Frankreichs 5:2-Sieg gegen Island Gnadenlose Märchenzerstörer

Was für ein Galaauftritt des EM-Gastgebers: Frankreich hat Islands Traum vom Fußballmärchen in 45 Minuten zerstört. Nun trifft die Équipe Tricolore auf Deutschland. Alles Wichtige zur Partie.

AFP

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Die Ausgangslage: Der große Außenseiter wollte die "Grande Nation" aus dem EM-Turnier werfen. Und wie bei jeder guten Underdogstory lagen die Sympathien natürlich bei Island: Gefühlt jeder Zweite ermittelte in den vergangenen Tagen "seinen" isländischen Namen, teilte "Huh"-Klatschvideos auf Facebook und lachte über den isländischen Quietsch-Kommentator "Gummi Ben". Doch würde die Euphorie für einen weiteren Sieg reichen? Im EM-Viertelfinale? Im Stade de France? Gegen Frankreich?

Startaufstellungen

Frankreich: Lloris - Sagna, Umtiti, Koscielny, Evra - Pogba, Matuidi - Sissoko, Griezmann, Payet - Giroud
Island: Halldorsson - Saevarsson, Arnason, Ragnar Sigurdsson, Skúlason - Gudmundsson, Gunnarsson, Gylfi Sigurdsson, Bjarnason - Sigthorsson, Bödvarsson

Damoklesschwert: Neun (!) Isländer waren Gelb vorbelastet - inklusive des Torwarts Hannes Halldorsson. Sperren en masse drohten. Doch wer wird denn schon vor der Partie über das Halbfinale nachdenken? Zumal es nach dem Spiel egal war, denn...

Ergebnis: ...die Märchenfreunde wurden enttäuscht: Island verlor 2:5 (0:4). Hier geht es zum Spielbericht.

Frankreichs Galahälfte: Der erste Abschluss durch Gylfi Sigurdsson ging noch auf das Konto der Isländer (3. Minute), das erste Tor fiel aber für die Franzosen: Ein schöner Lupfer von Blaise Matuidi genügte, um Olivier Giroud freizuspielen, der Angreifer tunnelte Keeper Halldorsson - 1:0 (12.). Fun Fact: Es war das erste Tor der Franzosen in der ersten Halbzeit - und es sollte nicht das letzte bleiben: Paul Pogba (19.), Dimitri Payet (44.) und Antoine Griezmann mit dem 100. Tor der Europameisterschaft (45.) erhöhten auf 4:0 - die isländische Euphorie war dahin. Was nun?

Die zweite (überraschend unterhaltsame) Hälfte: Trainer Heimir Hallgrímsson schien in der Halbzeit zumindest ein paar Ideen gehabt zu haben, denn Kolbeinn Sigthórssson gelang tatsächlich das 1:4 (56.). Ein Sensationscomeback blieb jedoch aus - Giroud stellte per Kopf fast im direkten Gegenzug den alten Abstand wieder her (59.) und durfte dann vom Platz. Frankreich hätte schon früh Kräfte für die nächste Partie schonen können, tat dies aber nur bedingt. Und weil Island weiterkämpfte, blieb es unterhaltsam. Frankreichs Keeper Hugo Lloris verhinderte mit einer Glanztat zunächst das zweite Tor des Außenseiters, das dann in der 84. Minute dennoch fiel: Birkir Bjarnarson sorgte für einen versöhnlichen EM-Abschied Islands - das honorierten auch die Fans.

Nach dem Abpfiff ein letztes Huh!
REUTERS

Nach dem Abpfiff ein letztes Huh!

Der Trick, der (offenbar) nicht zu verteidigen ist: Langer Einwurf von Aron Gunnarsson, Kopfballverlängerung, Tor - zweimal hatten die Isländer bei dieser EM bereits so getroffen, gegen England und Österreich. Und auch gegen Frankreich hätte es fast wieder geklappt - aber eben nur fast. Jón Bödvarsson spitzelte den Ball knapp über die Latte (25.).

Küsschen des Abends: ... gaben sich zwei erfolgreiche französische Torschützen. Erst küsste Griezmann den Schuh von Payet, dann revanchierte sich der Mittelfeldspieler. (Zum Angeben im Büro: Auf französisch heißt Kuss "Bise".)

Küsschen für den einen...
DPA

Küsschen für den einen...

... Küsschen für den anderen
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... Küsschen für den anderen

Das Verbal-Duell: Ging Unentschieden aus. Die "Huh"-Rufe und einige isländische Songs trafen auf das gute, alte "Allez les Bleus" sowie die "Marseillaise". Die Stimmung auf den Rängen blieb in beiden Fanlagern bis zum Ende gut und friedlich. Man hat es ja schon fast vergessen: Das war bei dieser EM nicht immer so.

Verlierer des Abends: ... ist England. Offenbar sind die Isländer doch nicht so gut, wie man nach dem 2:1-Sieg im Achtelfinale gegen Rooney und Co. dachte. Oder ist Frankreich einfach megastark? Die Auflösung gibt es am Donnerstag, im Halbfinale gegen Deutschland (21 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE).



insgesamt 43 Beiträge
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Ontologix II 03.07.2016
1. Keine Gentlemen, les francais.
Die Engländer waren da schon ritterlicher und ließen den Underdog gewinnen.
stefan1904 03.07.2016
2. Hoffentlich lassen sie sich vom Ergebnis blenden
Sicher eine gute Leistung, aber es war eben auch nur Island.
briancornway 03.07.2016
3. Helm ab !
Die zweite Halbzeit hat Island 2:1 gewonnen, oder ? Das ist doch mal ein sauberer Abgang. Danke für alles.
w.diverso 03.07.2016
4. Nach der Leistung von Frankreich gegen Island,
kann man die Leistung Englands noch besser einschätzen. Wie es scheint, leben die Engländer in einem dauernden Zustand der Selbstüberschätzung. Wenn die Isländer in den nächsten Jahren noch mehr Routine plus technische Fertigkeiten bekommen, werden sie mit ihrem tollen Einsatz noch weit kommen.
mulli3105 04.07.2016
5. Wer auf Sieg Island
gesetzt hatte, hat entweder keine Ahnung vom Fußball oder ist eben grenzenloser Optimist. Oder beides. Die Isländer hatten nicht den Hauch einer Chance und die Franzosen schalteten richtigerweise zwei Gänge zurück nach dem 3- und 4:0, um nicht gegen die Deutschen noch verletzte oder gesperrte Spieler zu riskieren. Wird ein spannendes Halbfinale, der Sieger wird gegen Portugal spielen und hat damit auch schon gewonnen, denn die Portugiesen sind die Schwächsten in der Liga der etablierten Teams. Wäre für mich eine Überraschung, wenn sie gegen F oder D gewinnen würden. Falls Wales sie lässt...
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