Das Tor schoss dann Müller, der deutsche Liebling bei dieser WM, sein Spitzname: "der Raumdeuter". Die Fernsehzuschauer sehen auf den ersten Blick, dass Müller liefert, als Arbeiter und Torschütze. Mesut Özil ist kein Deuter, er ist ein Raumversteher.

Nur verstanden wird er nicht.

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
verinet 04.07.2014
1. Yes
Zitat von sysopGetty ImagesDie hängenden Schultern, der traurige Blick: Mesut Özil wirkt manchmal lustlos und verloren auf dem Feld. Dabei ist die Deutung seiner Körpersprache genauso fehl am Platz wie die gnadenlose Kritik an seiner Leistung. Plädoyer für einen Unverstandenen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/frankreich-gegen-deutschland-ein-plaedoyer-fuer-mesut-oezil-a-979232.html
so schlecht war er nicht und immer noch ein Spieler der den Unterschied ausmachen kann....wird auch deswegen so verprügelt weil er die Hymne nicht mitsingt...den Spaßvogel Poldi verzeiht man es...Löw lässt ihn aber auch leider nicht auf der richtigen Position spielen
Baelauchbaby 04.07.2014
2. Kollegen
Was sagen denn ihre Kollegen Ahrens und Buschmann zum Artikel? Die machen Özil doch schon die ganze Zeit nieder!? Sie haben ja nun auf elegante Art und Weise entlarvt, dass die beiden Özil in keinster Weise verstehen...
eine_frage_noch 04.07.2014
3. Danke vielmals!!
Ernsthaft, der Junge ist gut. In meinem Bekanntenkreis habe ich auf die Mütze gekriegt, als ich meinte, dass Özil ordentlich gespielt hätte (im Verhältnis zu den anderen Akteuren). Einer der wenigen Artikel, die einen sachlichen Grund liefern, anstatt vermeintliche Körpersprache oder den letzten Kaffeesatz zu lesen. Merci!
ar11 04.07.2014
4. stimmt
Der Artikel ist total richtig. Özil spielt total gut. Seine passe waren vielleicht noch nicht soooooooo gut aber bisjetzt hat Deutschland immer ausreichend. gut gespielt. Mal gucken, wie's weitergeht. Außerdem sollte man özil nicht so kritisch sehen, der wird seine Aktionen in jedem Spiel haben, bei Deutschland und arsenal
Rosa3000 04.07.2014
5. 50/50
Richtig: Özil wird auf der falschen Position eingesetzt und es fehlt der Stürmer vor ihm. Richtig wäre mittig inklusive permanente Wechsel mit Müller und Schürrle. Falsch: Özil bringt nicht die Leistung, die man einem 50Mio-Mann erwarten darf.
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